Alte Verordnung soll bis zur nächsten Badesaison überarbeitet werden / Schifffahrtsamt warnt vor Gefahren Behörde will Baden am Bunker erlauben

Noch ist das Baden in Weser und Lesum verboten. Doch die Umweltbehörde plant, die Verordnung von 1975 bis zum kommenden Sommer zu lockern. Zwar wird es in Bremen-Nord künftig keine zusätzlichen Badestellen geben, doch könnte das Planschen und Schwimmen am Bunker Valentin in Farge bald offiziell erlaubt sein.
18.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Basic

Noch ist das Baden in Weser und Lesum verboten. Doch die Umweltbehörde plant, die Verordnung von 1975 bis zum kommenden Sommer zu lockern. Zwar wird es in Bremen-Nord künftig keine zusätzlichen Badestellen geben, doch könnte das Planschen und Schwimmen am Bunker Valentin in Farge bald offiziell erlaubt sein.

Bremen-Nord. Nach dem Sonnenbad zur Abkühlung in die kühle Weser springen – das könnte am ehemaligen U-Boot-Bunker Valentin in Farge bald offiziell erlaubt sein. Die Umweltbehörde plant, das Badeverbot für die Weser zu lockern. Das bestätigte Hans-Peter Weigel, der in der Behörde für Oberflächengewässer zuständig ist, gegenüber unserer Zeitung. "Die Verordnung aus den 1970er Jahren ist nicht mehr zeitgemäß. Wir hoffen, dass sie schon bis zum kommenden Frühjahr geändert werden kann", so Weigel.

Eine weitere mögliche Badestelle wäre auch der Sandstrand am linken Weserufer gegenüber dem Kraftwerk Farge. Dafür sei aber das Land Niedersachsen zuständig, sagt Gudrun Eiden, stellvertretende Sprecherin des Umweltressorts. Auf der bremischen Weserseite ist der Einfluss des Abwassers, das aus der Kläranlage Farge in den Fluss strömt, laut Weigel einfach zu groß, um den Bereich als Badestelle freizugeben. "Wir haben dort Proben genommen und eine Belastung festgestellt."

Am Schönebecker Sand, wo die Lesum in die Weser mündet, gab es bereits im Jahr 1936 ein Strandbad. Eine kleine Fähre setzte die Badegäste zum Strand über. In den 1950er Jahren musste der Badebetrieb aber aus Sicherheitsgründen eingestellt werden, weil die Soggefahr der Überseeschiffe für die Badegäste zu gefährlich wurde. Heute gibt es dort keinen Sandstrand mehr, zum Schutz des Ufers und der Wiesen wurden Steine als Befestigung aufgeschüttet. "Das Ufer am Schönebecker Sand ist jetzt einfach zu steil, um sicher ins Wasser zu gelangen. Außerdem sind die Steine sehr glitschig", sagt Hans-Peter Weigel.

An der Lesum wird es auch weiterhin keine offiziellen Badestellen geben, dafür sei das Ufer zu verbaut, sagt Weigel. "Wir können ganz einfach aus Kostengründen keine Spundwände zurückbauen, um einen Strand zu schaffen." Nur diejenigen Bereiche kämen in Frage, die noch sehr naturnah und unverbaut seien. Dafür gebe es an beiden Flüssen nicht besonders viele. "Die Unterweser ist durch Begradigungen und Ufergestaltung inzwischen beinahe zu einem Kanal geworden. Dadurch hat sich auch die Fließgeschwindigkeit stark erhöht," sagt Weigel. "Die Flüsse sind heute fürchterlich verbaut." Die kleine Bucht am Bunker Valentin sei aber ein relativ ruhiger Gewässerabschnitt.

Erst kürzlich haben die Bremer Grünen einen Vorstoß gewagt, um das Baden in der Weser wieder zu erlauben. "Die Weser ist die grüne Lebensader Bremens und Bremerhavens", sagte die umweltpolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion, Maike Schaefer. "Viele Menschen möchten die Uferbereiche im Sommer zum Schwimmen nutzen."

Baden schon seit 1975 verboten

Die bestehende Regelung stützt sich auf eine Verordnung aus den 1970er Jahren. Darin ist allerdings kein wortwörtliches Verbot zu lesen. Laut Verordnung ist nur das Schwimmen in der Lesum, der kleinen Wümme und der kleinen Weser untersagt. Dennoch ist das Schwimmen in der Weser derzeit nur mit Ausnahmen an einigen Stellen erlaubt, wie etwa am Café Sand.

Das Umweltressort hält eine Umkehrung der Regelung für sinnvoll, sagte Brigitte Köhnlein, Sprecherin des Umweltsenators. "Dann dürfte man überall baden, es sei denn, es ist verboten. Etwa an gefährlichen Stellen." Diese müssten sichtbar gekennzeichnet sein. Die Wasserqualität habe sich in der Weser gebessert und stelle kein Hindernis dar. Aus der Verordnung geht aber auch hervor, dass das Baden in den Bereichen von der ehemaligen Einfahrt zum Bunker Valentin bis zur Landesgrenze bei Rekum und am bremischen Ufer im Bereich der Juliusplate erlaubt ist. Verboten ist es hingegen in Höhe der Hafeneinfahrten und in den gekennzeichneten Abwassereinleitungen bis zur Flussmitte, wie zum Beispiel an der Kläranlage Farge.

Auch das Bremer Wasser- und Schifffahrtsamt hat eine Warnung für das Baden in Fließgewässern herausgegeben: In unmittelbarer Nähe von Buhnenköpfen, Molen und Trennungswerken, in Bereichen von Liege- und Löschstellen, Wasserbaustellen und an den Flussmündungen Lesum, Hunte und an den zahlreichen Nebenarmen ist das Baden demnach verboten.

Doch welche Strafen drohen dem, der trotz aller Warnungen und Verbote in die Weser oder die Lesum springt? "Bisher habe ich noch nie erlebt, dass jemand dafür bestraft wurde", sagt Hans-Peter Weigel. Auch Oliver Paust, Sprecher der DLRG Bremen, kann nur spekulieren: "Ich denke, da droht höchstens ein Bußgeld."

Wer dennoch in den Bremer Flüssen schwimmen möchte, sollte laut Schifffahrtsamt Folgendes beachten: Es ist verboten, die Schifffahrt, den Fährverkehr, die Fischerei und den Sportverkehr zu behindern. Schwimmer müssen sich insbesondere von den fahrenden Wasserfahrzeugen so weit entfernt halten, dass diese ihren Kurs nicht ändern oder ihre Geschwindigkeit nicht drosseln müssen. Außerdem dürfen die Badenden die Uferanlagen und Böschungen nicht beschädigen.

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