Im BGO tauschen sich Liebhaber von Hörbüchern und – spielen aus Begeisterungsfähige Ohrenleser

Kattenturm. Torsten Marold sitzt im Raum 208 des Bürgerhauses Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO) und wartet auf Gleichgesinnte. Es ist der erste Mittwoch im Dezember –  und damit Zeit für die Ohrenleser.
21.12.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Kattenturm. Torsten Marold sitzt im Raum 208 des Bürgerhauses Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO) und wartet auf Gleichgesinnte. Es ist der erste Mittwoch im Dezember – und damit Zeit für die Ohrenleser.

Marold ist von Hörbüchern und -spielen begeistert. Er möchte den Hörgenuss nicht allein in den eigenen vier Wänden genießen, sondern sich mit anderen über Hörbücher und -spiele austauschen. Deshalb hat der Kattenturmer, der auch Spiele erfindet, vor vier Monaten die Initiative ergriffen und die Gruppe Ohrenleser gestartet. Diese Runde soll Menschen vereinen, die sich von dieser Art der Unterhaltung angesprochen fühlen und die anderen Audio-Geschichten vorstellen oder empfehlen können.

Zum vierten Mal treffen sich die Ohrenleser an diesem Tag. Ihr Konzept beziehungsweise eine festere Struktur ist noch im Findungsstadium. Deshalb können gern noch Gleichgesinnte dazustoßen. Torsten Marolds Begeisterung steckt auf jeden Fall an.

„Früher haben wir uns Geschichten erzählt, heute erzählt uns das Fernsehen Geschichten“, sagt Marold. „Bücher lesen? Ich nehme mir kaum noch Zeit dafür„, bekennt Marold. “Manchmal habe ich Seiten gelesen und wusste nicht, was da gestanden hat.“ Deshalb ist er vom Buch aus Papier auf Bücher zum Hören umgestiegen.

Der Roman "Effie Briest" von Theodor Fontane sei staubtrockener Stoff, findet Torsten Marold. "Aber wenn Gerd Westphal es liest . . ." ein Genuss. Gleiches gelte für "Das kunstseidene Mädchen", wenn die deutsche Schauspielerin Fritzi Haberlandt die Geschichte lese. "Das Buch bremst mich aus, das Hörbuch lässt mich begreifen“, so erlebt es Marold. „Ich konsumiere im Internet, im Fernsehen. Das Buch ist nicht mehr erste Wahl", findet er. "Und Hörbücher erzählen nicht nur Geschichten, sie vermitteln auch Geschichte“, hebt er den Bildungswert dieses Mediums hervor. Torsten Marold legt gern ein Hörbuch ein, wenn er im Auto unterwegs ist. Wenn er seine Freundin in Hamburg besuche, reiche eine Strecke für eine CD. Hin und zurück darf es länger sein.

Die Leidenschaft für Hörbücher und -geschichten teilt Detlef Büssel. Er hat schon als Kind viel gelesen und glaubt, vor über 15 Jahren zu den Hörbüchern gekommen zu sein. „Ich höre eher kleine Geschichten; Lustiges und Menschliches, aber abgeschlossene Geschichten“, sagt Büssel. Er ist seit vier Jahren Rentner. Und vormittags, wenn er allein zu Hause ist und seine Frau zur Arbeit, lauscht er gern den vorgelesenen Texten auf den CDs. „Ich kaufe, tausche, leihe und vor allem, ich höre mit den Enkeln, wenn sie einschlafen sollen“, erzählt der Obervielander, dem die Freude an diesem Medium anzumerken ist.

Deshalb hat er sich Torsten Marold angeschlossen. Letztgenannter hatte Flyer verteilt und Plakate geklebt, um Ohrenleser für seine Gruppe zu gewinnen. Beim ersten Treffen war die Runde recht groß. Dabei haben die Teilnehmenden über Fantasy, Science Fiction, Weltliteratur und Krimis gesprochen. Die Bandbreite war groß. Und laut Marold wurden auch neue, interessante Sparten wie Hörbücher der DDR vorgestellt.

„Beim Hören habe ich etwas erlebt, was ich weitergeben möchte. Ich habe etwas begriffen, etwas ist passiert", bekennt der ehemalige Tischler. "Eigentlich bin ich einfacher Arbeiter." Aber in Hörbüchern habe er etwas gefunden, das seine Seele anrühre, das ihn Erlebnisse seines Lebens reflektieren lasse. Torsten Marold ist auf der Suche, wie viele andere, und der Kattenturmer möchte sich mit anderen darüber austauschen.

Da Hörbuch- und Hörspielempfehlungen aus seiner Sicht eher einmalig Gesprächsstoff bieten und nicht über längere Zeit hinweg tragen würden, soll nun erst einmal ein Thema in den Mittelpunkt eines jeden Treffens gestellt werden. Im Januar werden es starke Frauen sein oder eine starke Frau. Vielleicht Ilse Meitner, die Kernphysikerin, die nicht hätte hinter Otto Hahn zurückstehen sollen, überlegt er laut, oder Mutter Theresa, die aus Albanien kam und in Indien für Kranke und Arme wirkend den Friedensnobelpreis bekam. Auch Madonna habe eine interessante Biografie, weil sie als eines von sechs Kindern im Alter von fünf Jahren ihre Mutter verlor und noch zwei Geschwister vom Vater und der ehemaligen Haushälterin bekam, sich früh abnabelte und ihren eigenen Weg bis an die Spitze der Popmusikszene gegangen sei.

Im neuen Jahr geht die Suche nach einem stimmigen Gesamtkonzept, das die Ohrenleser-Gruppe zusammenhält, weiter. Vielleicht könnten sich bei den Treffen auch alle über ein Hörbuch austauschen, das sie vor dem Ohrenleser-Treffen angehört haben. Dazu könnten Kopien auf einem USB-Stick zum privaten Gebrauch verteilt werden. Eine weitere Überlegung von Torsten Marold ist, auch einmal Bremer Autorinnen und Autoren zu den Treffen einzuladen.

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