Studie über Umzugsquoten Bei Einzug Mieterhöhung

Bremen. Bremer Mieter ziehen häufig um. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Umzugsquoten in Landeshauptstädten vergleicht. Für viele Vermieter eine Gelegenheit, die Miete zu erhöhen.
16.07.2013, 05:00
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Bei Einzug Mieterhöhung
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Bremer Mieter ziehen häufig um. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Umzugsquoten in Landeshauptstädten vergleicht. 15,7 Prozent der Bremer Mieter wechselten demnach 2012 den Wohnsitz – das bedeutet einen Platz unter den ersten vier. Für viele Vermieter eine Gelegenheit, die Miete zu erhöhen. Von "explosionsartigen" Anstiegen in einigen Stadtteilen spricht der Mieterschutzbund – und fordert ebenso wie die Organisation Haus und Grund einen Mietspiegel.

Kristin Adler zieht im September um. 50 Meter weiter die Straße hinauf in Peterswerder wird sie eine neue Wohnung beziehen. Nicht, weil ihre derzeitige Wohnung ihr nicht mehr gefällt. "Ich würde nicht umziehen, aber ich will mit jemandem zusammen in eine größere Wohnung ziehen", sagt sie.

Das war bei Kristin Adler einmal anders. 1995 kam sie wegen ihres Studiums nach Bremen – und zog dann in den nächsten neun Jahren sechsmal um. Im Viertel lebte sie, in Walle, Horn, Hastedt und Findorff. Oft seien es keine bewussten Entscheidungen für oder gegen einen Stadtteil gewesen, erzählt Adler. Es habe sich so ergeben, weil sich Wohngemeinschaften fanden und wieder auflösten und sie zwischendurch ein Auslandssemester machte.

Kristin Adler ist dann sesshaft geworden. Sie hat ihren Ortsteil gefunden: Peterswerder. Schön sei es da, sagt sie, und zudem schätze sie die Nähe zum Viertel und zur Innenstadt. "Nach Peterswerder zu ziehen, war dann tatsächlich eine bewusste Entscheidung", sagt Adler. Und meint damit nicht nur den Ortsteil, sondern auch, dass sie dort in eine Genossenschaftswohnung gezogen ist – mit einer Miete, die unter der in Bremen üblichen liegt.

Was das in Bremen Übliche ist, war in den vergangenen Monaten allerdings immer wieder Gegenstand der Diskussion. Einerseits, weil sich die Politik zum Ziel gesetzt hat, den Anstieg der Mieten zu begrenzen. Andererseits, weil Bremen die einzige unter den 25 größten Städten in Deutschland ist, in der es keinen Mietspiegel gibt – eine offizielle Tabelle, anhand derer Mieter und Vermieter sehen können, welche Preise in welchen Lagen üblich sind.

Und dass in Bremen häufig umgezogen wird, hat durchaus Einfluss auf den Mietpreis, zumindest in manchen Stadtteilen, erklärt Gert Brauer vom Bremer Mieterschutzbund. Eine Studie im Auftrag der Firma Techem hatte erst kürzlich die Umzugsquoten der deutschen Landeshauptstädte verglichen. Spitzenreiter war Saarbrücken. Dort wechselten 2012 laut Studie 18,2 Prozent der Mieter den Wohnsitz. Bremen teilte sich mit 15,7 Prozent den dritten Platz mit Kiel; der Durchschnitt lag bei 13,3 Prozent. Fragt man beim Stadtamt nach Umzügen innerhalb Bremens, sind die Zahlen recht konstant. 44531 waren es 2012, 45063 ein Jahr zuvor. Auch langfristig gibt es keine großen Veränderungen. So kam es im Jahr 2000 zu 42478 Umzügen innerhalb Bremens und 2005 zu 48235.

Seit etwa zwei Jahren hat Gert Brauer nun in beliebten Quartieren wie Schwachhausen, dem Viertel, Findorff oder der Neustadt den Trend ausgemacht, dass Hausbesitzer einen Mieterwechsel dazu nutzen, die Mieten anzuheben. "Bei einer Neuvermietung erlebt man da häufig einen tiefen Griff in die Tasche", sagt er, "zum Teil gibt es einen explosionsartigen Anstieg."

Von einem solchen Griff in die Tasche spricht Kristin Adler zwar nicht, doch auch sie erlebt nun schon zum zweiten Mal, dass sie als neue Mieterin mehr zahlen muss als derjenige, der die Wohnung verlässt. In einer Genossenschaftswohnung liege der Preis dann immer noch vergleichsweise niedrig, sagt sie, obgleich sie auch bestätigen kann, was der Mieterschutzbund zum Teil als extreme Erhöhung feststellt.

Bernd Richter, Geschäftsführer der Eigentümerorganisation Haus und Grund Bremen, bestätigt, dass sich Hausbesitzer bei Neuvermietungen häufig nach dem Marktniveau erkundigten. "Wir können nur empfehlen, die Miete bei einer solchen Gelegenheit anzupassen." Zu explosionsartigen Anstiegen komme es dabei aber nicht. Die ortsübliche Vergleichsmiete dürfe nur um 20 Prozent überschritten werden, betont Richter.

Das Problem sei, dass diese Vergleichsmiete nicht verbindlich festgelegt sei, erwidert Brauer – und plädiert daher für einen Bremer Mietspiegel. "Nur so kann man den Anstieg auch bei Neuvermietungen wirkungsvoll eindämmen", sagt er. Bernd Richter unterstützt die Forderung nach einer offiziellen Tabelle: "Damit schafft man eine verlässliche Datengrundlage und Transparenz – für beide Seiten."

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