Häuser über alten Luftschutztunneln Behörden schwächen Warnung ab

Bremen-Nord. Wie gefährlich sind die maroden Luftschutzstollen im Nordbremer Geestrücken? Diese Einschätzung der aktuen Gefahr ist am Freitag zurechtgerückt worden. Die fachlich zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) trotzdem eine schnelle Verfüllung an.
19.02.2011, 05:00
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Behörden schwächen Warnung ab
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Wie gefährlich sind die maroden Luftschutzstollen im Nordbremer Geestrücken? Von "akuten Gefahren für Leben oder Gesundheit von Menschen" hatte das Bundesfinanzministerium zur Wochenmitte gesprochen. Diese Einschätzung ist gestern zurechtgerückt worden. Die fachlich zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) strebt zwar eine schnelle Verfüllung von Teilen der Tunnelsysteme an, eine unmittelbare Gefahr für Menschen und Sachwerte bestehe zurzeit jedoch nicht.

Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack stand gestern in permanentem Kontakt mit diversen Behörden, vor allem mit der BImA, um den Sachverhalt aufzuklären. Gegenüber der Presse hatte sich die Bundesanstalt in der ersten Wochenhälfte noch zugeknöpft gezeigt und auf das übergeordnete Bundesfinanzministerium verwiesen. Von dort war dann die Warnung vor den "akuten Gefahren" ausgegangen, die viele Bewohner der betroffenen Straßen - insbesondere in Blumenthal und Vegesack - beunruhigte.

Intern wird das Schadenspotenzial von den Fachleuten der BImA jedoch offenbar zurückhaltender beurteilt. In seinen Gesprächen sei ihm gestern vermittelt worden, so Nowack, dass "keine akute Gefahr von Tagesbrüchen" bestehe. Unter einem Tagesbruch verstehen Geologen einen Bergschaden, der aus dem Untergrund bis an die Oberfläche ("Tag") durchbricht und dort zum Beispiel zur Kraterbildung führen kann. Nowack weiter: "Die akute Gefahr ist allerdings von Sachverständigen für das Stolleninnere festgestellt worden, weil an Teilen der Wände und Decken bei den regelmäßigen jährlichen Begehungen Schäden sichtbar geworden sind." Aus diesem Grund sei auch entschieden worden, vordringlich die Stollenanlage mit der Bezeichnung B 12 vollständig zu verfüllen. Dabei handelt es sich um das unterirdische System, das von der Fresenbergstraße in Richtung Eichsfelder Straße verläuft. Es soll eine Ausdehnung von rund 1000 Metern haben.

Wann mit der Verfüllung dieser ersten Stollenanlage begonnen werden kann, ist nach Nowacks Darstellung noch offen. Denn erstens werde die Baumaßnahme deutlich mehr als 500.000 Euro verschlingen. Dieser Betrag bilde die Schwelle für eine europaweite Ausschreibung, die Zeit koste - voraussichtlich bis Ende des Jahres. Und zweitens ist nicht ansatzweise klar, wer sich mit wem in welchem Verhältnis die Kosten teilt.

Zivilschutz plante Modernisierung

An dieser Stelle beginnt es schon beim Pilotprojekt BS 12 kompliziert zu werden. Anfang der 70er Jahre strebten die Zivilschutzbehörden der Bundesrepublik die Modernisierung dieses Weltkriegsstollens an. Zwischen zwei ursprünglich getrennten Hohlräumen wurde ein Verbindungstunnel angelegt, hinzu kam ein Schleusenbauwerk auf dem Gelände der Schule an der Fresenbergstraße. Diese Ausbaupläne wurden später abgebrochen. Doch während für den alten Stollen das Bundesfinanzministerium zuständig ist, fällt der Zivilschutz in die Verantwortlichkeit der Innenbehörden des Bundes und der Länder. So ist abzusehen, dass um den Kostenschlüssel für die Verfüllung gefeilscht werden wird.

Wichtig ist aus Sicht des Ortsamtsleiters, dass die Hauseigentümer im betroffenen Quartier den Behörden für Erkundungsarbeiten eine Genehmigung vom Betreten der Grundstücke erteilen. Das Ortsamt leiste dabei Hilfestellung. Für die Darstellung des Ortsamtsleiters war gestern von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben keine Bestätigung zu erhalten.

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