Bunker Valentin Becken wird nach Munition durchsucht

Farge-Rekum. Im Tauchbecken des Bunker Valentin sind zurzeit Taucher eines Kampfmittel-Bergungsunternehmens dabei, den nie in Betrieb genommenen "U-Boot-Hafen" genauestens zu untersuchen. Am Sonntag wird die Gedenkstätte offiziell eröffnet.
06.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Robert Goldberg

Farge-Rekum. Nein, Bomben werden dort nicht mehr vermutet. Aber Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wurde schon aufgespürt: im Tauchbecken des Bunker Valentin, das nie eine Verbindung zur Weser bekam. Zurzeit sind Taucher eines Kampfmittel-Bergungsunternehmens dabei, den nie in Betrieb genommenen "U-Boot-Hafen" genauestens zu untersuchen. Doch das steht nicht in Zusammenhang mit der offiziellen Eröffnung der Gedenkstätte an diesem Sonntag, zu der sich knapp 200 geladene Gäste einfinden, sondern ist eine Maßnahme des Bremischen Deichverbandes zur Erhöhung der Deiche zwischen Rekum und Arbergen.

Steffen Albrecht ist der Taucher des Kampfmittel-Bergungsunternehmens Bitek aus Syke. Immer müsste er auch damit rechnen, im unheimlichen Ambiente des Bunkers auf Munition oder gar Bomben zu stoßen. Zehn Meter tief ist das Wasser im Tauchbecken, es hat eine Temperatur von acht Grad, bestenfalls zehn Meter weit reicht die Sicht.

Eine Kamera dokumentiert alles, was Taucher Albrecht zunächst nicht zuordnen kann, auch steht er ständig im Funkkontakt mit seinem Einsatzleiter Ronny Hellwig wie auch mit dem Baggerführer, der die ausfindig gemachten Gegenstände aus dem Bunkerbecken holt.

Jede Menge Schrott wurde bereits herausgefischt: alte Fahrräder, ein Mofa, Bauschutt, Geröll aus dem Bunker - auch Munition, wie Rolf Dülge, technischer Leiter des Bremischen Deichverbandes rechts der Weser, weiß. Nur mit Bombenfunden rechnet Dülge nicht mehr, eine Bombe schlug im Westbereich des Bunkers ein, dieser Bereich ist nicht mehr zugänglich.

Um sicher zu gehen, wird aber nach diesen Arbeiten für die tieferen Bodenschichten vor dem Tauchbecken noch ein Magnetfeld aufgebaut, so können eventuelle Bomben geortet werden. "Wir müssen für die Deichsicherung noch eine tiefe Spundwand reinrammen", so Dülge.

Zurzeit ist der Bremische Deichverband dabei, alle Deiche auf der rechten Weserseite zwischen Rekum und Arbergen um rund einen Meter zu erhöhen, Teil des Hochwasser-Generalplans. Von Rekum hat man sich bis zum Kraftwerk Farge bereits vorgearbeitet, ausgespart blieb bislang der Bunker Valentin. "Erst spät haben wir erfahren, dass es im Tauchbecken noch eine alte Schottwand aus dem Kriege gibt. Die Tauchbecken-Wand kann dem Druck nicht mehr standhalten, sie muss erneuert werden."

Eingebaut wird in das Tauchbecken ein 17.50 Meter langes Betonfundament unter Wasser, es dient quasi als Gegengewicht zum Wasserdruck gegen die Deiche, auch wenn es nie einen direkten Wasserzugang von der Weser zum U-Boot-Bunker gab. "Erst nach dieser Arbeit können wir den Deich vor dem Bunker um rund einen Meter erhöhen", erläutert der technische Leiter Dülge.

Wenn es auch keinen Zusammenhang mit der offiziellen Einweihung am Sonntag, 15.30 Uhr gibt - auch dafür laufen die Arbeiten. Vor allem Sicherungsarbeiten am 400 Meter langen, 97 Meter breiten und 33 Meter hohen Bunker - der zweitgrößte U-Boot-Bunker Europas - werden gemacht, sollen doch dem Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen und dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann keine Steine auf den Kopf fallen, wenn offiziell die Gedenkstätte ihrer Bestimmung übergeben wird.

Dabei ist man ein wenig in Verzug: "Die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Eigentümerin des Bunkers ist, zogen sich in die Länge", so Sebastian Ellinghaus von der Bundeszentrale für politische Bildung in Bremen. Letztgenannte Einrichtung ist zuständig für das Gedenkstätten-Konzept. Eigentlich sollte zur offiziellen Gedenkstätten-Einweihung schon das alte Bundeswehr-Verwaltungsgebäude saniert worden sein, Büroräume für vier Mitarbeiter und ein Seminarraum sollen dort entstehen. Auch eine behindertengerechte Toilette ist für die zu erwartenden Besucherströme notwendig wie auch behindertengerechte Eingänge.

Das alles sollte eigentlich schon am 8. Mai fertiggestellt sein, mit diesem Termin werden nämlich auch wieder die Besucherführungen aufgenommen. Zurzeit sind es noch Führungen auf Anmeldung, wenn das Personal der Bundeszentrale vor Ort ist, soll es regelmäßige Führungen geben.

Ansonsten: Obwohl der Bund aus dem Etat des Kulturstaatsministers 1,9 Millionen und das Land Bremen 1,5 Millionen Euro für das Gedenkstätten-Konzept zur Verfügung stellen, kann Sebastian Ellinghaus für die Bundeszentrale nicht sagen, wie das Gedenkstätten-Konzept kurz- und mittelfristig baulich, museal und medial umgesetzt wird. Zunächst wurde erst einmal die alte Ausstellung gegen die widrigen Witterungsbedingungen im Bunker geschützt, die Aufstellungstafeln wurden mit einem Speziallack gegen Feuchtigkeit (80 Prozent Luftfeuchtigkeit) und Kälte (maximal 12 Grad) gesichert.

Für die nächste Zeit gilt: Das Führungskonzept wird - solange der Bunker noch nicht völlig gegen Steinsturz abgesichert ist - aus einem Einblick in den Bunker, dem Besuch der Ausstellung im gesicherten Bereich und einem Rundgang um den Bunker bestehen.

An dem noch zu konzipierenden Außenpfad sollen Schautafeln zeigen, was man manchmal weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick sehen kann: Dass dies das Betonwerk war, in dem sich Zwangsarbeiter zu Tode schufteten, dass hinten in der Heide verscharrt wurde, wer beim Bau des Bunkers zusammengebrochen war. Historiker gehen davon aus, dass in den Lagern mehr als 1000 Menschen umgekommen sind.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+