Pilotprojekt in Hemelingen: Wissenschaftler der Uni entwickeln Aktivitätsprogramm für die Generation 65plus

Beim Pilzesammeln in Bewegung

Hemelingen. „Buten Aktiv“ heißt das dreijährige Pilotprojekt, bei dem Gesundheitswissenschaftler die Bewegungsfreude von 65- bis 75-jährigen Hemelingerinnen und Hemelingern unter die Lupe nehmen. Die Ergebnisse sollen helfen, ein maßgeschneidertes Mobilitätsprogramm zu entwickeln, das sowohl gesundheitliche Aspekte wie auch die Stadtplanung mit einbezieht.
10.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annica Müllenberg

„Buten Aktiv“ heißt das dreijährige Pilotprojekt, bei dem Gesundheitswissenschaftler die Bewegungsfreude von 65- bis 75-jährigen Hemelingerinnen und Hemelingern unter die Lupe nehmen. Die Ergebnisse sollen helfen, ein maßgeschneidertes Mobilitätsprogramm zu entwickeln, das sowohl gesundheitliche Aspekte wie auch die Stadtplanung mit einbezieht. Die deutschlandweit einzigartige Untersuchung startet mit einer Aktionswoche in allen Ortsteilen Hemelingens von Sonntag bis Donnerstag, 13. bis 17. September.

150 Minuten Bewegung in der Woche reichen: „Montag bis Freitag jeweils 30 Minuten spazieren, zum Supermarkt laufen oder im Garten arbeiten, das bringt schon eine ganze Menge“, sagt Karin Bammann. Die Gesundheitswissenschaftlerin leitet das Projekt Buten Aktiv. In den kommenden drei Jahren wollen die Forscher ein Bewegungskonzept für den Stadtteil erstellen. Im Fokus stehen die 65- bis 75-Jährigen – „eine spannende Generation, über die fast nichts bekannt ist“, sagt die Projektleiterin.

Fest steht aber, dass Aktivität die Gedächtnisleitung und das Wohlbefinden steigern und den Muskelabbau verlangsamen. Nicht zuletzt könne so der Einzug ins Pflegeheim um einige Jahre hinausgezögert werden.

Bewegung heißt dabei nicht unbedingt Sport, geschweige denn Lesitungssport. Schon kleine Abweichungen von der alltäglichen Bequemlichkeit bringen Erfolge. „Das Auto stehen lassen und den Einkauf zu Fuß erledigen, eine Stunde im Garten Unkraut zupfen oder zum Pilzesammeln gehen – all diese Aktivitäten sind sinnvoll. Wichtig ist, dass sie draußen stattfinden, weil dann noch Vitamin D über die Sonne getankt werden kann. Das ist gut für Körper und Gehirn“, betont die Forscherin vom Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen, die ursprünglich aus der Informatik kommt.

Wenige Studien über die Alterklasse

Karin Bammann hat lange am Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin gearbeitet. Dort hat sie zuletzt über übergewichtige Kinder geforscht. Die Generation 65 plus findet sie besonders spannend, weil die Senioren einerseits immer aktiver werden, andererseits gibt es wenige aussagekräftige Studien über diese Altersklasse.

Obwohl die Bewegung im Fokus steht, müssen Bammann und ihr Team in den kommenden Jahren auch oft am Schreibtisch sitzen. Es werden viele Interviews geführt und Akten gewälzt. Bisher haben die Wissenschaftler Kontakt zu Vereinen und Begegnungsstätten aufgebaut, um einen Blick über die Angebote im Stadtteil zu erhalten. Schließlich sollen die lokalen Akteure mit einbezogen werden. In einem nächsten Schritt geht es darum, die Gegebenheiten zu überprüfen: Sind die Rad- und Fußwege einladend oder bleibt das Auto die einzige flexible Fortbewegungsmöglichkeit?

„Wir wollen wissen, was die Senioren schon tun, um sich fit zu halten und welche Wünsche sie haben.“ Ab Oktober steht ein Interviewmarathon an: 4332 Männer und Frauen aus den fünf Ortsteilen, die zwischen 65 und 75 Jahren sind, werden befragt und untersucht. In der vorgeschalteten Aktionswoche bekommt die Zielgruppe Ideen, was unter die Kategorie Bewegung fallen kann. Vom 13. bis 17. September stehen Nordic Walking in Mahndorf, Wikinger-Schach in Hastedt, Boßeln in Arbergen und offenes Spazierwandern in Sebaldsbrück auf dem Programm.

Buten Aktiv wird für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und gilt als Pilotprojekt in Deutschland. „Wir arbeiten im Verbund mit acht Instituten und Universitäten des Nordwestens zusammen. Für die Studie haben wir uns zwei Gemeinden in Niedersachsen und einige Stadtteile in Bremen angesehen“, erzählt Bammann. In Hemelingen seien sie hängengeblieben, weil sich das fünfköpfige Team um die Gesundheitswissenschaftlerin regelrecht in den Stadtteil verliebt habe. „Es gibt Industriecharme und dörflichen Charakter. Beim Spaziergang schaut man links auf Fabriken und eine Ecke weiter ist schon wieder Natur mit Wiese. Das fanden wir besonders spannend.“

Wenn das maßgeschneiderte Bewegungsprogramm im Jahr 2018 fertig ist, hofft Karin Bammann, dass andere Stadtteile sich daran orientieren werden. Ein Maßstab für ganz Deutschland werde es nicht sein können. „Es kommt immer auf die Gegebenheiten an und die unterscheiden sich überall.“ Ein Ideenanstoß ist das Projekt aber in jedem Fall – und es bringt in Schwung.

Fragen zum Projekt „Buten Aktiv“ und zur Aktionswoche von Sonntag, 13. September, bis Donnerstag, 17. September, beantwortet Hartmut Manthey unter Telefon 218 68 86 61. Das Programm der Aktionswoche steht im Internet unter www.ipp.uni-bremen.de/forschung/senior-researcher/aktuelles. Auch in der Beiratssitzung am heutigen Donnerstag, 10. September, 19 Uhr, im Bürgerhaus Hemelingen, Godehardstraße 4, wird das Projekt vorgestellt.

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