Viele Flächen gehen an Unternehmen

Kaum Bauland in Bremen für Privatpersonen vorhanden

Weil in Bremen möglichst viel Wohnraum geschaffen werden soll, fehlen Flächen für Privatpersonen. Ein Haus nach eigenen Vorstellungen können sich nur Menschen mit viel Geld leisten.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Kaum Bauland in Bremen für Privatpersonen vorhanden
Von Pascal Faltermann
Kaum Bauland in Bremen für Privatpersonen vorhanden

Die meisten Bauflächen für Wohnungen werden an Unternehmen oder Investoren vergeben.

Christophe Gateau

Für Privatpersonen gibt es in Bremen so gut wie kein Bauland. Nur Menschen mit hohem Einkommen oder Rücklagen können Grundstücke erwerben, um ein Haus nach eigenen Vorstellungen zu bauen. Die Hansestadt steckt bei diesem Thema in einem ­Dilemma: Auf freien Flächen soll möglichst viel Wohnraum geschaffen werden. Die Grundstücke, die es gibt, sind für den Durchschnittsverdiener kaum zu bezahlen. Das bestätigen Bauressort, Politiker und Verbände. Haus und Grund als Interessenvertreter von Eigentümern und Vermietern plädiert für einen Richtungswechsel in der Politik: „Es gibt Flächen, die man ausweisen kann“, sagt Geschäftsführer Ingmar Vergau.

Mein Traum, mein Haus, mein Grundstück, mein Architekt – in Bremen ist das schwer bis gar nicht zu realisieren. „Nicht an Bauträger vergebene Grundstücke sind rar gesät, sie sind Mangelware“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Die großen Bauflächen vergebe die Stadt meist an Investoren, Großbauherren oder Wohnungsbauunternehmen wie Gewoba und Brebau.

60 Prozent der Wohnungen von Unternehmen errichtet

Das geht auch aus dem aktuellen Monitoring „Wohnen und Bauen 2019“ des Bauressorts hervor. In den vergangenen fünf Jahren sind 60 Prozent der in der Stadt fertiggestellten 7132 Wohnungen in Gebäuden (nur Neubau) durch Wohnungsunternehmen errichtet worden. Danach folgen Wohnungen, die durch private Haushalte (20,4 Prozent), öffentliche Bauherren (zehn Prozent) und zu 9,6 Prozent durch weitere Unternehmen errichtet worden sind.

Den Grund dafür liefert der rot-grün-rote Koalitionsvertrag. Danach sollen die Voraussetzungen für 10.000 neue Wohnungen geschaffen werden. Ziel der Regierung ist es, auf freien Bauflächen möglichst viel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wofür die kommunalen Wohnungsgesellschaften oder private Unternehmen sorgen sollen.

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Wer als Privatperson ein Grundstück erwerben möchte, muss über das Baulückenkataster suchen. Dort sind derzeit 2800 Lücken in Bremen aufgelistet, in denen gebaut werden könnte. „Über das Kataster werden etwa 40 Prozent der Wohneinheiten in Bremen gebaut“, sagt Tittmann. An komplett freie Grundstücke zu kommen, sei schwierig.

Nach eigenen Vorstellungen ein Haus in einer Baulücke zu errichten, ist nicht immer möglich. Die Bauordnung und andere Gesetze schreiben vor, dass man sich dem Stil der Umgebung anpassen muss. Das heißt: In einer Straße mit Altbremer Häusern wird ein sehr modernes Architektenhaus oder ein Fachwerkhaus eher nicht genehmigt. „Es muss darauf geachtet werden, was rechts und links steht“, sagt Behördensprecher Tittmann.

Flächen wie die Osterholzer Feldmark, die Wümmewiesen oder Flächen in Seehausen werden meist für Landwirtschaft oder als Frischluftschneisen für die Stadt gebraucht, also nicht zur Bebauung freigegeben. Immer wieder hatte es darüber in der Vergangenheit Diskussionen gegeben, diese Bereiche als Bauland auszuweisen.

Bereiche für Privatpersonen nötig

„Die Osterholzer Feldmark könnte man für den Wohnungsbau freigeben, dafür müssten dann Ausgleichsflächen in Niedersachsen geschaffen werden“, sagt Vergau. Die Versiegelung der Flächen in der Stadt sei ein Problem, wie man an den Starkregen-Ereignissen gesehen habe. Dennoch brauche man Bereiche, in denen Privatpersonen Grundstücke erwerben und bebauen lassen können. „Das ist in Bremen fast unmöglich. Sahne-Grundstücke über das Baulückenkataster zu bekommen, ist extrem schwierig“, so Vergau.

„Für Privatpersonen gibt es im Prinzip kein Bauland“, sagt auch CDU-Politiker Heiko Strohmann. Wenn man selbst bauen wolle, könne man nur Grundstücke mit alten Häusern kaufen und diese abreißen. Strohmann verweist auf den CDU-Vorschlag aus dem November 2017, die Neustädter Häfen zu einem Wohngebiet zu machen. Vergau hält das für ein spannendes Projekt.

SPD-Baupolitiker Falk Wagner weiß ebenfalls um das „knappe Gut“ an Baugrundstücken für Privatpersonen. „Durch das Bau-­lückenkataster oder eben bei Umnutzungen von Flächen kommen bei städtischem Einfluss öfter mal Baugemeinschaften zum Zug“, sagt Wagner. Die SPD habe vor zwei Jahren eine größere, potenzielle Fläche für Wohnungsbau in Strom ausgemacht, die sich aber in Privateigentum befinde.

Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale, schätzt die Lage auf dem Privatmarkt nicht ganz so dramatisch ein. Es gebe Angebote – von wirklich guten Lagen bis hin quasi zu Ladenhütern. Aber sie rät: „Wichtig ist eine umfassende Prüfung der Bebaubarkeit, hier ist der Architekt gefragt.“ Außerdem würden einige Bauträger und Unternehmen bei einer frühzeitigen Zusage den Bauherren durchaus noch Gestaltungsspielraum bieten. Einen Neubau müsse man sich aber leisten können und wollen, so Oelmann.

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