Waller Beirat fordert dennoch mehr Budget für die offene Jugendarbeit im Stadtteil

Bei allen Angeboten muss gespart werden

Walle. Wie sollen im kommenden Jahr die städtischen Fördermittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil verteilt werden? Darüber hat jetzt der Waller Controllingausschuss beraten. Es war eine aufreibende Sitzung – für alle Beteiligten, als da wären: je zwei Vertreter der Freien Träger, des Sozialzentrums West und des Waller Beirats.
03.12.2015, 00:00
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Von Anne Gerling
Bei allen Angeboten muss gespart werden

Seit vorigem Jahr gibt es mit dem Skatepark in der Überseestadt ein zusätzliches Angebot im Stadtteil, das den Stadtteilpolitikern in Walle das praktisch Unmögliche abverlangt: Wie den Skatepark unterstützen, ohne den anderen Einrichtungen etwas wegzunehmen?

Roland Scheitz

Wie sollen im kommenden Jahr die städtischen Fördermittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil verteilt werden? Darüber hat jetzt der Waller Controllingausschuss beraten. Es war eine aufreibende Sitzung – für alle Beteiligten, als da wären: je zwei Vertreter der Freien Träger, des Sozialzentrums West und des Waller Beirats.

Was dem Gremium dabei zu schaffen machte: Wenn, wie in diesem Jahr, wieder 346 000 Euro für die Jugendarbeit von Freizis, Kirchengemeinden, Initiativen und Vereinen im Topf sind, dann reicht dieses Geld nicht für alle Angebote, die Mittel beantragt haben.

Eine Problematik, die nicht neu ist, sich allerdings immer stärker zuspitzt. Während seit Jahren insbesondere die Personal- und Energiekosten in den Einrichtungen steigen, war das Budget über Jahre gleich geblieben, sodass immer weniger für die pädagogische Arbeit bleibt. 2015 gab es erstmals eine leichte Erhöhung für mehrere benachteiligte Stadtteile, darunter auch für Walle. Stünden Bremen ausreichend Mittel zur Verfügung, dann müsste Walle aus Sicht der Verwaltung im Grunde 387 000 Euro bekommen, hatte hierzu Mitte Februar der damalige Leiter des Referats Kinder- und Jugendförderung im Sozialressort, Michael Schwarz, erklärt. Deshalb müsse ein Stufenplan für die Jahre 2016 bis 2018 her, der dafür sorge, dass langfristig alle Stadtteile zu ihrem Recht kommen.

Ob es also 2016 mehr Mittel für den Stadtteil gibt, das hätte der Waller Beirat gerne von Schwarz’ Nachfolgerin Monika Frank gewusst und hatte sie ins Ortsamt eingeladen. Zur Beiratssitzung vorige Woche allerdings erschien Frank nicht, obwohl es im Vorfeld keine Absage gegeben hatte.

Bis im Juni nächsten Jahres der Haushalt verabschiedet wird, geht der Waller Controllingausschuss also zunächst vom Vorjahresbudget aus, was klare Einschnitte bedeutet. Die Finanzierung sei alles andere als auskömmlich, so das Fazit von Anja Blumenberg, die im Sozialzentrum West den Bereich „Junge Menschen in Walle“ leitet und dem Beirat Rede und Antwort stand: „Das erste Mal seit Jahren mussten wir kürzen, und zwar bei jedem Angebot und jedem Träger.“

Dies betrifft zum Beispiel das Freizi Walle an der Waller Heerstraße, das 192 199 statt der beantragten 217 926 Euro erhalten soll, und das Freizi Haferkamp an der Ellmersstraße (62 690 statt 75 799 Euro). Beide Häuser arbeiten bereits mit einem Minimum an festen Stellen, das Freizi Haferkamp sogar ohne Leitung. Auch das Kinder- und Jugendhaus Ratzeburger Straße der Naturfreundejugend Bremen wird nicht sämtliche benötigten Mittel erhalten können. So wird wohl der von der „Ratze“ betreute Container auf dem Quartiersplatz dann nur noch an zwei statt drei Tagen pro Woche öffnen.

Seit 2014 gibt es außerdem mit dem vom Sportgarten betriebenen Skatepark in der Überseestadt ein zusätzliches Angebot im Stadtteil, das dem Controllingausschuss das praktisch Unmögliche abverlangt: Wie den Skatepark unterstützen, ohne den anderen Einrichtungen etwas wegzunehmen?

Im Wissen um die knappen Mittel hatte der Sportgarten trotz höheren Bedarfs 29 000 Euro aus dem Stadtteilbudget beantragt – vom Controllingausschuss wurden ihm aber nur knapp 12 000 Euro zugeteilt, sodass wohl die Betreuung vor Ort, Toiletten, Kiosk, Materiallager und diverse Aktivitäten um den Skatepark herum eingedampft werden müssen.

Was für die Waller Ortspolitiker in diesem Zusammenhang besonders ärgerlich ist: Für zentrale gesamtstädtische sportbezogene Jugendeinrichtungen – wie den Skatepark – gibt es theoretisch einen eigenen Topf. Bisher zählen die Waller jedoch nicht zu denjenigen Controllingausschüssen, die diesen „Zentralbonus“ erhalten. Dieser Topf müsste nach Ansicht vieler Beteiligter dringend neu organisiert werden; jedoch hat bislang niemand im Sozialressort diesen Stein ins Rollen gebracht.

Auch bei Angeboten der Wilhadi-Kirchengemeinde oder beim Projekt „Ran an die Zukunft“ (Raz) der Bremischen Evangelischen Kirche muss eingespart werden; wichtig war dem Controllingausschuss aber, wenigstens 5000 Euro für Ferienprogramme zu reservieren. Unterm Strich sind bereits jetzt 344 920 der 346 000 Euro verplant; es bleiben also nurmehr 1000 Euro für irgendwelche Eventualitäten im Topf. „Das ist mutig – aber wir können’s nicht ändern“, so Blumenberg.

Die Ortspolitiker würden es aber gerne ändern. Bereits im Februar hatten sich die Beiräte aus Findorff, Walle und Gröpelingen mit der gemeinsamen Forderung an das Sozialressort gewandt, die Kinder- und Jugendförderung bedarfsgerecht abzusichern und gemäß der Bedarfserhebung auf der Grundlage der Sozialindikatoren sofort das Budget für Gröpelingen um 229 000 Euro sowie für Walle um 52 000 Euro zu erhöhen.

Mindestens 52 000 Euro mehr: Diesen Beschluss hat der Waller Beirat nun nochmals bekräftigt und fordert außerdem, auch den Skatepark als neues Angebot im Budget angemessen zu berücksichtigen.

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