Blasser Auftritt starker Bremen-Botschafter

Wissen, wo es langgeht

Die roten Stadtmusikanten-Piktogramme sollen Touristen den Weg in die Innenstadt weisen, aber nicht überall hält die Farbe auf dem Pflaster. Die Behörde prüft Regressansprüche gegen die ausführende Firma.
12.01.2021, 20:54
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Wissen, wo es langgeht
Von Justus Randt

Bremen. Wenn Bremen es ins Fernsehen schafft, geht es oft um Satire. Das war bei den abgesperrten Radwegen unter der Stephanibrücke so und ist auch nicht anders gelaufen, als im Herbst die roten Stadtmusikanten-Piktogramme auf Fußwege gesprüht wurden. Mobilitäts- und Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) musste allerlei Häme einstecken für die gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bremen umgesetzten Gehweg-Graffiti – die immerhin Bestandteil des groß angelegten Aktionsprogramms für die Innenstadt sind. Kaum getrocknet, gibt es Anlass, sich über die Reparatur der Bodenbilder Gedanken zu machen.

„Zu einem angenehmen Aufenthalt in der Bremer Innenstadt gehört auch, intuitiv zum Ziel zu gelangen. Hier gab es Defizite, die mit den Bremer Stadtmusikanten als Wegweiser behoben werden“, hatte Senatorin Schaefer gesagt. Das Fernseh-Satireteam hatte sich allerdings schon fokussiert auf die Kosten von knapp 50.000 Euro für 144 Sprüharbeiten, die jeweils mit einer Zeitangabe versehen sind, wie lange es von der Lektüre bis zum Ziel noch dauert. Auf den Wegen vom Hauptbahnhof und von den Parkhäusern am Innenstadtrand weisen die Piktogramme die Route zum Original: den Bremer Stadtmusikanten am Rathaus, wie der Bildhauer Gerhard Marcks sie sah und 1963 als Bronzestatue schuf.

Manchmal schon ist kritisiert worden, die Darstellung der Grimmschen Märchenfiguren sei zu klein und nicht imposant genug geraten. Und oft mussten sich Touristen in der City durchfragen, wo das berühmte Quartett zu sehen sei. Nun geht es darum, die gesamte Innenstadt zu finden. Die als Leitsystem gedachten Piktogramme taugen dazu mit abnehmender Verlässlichkeit: Nicht wenige sind im Lockdown unter den Schuhen von Passanten, weniger von Touristen, verblasst oder sogar teils verschwunden. Wie viele das betrifft, werde im „späten Frühjahr“ überprüft, wenn das Wetter besser sei, sagt Frank Steenblock, Abteilungsleiter beim Amt für Straßen und Verkehr. Die Kosten ließen sich erst dann ermitteln. Und auch über die Methode werde noch beraten. „Im Rahmen der Vorarbeiten für die Nachbesserungen wird geprüft, ob Regressforderungen gegen die ausführende Firma möglich sind.“

Zumindest als langlebig hat sich mittlerweile ein System erwiesen, das vor 15 Jahren von sich reden gemacht hat: Die Touristikzentrale ließ Messingnägel ins Pflaster der Altstadt versenken. Die blinkenden Köpfe sollten Touristen den Rundweg der Sehenswürdigkeiten weisen. Allein: Ihr Glanz verblasste allzu schnell, und stählerne Exemplare ergänzen die Markierung. Rund 2000 Nagelköpfe lotsen bis heute Besucher über den Rundweg – vorausgesetzt, die Touristen haben sich erst einmal bis in Bremens gute Stube durchgeschlagen.

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