"Corona"-Pizza im Bremer Viertel

Mit dem Lieferdienst gegen die Krise

Bei „Corona Pizza“ im Bremer Steintorviertel gibt es „Corona“ wahlweise als Baguette oder Salat – und das bereits seit 2012. Seine Kunden beliefert Ankush Mall Chand zurzeit zu Hause.
25.03.2020, 17:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Leoni Hentschel
Mit dem Lieferdienst gegen die Krise

Die hungrigen Nachtschwärmer bleiben aus, aber auf "Corona Pizza" muss trotzdem niemand verzichten – sofern die Lieferadresse im Gebiet von Inhaber Ankush Mall Chand liegt.

Roland Scheitz

Ihre Pizzeria Corona ist eine beliebte Anlaufstelle im Viertel. Wie macht sich die momentane Corona-Krise bei Ihnen im Laden bemerkbar?

Ankush Mall Chand: Wir sind zum Glück hauptsächlich ein Lieferservice. Wir liefern nach Hause, man kann aber auch vor Ort essen oder Essen bestellen und abholen. Das Essen vor Ort ist jetzt durch die neue, hoffentlich nicht allzu lang anhaltende Gesetzgebung komplett weggefallen. Unsere Kunden dürfen das Essen zwar immer noch abholen, das passiert aber auch seltener. Wir haben definitiv einen Rückgang, aber im Vergleich zu anderen Betrieben ist es noch nicht so schlimm. Unsere Umsätze fallen nicht so sehr weg wie bei denen, die komplett dichtmachen müssen. Für die Restaurants, die keinen Lieferservice anbieten, ist es momentan sehr schwierig.

Inwiefern spielt die örtliche Lage ihrer Pizzeria da eine Rolle?

Wir sind direkt am Bermudadreieck und da die ganzen Kneipen um uns herum jetzt zu haben, fällt auch die Laufkundschaft weg, das spüren wir schon. Aber da die Leute jetzt nur noch zuhause bleiben, lohnt sich der Lieferservice natürlich schon. Darauf setzen wir jetzt. Und ich denke nicht, dass die Politik den einstellen wird. Sollte das passieren, weiß ich auch nicht mehr weiter. Das würde dann zum totalen Chaos bei uns führen.

Viele Gastronomiebetriebe müssen derzeit ihr Personal kürzen. Wie ist die Situation bei Ihnen?

Insgesamt sind wir circa zehn Personen in unserem Betrieb. Dass wir Vollzeitangestellte entlassen oder in die Kurzarbeit schicken müssen, ist bisher nicht der Fall. Wir sind ein Familienbetrieb, meine Mutter hilft viel mit im Geschäft. Ich habe auch zwei jüngere Brüder, die mit anpacken. Einer von ihnen ist eigentlich noch in der Ausbildung als Restaurantfachmann und der andere studiert, das ist durch die Krise aber auch erst mal auf Eis gelegt. Die helfen jetzt mehr bei mir im Geschäft mit.

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Wie lange könnten Sie unter diesen Bedingungen durchhalten, bis die Existenz Ihres Geschäfts gefährdet ist?

Bisher mache ich mir da noch keine Gedanken. Unsere Haupteinnahme war immer der Lieferservice und der läuft noch einigermaßen. Ich hoffe aber, das geht jetzt nicht Ewigkeiten so weiter. Für ein paar Monate können wir das bewerkstelligen. Irgendwann muss diese Situation aber ein Ende haben, sonst geht die ganze Wirtschaft den Bach runter. Wir betreiben dieses Geschäft jetzt schon eine längere Zeit und konnten somit auch ein paar Rücklagen bilden. Aber diese Rücklagen sind nach einer gewissen Zeit aufgebraucht. Wenn die Krise länger anhält, müssen auch wir uns Gedanken über Kurzarbeit oder die Entlassung des Personals machen.

Was wünschen Sie sich in dieser Situation vonseiten der Politik?

Es gibt neben uns auch viele Restaurants, die gar keinen Lieferservice anbieten. Die haben so gut wie keine Einnahmequelle und dazu hohe Fixkosten. Die Restaurants halten das auf Dauer nicht aus, selbst wenn sie gute Rücklagen haben. Dagegen muss die Politik etwas tun.

Zum Beispiel?

Neben der Gastronomie gibt es viele andere Branchen, die ebenfalls durch die Krise gefährdet sind. Die Politik muss eine Lösung für die Unternehmen finden, um sie vor dem finanziellen Kollaps zu schützen. Die Aufgabe der Politik ist es, einen finanziellen Rettungsschirm über die jeweiligen Unternehmen aufzuspannen, die aufgrund der Krise nicht mehr auf ihren eigenen Füßen stehen können. Wichtig ist, dass die finanziellen Hilfen gerecht und ohne Rückzahlungspflicht zugeteilt werden. Ein Unternehmen, das auf die Produktion von Toilettenpapier setzt, sollte selbstverständlich nicht von dieser politischen Maßnahme profitieren. Die Politik muss schnell handeln, denn wenn auf Dauer alles stillsteht, herrscht hier irgendwann Anarchie und das will glaube ich keiner.

Im Namen Ihres Betriebs „Corona Pizza“ liegt dieser Tage die Ironie des Schicksals. Wie oft erhalten Sie diesbezüglich Reaktionen von Kunden?

Sehr häufig. Ich kriege ständig mit, dass Personen unsere Fassade abfotografieren. Wir haben eine auffällige Fassade, sodass Leute schon vor der Corona-Krise Bilder von dieser gemacht haben. Aber in letzter Zeit ist das mehrmals täglich der Fall. Sobald ich im Geschäft ankomme oder für eine Pause draußen bin, sehe ich, dass viele Leute ein Foto von unserer Fassade machen, natürlich mit dem Fokus auf den Schriftzug „Corona Pizza“ und dabei ein Lächeln im Gesicht haben. Und man weiß natürlich weshalb.

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Das Gespräch führte Leoni Henschel.

Info

Zur Person

Ankush Mall Chand (28)

ist seit 2012 Inhaber von „Corona Pizza“ im Fehrfeld 35a. Gemeinsam mit seiner Familie betreibt der 28-Jährige den Heimservice im Bremer Steintorviertel. Für viele Bewohner und Nachtschwärmer ist sein Laden eine beliebte Adresse.

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