Projekt in der Vahr Bauwirtschaft zeigt Interesse am Rennbahn-Quartier

Die Galopprennbahn in der Vahr soll Wohnstandort werden – kaum ist diese Nachricht in der Welt, nimmt die Baubranche auch schon Witterung auf. Das Großprojekt stößt bei vielen Unternehmen auf Interesse.
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Bauwirtschaft zeigt Interesse am Rennbahn-Quartier
Von Jürgen Theiner

Die Galopprennbahn in der Vahr soll Wohnstandort werden – kaum ist diese Nachricht in der Welt, nimmt die Baubranche auch schon Witterung auf. Das Großprojekt, das sich für die Zeit ab 2018 abzeichnet, stößt bei einer ganzen Reihe von Unternehmen auf Interesse. Wie berichtet, will die Stadt ihren Pachtvertrag mit dem Bremer Rennverein kündigen und auf dem rund 30 Hektar großen Areal den Bau von rund 1000 Wohnungen ermöglichen.

Gegenüber dem WESER-KURIER bekundeten namhafte Akteure der regionalen Bauwirtschaft ihre Bereitschaft, sich in der Vahr zu engagieren. Die meisten von ihnen möchten zum jetzigen Zeitpunkt nicht namentlich in Erscheinung treten. Anders Clemens Paul, geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers Justus Grosse. „Wir können uns vorstellen, unseren Hut in den Ring zu werfen“, sagt Paul. Das Gelände befinde sich zwar „nicht in bester Lage, ist aber sehr interessant“.

Paul hält auf dem ausgedehnten Areal nördlich der Ludwig-Roselius-Allee ein breites Spektrum von Gebäudetypen für wünschenswert, „vom Reihenhaus bis zu Geschosswohnungen“. Die schiere Größe, die in etwa der Fläche von 40 Fußballfeldern entspricht, eröffne viele Möglichkeiten, denn: „Auf kleineren Grundstücken ist man schon durch die umgebende Bebauung in seinen Überlegungen oft sehr eingeschränkt.“

Einen gewissen Orientierungsrahmen setzen die angrenzenden Quartiere allerdings schon, findet Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Da sind im Norden die mehrgeschossigen Blocks der Neuen Vahr, im Osten eine eher kleinteilige Wohnbebauung, im Süden das Schlossparkviertel. Diese Strukturen, sagt Reuther, wirkten in das künftige „Rennbahn-Quartier“ hinein und seien bei den anstehenden Planungen aufzugreifen. Als eigentliche „Begabung“ der Fläche empfindet die Senatsbaudirektorin die Prägung durch den Pferdesport. Das Oval der Rennbahn gewissermaßen in der Architektur fortzuschreiben, das hält Iris Reuther für eine reizvolle Aufgabe. Der formale Rahmen soll ein städtebaulicher Wettbewerb sein, in den interessierte Architekten und Stadtplaner ihre Vorstellungen einbringen. Der Siegerentwurf könnte dann Grundlage eines Bebauungsplanes werden.

Wo kann man sich für einen solchen Gestaltungsauftrag inspirieren lassen? Unter anderem in Hamburg. Im Nordosten der Hansestadt, im Stadtteil Farmsen, wurde bereits in den 90er-Jahren eine einstige Trabrennbahn in ein Wohngebiet umgewandelt. Mit 24 Hektar ist das Areal etwas kleiner als in Bremen, mit gut 1100 Wohnungen die Zahl der realisierten Einheiten etwas größer, als es die ersten Überlegungen für die Vahr vorsehen. Einen besonders verdichteten Eindruck macht die Siedlung trotzdem nicht. Auf dem einstigen Oval der Rennbahn in Hamburg entstanden vierstöckige Mehrfamilienhäuser, deren schräge Dächer und Fassadengestaltungen an die Tribünen der Pferdesport-Ära erinnern. Im Inneren des Ovals gibt es eine Park- und Spiellandschaft mit hohem Freizeitwert. Die soziale Durchmischung des Gebietes scheint gelungen zu sein, wie Daten aus dem Sozialmonitoring 2013 des Bezirks Hamburg-Wandsbek nahelegen.

Durchmischung ist auch für das angestrebte Baugebiet in der Vahr das wichtigste Stichwort. Dort soll Wohnraum sowohl für wirtschaftlich leistungsfähige Schichten als auch für Leute mit kleinem Geldbeutel entstehen. Egal wen man fragt: Alle wollen soziale Durchmischung und bauliche Vielfalt, „die mit ihren Angeboten nicht nur die traditionelle Familie anspricht“, wie Michael Frenz es als Präsident der Bremer Architektenkammer formuliert. In einem Baugebiet auf der Rennbahn, das doppelt so groß wäre wie das Projekt Gartenstadt Werdersee, müsse beispielsweise Platz sein für Baugemeinschaften. Also für Zusammenschlüsse privater Bauherren, die ihre Ressourcen für ein Projekt bündeln. Frenz: „Es gibt in Bremen ein großes Bedürfnis, so etwas auszuprobieren.“ Der Kammerpräsident kann sich auf dem Gelände auch Gebäudetypen vorstellen, die stark in die Vertikale gehen. „Ich habe nichts gegen hohe Häuser, wenn sie markant, aber nicht dominant sind“, sagt Frenz.

In der Bauwirtschaft ist man optimistisch, nach einem zügigen Planungsvorlauf in der Vahr rasch zu Ergebnissen zu kommen. Die Überseestadt mit ihrer hohen Schlagzahl könnte aus Sicht von Clemens Paul als Vorbild dienen. „An der Marcuskaje ging es ja auch schnell, da war nach anderthalb Jahren bereits der Großteil geschafft“, zeigt sich der Projektentwickler zuversichtlich.

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