Ehemaliges Kaufhaus Harms am Wall

Bremer Wallkontor: Bau der Obergeschosse beginnt

Das neue Wallkontor auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhauses Harms am Wall wächst. Nun werden die Betondecken der Obergeschosse gegossen. Fertig soll das Geschäfts- und Bürohaus Ende 2022 sein.
13.04.2021, 19:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Wallkontor: Bau der Obergeschosse beginnt
Von Nina Willborn
Bremer Wallkontor: Bau der Obergeschosse beginnt

Beton marsch: Per Pumpe kommt der Baustoff in der ersten Etage des neuen Wallkontors an, wo ihn die Arbeiter in der Deckenkonstruktion verteilen.

Christina Kuhaupt

„Wenn ich von jedem, der mal in die Baugrube gucken wollte, fünf Euro genommen hätte, müsste ich jetzt nicht mehr arbeiten.“ Stephan Seyb hat sich natürlich nicht verabschiedet, denn nicht zuletzt, so wirkt er jedenfalls, arbeitet er ziemlich gerne als Bauleiter des neuen Wallkontors. Aber Baustellen seien nun mal etwas, was auch die Bremerinnen und Bremer fasziniert. Das Interesse, auch von den direkten Nachbarn, sagt Seyb, ist ungebrochen. „Sie wollen auf dem Laufenden gehalten werden, und das machen wir auch. Mein Job hier ist eigentlich Schnacken und Organisieren.“

Längst ist die Baustelle keine Grube mehr, das Geschehen spielt sich inzwischen gut sichtbar auf dem Höhenniveau der Straße Am Wall und darüber ab. Die unterirdischen Etagen, in denen später Mieter und Besucher der Geschäfte und Büros Autos und Fahrräder parken können, sind, zumindest was den Rohbau angeht, fertig. Auch der Durchgang zur Museumsstraße, der den Wall mit der Domshof-Passage verbinden wird, ist schon erkennbar.

Lesen Sie auch

Am Dienstag haben die Arbeiter damit begonnen, die Betondecke der ersten Etage zu gießen. „Jetzt zählt jeder Tag“, sagt Seyb. Erst ist die vom Wall aus gesehen linke Seite dran. Wenn sie fertig ist, werden alle Gerätschaften umgeräumt und dann folgt die rechte. Dieses „Tetris-Prinzip“ bestimmt die Arbeiten an dem Nachfolger des im Mai 2015 abgebrannten Kaufhauses Harms am Wall von Beginn an: Die beiden Nebengebäude sowie Herdentorswallstraße und der Wall, der in der Bauzeit für den Verkehr offen ist, zwängen die Innenstadt-Baustelle ein. Später soll das Gebäude ohne die Untergeschosse rund 5500 Quadratmeter Fläche bieten.

"Pro Monat werden wir ein Geschoss schaffen", sagt Seyb, "insgesamt werden es elf sein." Die beiden Tiefgaragen plus darüber je nach Lage zum Wall oder zur Herdentorswallstraße mit ihren unterschiedlichen Höhenniveaus sieben beziehungsweise acht Etagen. Drei will die Bauherrin, die Müller & Bremermann GmbH & Co KG, an Einzelhändler vermieten, auf sechs sind Büros sowie auf rund zehn bis 15 Prozent der Fläche auch Wohnungen vorgesehen.

Lesen Sie auch

Ende Mai sollen, wenn alles nach Plan läuft, die ersten Fenster eingebaut werden, Anfang Juni die Arbeiten an der Fassade beginnen. „Dafür werden wir 40 Tonnen Natursandstein verbauen“, sagt der Bauleiter, „sie werden in Fertigteilen angeliefert.“

Plötzlich hupt es auf der Baustelle, das Zeichen, dass die Pumpe, die den flüssigen Beton von der Herdentorswallstraße aus nach oben bringt, und den die Arbeiter in der Stahlkonstruktion verteilen, Nachschub braucht. „Nach drei Stunden ist der Beton begehbar, nach 28 Tagen ist er komplett durchgetrocknet“, sagt der Bauleiter.

Im Oktober soll das Richtfest gefeiert werden. „Hoffentlich ist dann Corona kein so großes Thema mehr“, sagt Geschäftsführer Marco Bremermann. Die Eröffnung ist für Ende 2022 geplant. An potenziellen Mietern mangele es nicht, sagt der Immobilien-Experte. „Büroflächen in dieser Innenstadtlage sind heiß begehrt.“ Auf besonders großes Interesse stößt das Wallkontor laut Bremermann bei Firmen, die im Moment noch in der Überseestadt zu Hause sind. „Von dort haben wir viele Anfragen“, sagt er. „Das Problem für sie ist einfach die katastrophale Infrastruktur. In der Überseestadt kann man nicht mal eben in der Mittagspause einkaufen gehen.“ Dass sich der coronabedingte Trend zum Homeoffice auch nach der Pandemie weiter fortsetzen wird, glaubt Bremermann nicht. „Zum sozialen Umfeld gehört ja auch der Arbeitsplatz, und ich glaube daran, dass Mitarbeiter auch weiterhin einen guten einfordern werden“, sagt er.

Lesen Sie auch

Ein besonderes Gimmick des Wallkontors wird die Ausstellung der Relikte aus dem 9. und 13. Jahrhundert, die zu Beginn des Baus gefunden worden sind und die das gesamte Projekt um rund ein Vierteljahr verschoben hatten. Teile der für Archäologen aufschlussreichen Gemäuer, darunter das Fundament eines Wehrturms, sollen in Schaukästen in die Passage integriert werden. Wohl eher nichts zum Ausstellen, aber zumindest aufschlussreich, was die Historie von Baustellen angeht, sind andere Funde - wie eine Bierflasche aus dem 19. Jahrhundert. „Wie das genau aussehen wird, entscheidet sich, wenn der Innenausbau beginnt“, sagt Bremermann.

Info

Zur Sache

Tagebuch der Baustelle

Der Blick über die Baustelle bis hin zum Weserstadion im Morgendunst aus der Kanzel des 45-Meter-Krans, eine Tomatenpflanze mit Früchten, die sich beim Wachsen nicht von den Baggern stören ließ: Bauleiter Stephan Seyb hält den Fortschritt der Arbeiten und die kleinen Kuriositäten beim Bau des Wallkontors in seinem Tagebuch auf Instagram fest, zu finden ist es unter dem Titel „Wallkontor Bremen“.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+