Was ein neues Gesetz verändert

Befristungen an der Uni

Mit einem neuen Gesetz wollte der Bund die ausufernde Zahl von befristeten Verträgen an Hochschulen eindämmen. Hat sich die Situation an der Bremer Universität dadurch verbessert? Wir haben nachgefragt.
01.10.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Befristungen an der Uni
Von Sara Sundermann

Mit einem neuen Gesetz wollte der Bund die ausufernde Zahl von befristeten Verträgen an Hochschulen eindämmen. Hat sich die Situation an der Bremer Universität dadurch verbessert? Wir haben nachgefragt.

Hat sich die Situation an der Bremer Universität durch ein neues Gesetz der Bundesregierung verbessert? Seit März gilt ein neues Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Damit wollte der Bund die ausufernde Zahl von befristeten Verträgen an Hochschulen eindämmen. Bislang durften Universitäten Wissenschaftler bis zu zwölf Jahre lang befristet einstellen, wenn diese dabei an ihrer Promotion oder Habilitation arbeiten. Befristete Stellen für fast alle Wissenschaftler außer den Professoren, das ist deutscher Uni-Alltag. Die Bremer Uni lebt zudem stark von Drittmitteln, die meist für konkrete, befristete Projekte vergeben werden.

Die Gesetzesnovelle soll Missbrauch verhindern: Befristete Beschäftigungen ohne sachlichen Grund seien nun nur zulässig, wenn dadurch die Qualifizierung gefördert wird, teilte die Bundesregierung mit. Auch wissenschaftliche Mitarbeiter mit Daueraufgaben dürften keine „sachgrundlos befristeten Verträge“ mehr erhalten. Doch schiebt das Gesetz tatsächlich exzessiven Befristungen einen Riegel vor? Und wie setzen die Unis das Gesetz um, wenn sie nicht zugleich mehr Geld für feste Stellen erhalten?

Gesetz ist für Lektoren problematisch

Befristete Stellen zur kurzfristigen Überbrückung werde es nun nicht mehr geben, befürchten Dekane mehrerer Fachbereiche der Bremer Uni. Davon berichtet Susanne Grobien, wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, die sich in den Fachbereichen umgehört hat. Viele Stellen könnten wegfallen und dafür verfügbare Landesmittel ungenutzt bleiben, wenn Befristungen so nicht mehr möglich sind. Speziell für Lektoren, die vor allem viel Lehre übernehmen, ohne dass dabei eine Möglichkeit zur Weiterqualifikation vorgesehen ist, sei das Gesetz problematisch.

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Zum Teil könnten auch Vertretungsprofessuren kaum noch besetzt werden, ist aus einzelnen Fachbereichen zu hören. „Man hat festgestellt, dass die Befristungen überhandgenommen haben“, sagt Grobien. „Aber das neue Gesetz schränkt die Unis teilweise auch ein.“ Das Gesetz gehe in die richtige Richtung, eine gewisse Flexibilität sei für Unis dennoch notwendig, so die CDU-Politikerin. „Es muss aber vor allem mehr über das Gesetz aufgeklärt werden.“ Deshalb hat die Politikerin eine Referentin des Bundesforschungsministeriums zum Expertengespräch nach Bremen eingeladen. „Die Referentin hat verdeutlicht, dass auch Stellen befristet sein dürfen, die nicht einer Promotion dienen, wohl aber der Berufsvorbereitung oder dem Sammeln von Erfahrung im Projektmanagement.“

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