„Autofreier Stadt-Raum“ in Bremen-Nord

Behörde will Autobahn für Aktionstag sperren

Der Aktionstag „Autofreier Stadt-Raum“ wird im September 2015 voraussichtlich zum ersten Mal in Bremen-Nord ausgerichtet. Die Baubehörde bestätigte dies auf Anfrage.
02.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Behörde will Autobahn für Aktionstag sperren
Von Jürgen Theiner
Behörde will Autobahn für Aktionstag sperren

Blick auf die A 270: Wer dort radelt, macht sich normalerweise strafbar. Im September könnte es eine Ausnahme geben.

Christian Kosak

Der Aktionstag „Autofreier Stadt-Raum“ wird 2015 voraussichtlich zum ersten Mal in Bremen-Nord ausgerichtet. Entsprechende Informationen dieser Zeitung wurden auf Anfrage vom Sprecher der Baubehörde, Jens Tittmann, bestätigt. Als Termin ist der 20. September angepeilt.

Bremen beteiligt sich seit 2009 mit dem „autofreien Stadt-Raum“ an der europäischen Mobilitätswoche. Er soll das Bewusstsein der Bürger für Alternativen zum motorisierten Individualverkehr fördern. Im vergangenen Jahr waren der Osterfeuerberger Ring und der Utbremer Kreisel in Walle Schauplatz der Veranstaltung. Auf einem guten Kilometer abgesperrter Straße fand ein buntes Unterhaltungsprogramm mit über 60 Aktionen statt, das über den Tag hinweg rund 50 000 Menschen anzog.

Bei der nächsten Auflage des „Stadt-Raums“ soll es ein Novum geben. Die Verkehrsbehörde plant, für einige Stunden die Autobahnen 27 und 270 zu sperren. Radler aus dem stadtbremischen Bereich könnten dann über diese Strecke nach Bremen-Nord gelangen. Das bunte Programm soll rund um den Vegesacker Hafen ablaufen.

Autobahnsperrung für einen verkehrspolitischen Aktionstag? In der Umweltbehörde ist man sich bewusst, dass da noch Abstimmungsbedarf mit übergeordneten Behörden entstehen dürfte. Jens Tittmann verteidigt die Idee jedoch schon mal vorbeugend gegen mögliche Kritik. Er verweist auf Vorbilder aus anderen Bundesländern. So sei 2010 in Nordrhein-Westfalen sechs Stunden lang die Autobahn 40 quer durch das Ruhrgebiet gesperrt worden. Dort gab es ein Volksfest, bei dem sich das Ruhrgebiet als europäische Kulturhauptstadt feierte. Nach dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“, wie der Projektname damals lautete, nun also ein Stillleben A 27? „Wenn das Ruhrgebiet so etwas hinkriegt, warum dann nicht Bremen?“, formuliert der Sprecher der Umweltbehörde selbstbewusst. Aus seiner Sicht ließe sich über die Aktion auch das Thema Fahrradtourismus in Bremen-Nord bestens kommunizieren.

Bremen-Nord als Schauplatz des autofreien Sonntags: Mit dieser Idee war 2013 erstmals der Lesumer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Max Liess auf den Plan getreten. In die Vorgespräche zum Aktionstag 2015 hat das Umweltressort nach eigenen Angaben diverse Parlamentarier der rot-grünen Koalition eingebunden, darunter Jürgen Pohlmann (SPD) sowie Maike Schaefer und Ralph Saxe von den Grünen. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist mit im Boot.

Der Etat für den „autofreien Stadt-Raum“ ist mit 100 000 Euro ausgestattet. Neben der Agentur „Sternkultur“, die das Spektakel 2014 auf die Beine stellte, sollen laut Jens Tittmann in Kürze zwei weitere mögliche Partner aufgefordert werden, sich für die Organisation der Veranstaltung zu bewerben.

Inspirieren lässt sich das Ressort auch von ähnlich gelagerten Aktionstagen im Ausland. Ein Mitarbeiter der Umweltbehörde hat nach Tittmanns Darstellung bei einem privaten Aufenthalt in Los Angeles (USA) Kontakte zu den Machern von „Ciclavia“ aufgenommen, einer Art Bürgerinitiative, die in der kalifornischen Metropole für temporäre autofreie Zonen sorgt, und zwar in Abstimmung mit der Stadtverwaltung. Die Aktivisten von Ciclavia verstehen ihre Projekte nicht als Sperrung, sondern als Öffnung des öffentlichen Raumes – nämlich für diejenigen Verkehrsteilnehmer, die nicht motorisiert sind.

Diese Sichtweise macht sich das Bremer Umweltressort mit seinem „autofreien Stadt-Raum“ zu eigen. „Von denen können wir lernen“, sagt Jens Tittmann mit Blick nach Los Angeles. Es habe auch bereits erste offizielle Kontakte zur dortigen Stadtverwaltung gegeben. Im Übrigen stehe die Stoßrichtung des „autofreien Stadt-Raums“ im Einklang mit der Politik der großen Koalition in Berlin. „Es ist uns sehr, sehr wichtig, im Rahmen der Klimapolitik der Bundesregierung für die gleichen Ziele zu werben“, so Tittmann.

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