Die Lemke-Kolumne

Bei Behörden fühlt sich der Bürger als Bittsteller

Willi Lemke kämpft in seiner neuen Kolumne für ein schnelleres Umdenken bei Baunormen, damit nicht noch mehr Bürger und Unternehmen ins Umland abwandern.
03.02.2017, 15:39
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Von Willi Lemke
Bei Behörden fühlt sich der Bürger als Bittsteller

Willi Lemke 2015 bei einem Symposium in Hamburg.

dpa

Willi Lemke kämpft in seiner neuen Kolumne für ein schnelleres Umdenken bei Baunormen, damit nicht noch mehr Bürger und Unternehmen ins Umland abwandern.

Ich bin mir sicher, dass Sie diese Sätze auch aus Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis kennen: Bremen ist so teuer geworden! Wer kann sich in Bremen überhaupt noch Eigentum oder eine größere Wohnung leisten? Die Folge ist bekannt, immer mehr Bremer Familien wandern in Nachbargemeinden wie Achim, Syke oder Oyten aus. Der Speckgürtel wird immer dicker, während wir hier in Bremen gerade einmal knapp die Einwohnerzahl halten können. Und das auch nur, weil zuletzt viele Flüchtlinge den Weg zu uns gefunden haben.

Doch Bremen braucht weiteren Zuwachs, am liebsten Menschen im besten Alter zwischen 25 und 50 Jahren, wie es heißt. Wobei ich immer sage, dass man doch auch mit 60 noch im besten Alter ist. Und mit 70 Jahren auch, das kann ich gut beurteilen. Aus der Bremer Politik höre ich immer, dass man was mache für den Zuwachs der Stadt. Und auch dafür, dass Menschen in der Stadt bleiben. Aber die Realität sieht wirklich anders aus. Denn es wird immer schwerer, in Bremen zu bauen.

Dabei haben wir tolle Baugebiete mit der Gartenstadt Werdersee, dem Hulsberg-Quartier oder der Galopprennbahn in der Vahr. Alle drei Gebiete sind bestens geeignet für behutsame Bebauung, für die sogenannte Mischbebauung. Denn Bremen braucht nicht nur schicke Einfamilienhäuser oder Penthouses, sondern Reihenhäuser und sozialen Wohnungsbau.

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Das Problem mit dem Bauen sind aus meiner Sicht die immer zunehmenden Vorschriften, die auch aus Brüssel kommen. Deshalb lautet mein Appell an die Bremer Politik: Wir müssen den Zuzug erleichtern. Wir müssen Brücken bauen nach Bremen und Hürden abbauen. Zuletzt habe ich häufiger Menschen getroffen, auch aus der Politik, die mir gesagt haben: „Willi, wir brauchen schnellere und schlankere Strukturen bei Bauvorhaben“. Denn das Gefühl vieler Bürger ist, dass man bei den Behörden in unserer Stadt nicht als Kunde, sondern als Bittsteller empfangen wird.

Zu häufig hören die Bürger, was alles nicht durchsetzbar sei. Dabei sollte es dort keine Abwehrhaltung geben, sondern immer das Ansinnen, den Menschen zu helfen. Die Vollständigkeitskontrolle, mit der ein Bauvorhaben beginnt und die innerhalb von zehn Tagen bearbeitet werden sollte, funktioniert nicht oder viel zu selten. Das empfinde ich als Armutszeugnis. Und die einst in Bremen so gerühmten kurzen Wege sind leider nicht mehr vorhanden.

Wir brauchen weniger bürokratischen Formalismus und ein schnelleres Umdenken bei Baunormen. Dazu zählt auch, den Anwohnern der möglichen Baugebiete transparent und frühzeitig die Vorhaben zu erklären. Damit sollten die Verantwortlichen nicht erst übermorgen, sondern am besten schon heute beginnen. Denn ohne Zuwachs wird es Bremen noch schwerer haben und weiter Gefahr laufen, Fachkräfte oder auch Unternehmen ans Umland zu verlieren.

Zur Person

Willi Lemke (70) schreibt jeden Sonnabend im WESER-KURIER über seine Heimatstadt und was ihn in dieser Woche in Bremen bewegt hat.
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