Veranstaltung zu Migration und Tod Beerdigt in fremder Erde

Lüssum. 'Viele Einwanderer machen sich keine Gedanken, wo und wie sie einmal beerdigt werden wollen. Sie glauben, dass sie nur auf Zeit in Deutschland leben und irgendwann in ihre Heimat zurückkehren', sagt Marcio Soares. Doch die Wirklichkeit sieht oft genug anders aus, weiß der Sozialarbeiter. Die meisten sterben fern der Heimat und werden 'in fremder Erde' begraben.
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Von Gabriela keller

Lüssum. 'Viele Einwanderer machen sich keine Gedanken, wo und wie sie einmal beerdigt werden wollen. Sie glauben, dass sie nur auf Zeit in Deutschland leben und irgendwann in ihre Heimat zurückkehren', sagt Marcio Soares. Doch die Wirklichkeit sieht oft genug anders aus, weiß der Sozialarbeiter. Die meisten sterben fern der Heimat und werden 'in fremder Erde' begraben.

So nennt sich auch ein Arbeitskreis, den der gebürtige Brasilianer im Jahre 2003 mit ins Leben rief. Anlass für die Gründung war laut Soares der Fall einer Frau aus Ghana, die ihren verstorbenen Ehemann nach afrikanischem Brauch in Deutschland beerdigen lassen wollte. Bei Bestattungsunternehmen sei sie mit ihren Wünschen auf Unverständnis und Widerstand gestoßen.

'Viele Einwanderer wissen nicht, was in Deutschland erlaubt ist und was nicht', berichtete Soares bei einer Veranstaltung im 'Haus der Zukunft' in Lüssum. Das 'Donnerstagsforum' hatte den Mitbegründer des Arbeitskreises zur Diskussion über das Thema Migration, Tod und Trauer geladen. Inzwischen habe sich einiges in der deutschen Bestattungskultur verändert. So dürften Muslime heute ihre Toten anders als noch vor einigen Jahren in Leichentüchern unter die Erde bringen. 'Auf dem Friedhof in Osterholz gibt es auch einen Raum für rituelle Waschungen.'

Die Wahl des Bestattungsortes sei für Einwanderer oft ein Problem. 'Viele würden sich gerne in ihrer alten Heimat beerdigen lassen. Doch weil ihre Kinder in Deutschland bleiben wollen, entscheiden sie sich dagegen.' Die Diskussion in kleiner Runde konzentrierte sich vor allem auf unterschiedliche Bestattungsbräuche. In Afrika werde eine Beerdigung wie ein Fest gefeiert, berichtete Soares. 'Das ist ein soziales Ereignis mit Musik und Tanz.' In Scharen würden die Menschen strömen. Auch um zu essen. 'Es gibt Fleisch, das lockt viele.' Ein afrikanische Beerdigung könne sich über Tage hinziehen.

Anders in Brasilien. 'Da kommen die Verstorbenen gleich am Tag nach ihrem Tod unter die Erde.' In seinem Heimatland gebe es auch noch Klageweiber, berichtete Soares. Am Grab von fremden Menschen würden die in Schwarz gehüllten Frauen Stunden lang weinen oder sich theatralisch aus Gram die Haare raufen. Gegen bares Geld.

Für ihn selbst sei es ein 'Schock' gewesen, als er in Deutschland zum ersten Mal von anonymen Bestattungen erfuhr, erzählte Soares. 'In Brasilien werden nur Penner oder andere Menschen, die kein Geld für ein Begräbnis haben, anonym beerdigt' Für ihn sei eine anonymes Bestattung undenkbar. 'Das ganze Leben trage ich meinen Namen. Da finde ich es gut, wenn Besucher nach meinem Tod auch auf dem Friedhof sehen, wo ich begraben bin.'

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