Wo Vereine nach dem Umzug von Flüchtlingen wieder trainieren und warum das noch nicht überall geht Baustelle Turnhalle

Bremen-Nord. Aus Turnhallen wurden erst Notunterkünfte, jetzt aus Notunterkünften wieder Turnhallen. Jedoch nicht überall.
22.07.2016, 00:00
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Baustelle Turnhalle
Von Christian Weth

Bremen-Nord. Aus Turnhallen wurden erst Notunterkünfte, jetzt aus Notunterkünften wieder Turnhallen. Jedoch nicht überall. Von den vier Sportstätten im Bremer Norden, in denen Flüchtlinge untergekommen waren, sind bisher zwei umgebaut und für Schüler sowie Vereine freigegeben. Wann die beiden anderen folgen sollen, kann weder die Sozialbehörde noch Immobilien Bremen genau sagen. In der einen Turnhalle haben die Handwerker mit den Reparaturen noch gar nicht angefangen. Und bei der anderen ist offenbar unklar, was überhaupt aus ihr ­werden soll.

In dieser Woche haben das Ressort und die städtische Gebäudeverwaltung eine erste Bilanz gezogen. Für Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) ist zumindest dieses Ziel erreicht: Keine Bremer Turnhalle ist mehr Notunterkunft. Ihre zweite Nachricht: Der Umbau und die Reparaturen in den 19 Gebäuden im Stadtgebiet sind weitestgehend erledigt. Was sie unterm Strich kosten werden, ist offen. Laut David Lukaßen, Sprecher von Stahmann, sind noch nicht alle Rechnungen der Handwerker bei Immobilien Bremen erfasst. Nach seinem Zeitplan soll das Ende August oder Anfang September der Fall sein. Ein Überblick über die Turnhallen im Bremer Norden.

Alwin-Lonke-Straße: Behörde und Immobilien Bremen haben sich die Halle am Mittwoch angeschaut – nicht, um die Reparaturarbeiten zu verfolgen, sondern um erst einmal festzulegen, was überhaupt repariert werden muss. Die Turnhalle soll von Grund auf saniert werden. „Das stand schon fest, bevor sie als Notunterkunft genutzt wurde“, sagt Peter Schulz von Immobilien Bremen. Ihm zufolge muss sowohl der Boden neu gemacht werden als auch der Sanitärbereich. Wann die Arbeiten abgeschlossen sind, darüber kann er nur spekulieren. Schulz rechnet in Monaten. Auch bei den Kosten bleibt er vage: „Es wird voraussichtlich um einen fünfstelligen Betrag gehen.“ Die Turnhalle war acht Monate lang Notunterkunft. Davor wurde sie vom Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße, TSV St. Magnus, SV Grambke-Oslebshausen, 1. FC Burg und vom Bremer Badminton-Verband genutzt.

Lerchenstraße: Seit März ist die Turnhalle keine Notunterkunft mehr, aber erst im Juni wieder für den Sport freigegeben worden. Der Grund: Der Fußboden musste ausgebessert werden. Anders als in anderen Notunterkünften waren die Trennwände nicht auf Holzplatten, sondern direkt mit dem Hallenbelag verschraubt worden. Mit der Folge, dass sich beim Lösen der Verankerung auch der Bodenbelag löste. Warum die Wände so und nicht anders aufgestellt wurden, erklärt der Sprecher von Immobilien Bremen mit Zeitdruck: „Die Arbeiter mussten sich beeilen, weil die Halle dringend für Flüchtlinge gebraucht wurde.“ Wie viel die Reparatur gekostet hat, sagt er nur so ungefähr. „Die Summe war gering.“ Ein halbes Jahr lebten Flüchtlinge in der Turnhalle. Jetzt trainieren dort unter anderem wieder der Vegesacker Turnverein, die Freie Turnerschaft Hammersbeck, der MTV „Eiche“ Schönebeck und die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack.

Reepschlägerstraße: Was aus der Halle wird, weiß weder Schulz noch Lukaßen definitiv. Beide verweisen jeweils auf den anderen, der Bescheid wissen müsste. Darum ist nicht sicher, ob mittlerweile das Gebäude von Handwerkern wieder hergerichtet wurde – und ob das überhaupt noch geplant ist, weil es das Förderzentrum an der Reepschlägerstraße inzwischen nicht mehr gibt. Auf diese Frage hat auch Onno Henke keine Antwort. Der Chef der Farger Wassersportler kann nur sagen, was momentan ist. Und momentan trainieren mehrere Abteilungen seines Vereins in zwei Ersatzhallen: „Einige sind an der Eggestedter Straße, andere an der Helgenstraße untergekommen.“ Wie lange das noch so sein wird, weiß er nicht. Henke wartet täglich auf Nachricht des Sportbundes, der die Belegung der Hallen koordiniert. Fast ein Jahr lang diente das Gebäude als Unterkunft für Flüchtlinge, von Mai vergangenen Jahres bis April dieses Jahres. In dieser Zeit war die Immobiliengruppe Vonovia für die Halle zuständig. Sie hat die Verwaltung des Gebäudes im April an die Stadt wieder abgegeben. Zuvor trainierte in der Turnhalle nicht nur der Farger Wassersportverein, sondern auch der Neurönnebecker TV.

In den Sandwehen: Von allen Sportstätten im Bremer Norden war die Turnhalle am kürzesten eine Notunterkunft, knapp drei Monate. Darum wurde sie auch früher als andere Hallen wieder für den Schul- und Vereinssport freigegeben. Im Februar. Schneller als andernorts ging es auch deshalb, weil so gut wie keine Handwerker kommen mussten, um Reparaturen vorzunehmen. Jedenfalls hatte Friedrich-Karl Jostes, Leiter der Oberschule In den Sandwehen, keine Schäden entdecken können, als die Schüler wieder in die Halle konnten: „An der ­Substanz gab es überhaupt nichts zu bemängeln.“ Nach seinen Worten war das Gebäude „supersauber“ und „ordentlich“ übergeben worden. Die Liste der Vereine, die in der Halle trainieren, ist lang: Der Blumenthaler SV nutzt sie genauso wie die HSG Vegesack-Hammersbeck, die Leichtathletik-Gemeinschaft Bremen-Nord ebenso wie der Lüssumer Sportverein, die Freie Turnerschaft Hammersbeck wie der SV Kurd ­Bremen.

„Es wird voraussichtlich um einen fünfstelligen Betrag gehen.“ Peter Schulz, Immobilien Bremen
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