Fan-Projekt Bremen kritisiert Polizei "Beängstigende Atmosphäre im Stadion"

Das Fan-Projekt Bremen erhebt Vorwürfe gegen die Polizei: Die trete bei Heimspielen von Werder in viel zu großer Zahl auf, verhalte sich aggressiv und sorge für eine „beängstigende Atmosphäre im Stadion“.
11.02.2015, 01:00
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Von Ralf Michel

Das Fan-Projekt Bremen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei: Die trete bei Heimspielen von Werder Bremen in viel zu großer Zahl auf, verhalte sich zunehmend aggressiver gegen Fans und Zuschauer und sorge für eine „beängstigende Atmosphäre im Stadion“.

Das Polizeiaufgebot stehe in keinem Verhältnis mehr zur Zahl der erwarteten Auswärtsfans, heißt es in einem Schreiben des Vereins an die Polizei. „Wir stellen mit Sorge fest, dass diese Art polizeilicher Arbeit zunehmend zu Konflikten mit Fans und Zuschauern führt, die durch deeskalierende und kommunikativere Methoden vermeidbar wäre“, kritisiert der Verein, der seit Jahrzehnten als gemeinnütziger Träger der freien Jugendhilfe mit jugendlichen Fußballfans arbeitet.

Bereits beim Spiel gegen Borussia Dortmund im Dezember seien Fans von Werder Bremen Opfer eines übermäßig hart durchgeführten Polizeieinsatzes geworden. Beim Spiel gegen Bayer Leverkusen hätten sich Fans und Zuschauer nun erneut mit einem massiven Polizeiaufgebot konfrontiert gesehen, das für eine zunehmend angespannte Atmosphäre gesorgt habe.

Werden Fans kriminalisiert?

Neben dieser grundsätzlichen Kritik, bemängelt das Fan-Projekt auch Details der Polizeistrategie: Unverständlich sei, warum der einzige Leverkusener Bus mit sogenannten „Problemfans“ auf den Parkplatz neben der mit den Fans von Werder Bremen besetzten Ostkurve geleitet wurde, statt ihn direkt zum Auswärtsblock in der Westkurve zu dirigieren, um so eine mögliche Konfrontation der Fangruppen zu vermeiden.

Auch was an anderen Spieltagen problemlos funktioniere – nämlich, dass auswärtige Fans mit Shuttlebussen vom Hauptbahnhof bis zum Bürgerhaus Weserterrassen geleitet werden –, sei an diesem Spieltag offenbar nicht zu organisieren gewesen. Für das Fan Projekt „eine nicht nachvollziehbare Vorgehensweise“.

Während die Fans von Werder Bremen bei Auswärtsfahrten von Sicherheitskräften und Polizei als kommunikativ und kooperativ wahrgenommen würden, falle auf, „dass die Fanszene von der Bremer Polizei zunehmend als Bedrohung gesehen und kriminalisiert“ werde, heißt es in dem Schreiben weiter. Während des gesamten Spieltages seien Fans von der Polizei rigoros kontrolliert, gefilmt, gemaßregelt und in ihrem Bewegungsspielraum im Stadionumfeld eingeschränkt worden.

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Die Polizei weist die Vorwürfe zurück: Deeskalation und Dialog seien nach wie vor die zentralen strategischen Ansätze des Einsatzkonzeptes bei Werder-Spielen, betont Polizeisprecher Dirk Siemering. Und spielt den Ball postwendend zurück: Gegen Bayer Leverkusen seien sowohl von der Fanbetreuung Bremen als auch vom Fanprojekt Leverkusen größte Ängste artikuliert worden, dass es zu Auseinandersetzungen kommen würde. Seit den beiden letzten Aufeinandertreffen sei von einem absolut feindschaftlichen Verhältnis der Gruppierungen auszugehen, habe es geheißen. Zudem habe in der Sicherheitsbesprechung drei Tage vor dem Spiel der Vertreter von Werder Bremen davon gesprochen, dass „mit Sicherheit von den Bremern versucht werden würde, an die Leverkusener heranzukommen und diese zu attackieren“, erklärt Siemering.

Flaschen- und Becherwürfe am Ostkurvensaal

Tatsächlich habe sich eine größere Anzahl von Problemfans, darunter einige Bremer Stadion-Verbotler, am Osterdeich in Höhe der Treppe Verdener Straße aufgehalten. Diese seien durch Einsatzkräfte angesprochen worden und hätten einen Platzverweis erhalten, um mögliche Auseinandersetzungen mit den Leverkusener Problemfans zu verhindern. Trotzdem sei es vor und nach dem Spiel beim Vorbeimarsch der Leverkusener am Ostkurvensaal des Weserstadions zu vereinzelten Flaschen- und Becherwürfen gekommen.

Dass keine Shuttle-Busse eingesetzt wurden, läge an der geringen Zahl der Leverkusener Fans, die mit der Bahn angereist seien. Auch für die Kritik daran, dass die Busse zum Busparkplatz geleitet wurden, hat die Polizei kein Verständnis. „Das ist gängige Praxis und folgt dem Verkehrs- und Sicherheitskonzept.“

Zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Dortmund-Spiel – hier hatte es Beschwerden von Zuschauern gegen angeblich prügelnde Polizisten gegeben – verweist der Polizeisprecher auf die Innenbehörde: „Die Vorfälle werden von der Abteilung Innere Ermittlungen bearbeitet.“

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