Unterstützung für Baugemeinschaft Solidarität mit Genossenschaft

Auf der jüngsten Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt gab Florian Kommer, Geschäftsführer der GEG, einen Einblick in die aktuelle Entwicklung des Neuen Hulsberg Viertels.
10.12.2020, 05:00
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Solidarität mit Genossenschaft
Von Sigrid Schuer

Die aktuellen Entwicklungen im Neuen Hulsberg-Viertel waren das zentrale Thema der jüngsten Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt. Zunächst gab Florian Kommer, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte (GEG), einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen. Eine wichtige Feststellung traf Kommer dann ganz am Ende der Beiratssitzung: Er sehe sich nicht allein in der Rolle des Erlösmaximierers im Dienste der Gesundheit Nord, gerade im Hinblick auf die alte Pathologie, die zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt in dem neuen Quartier werden könnte.

Das vielleicht Wichtigste vorweg: Zunächst sei es bei der Regulierung der Schäden an den benachbarten Häusern des Bunkers auf dem Areal zu Verzögerungen gekommen. Die Schäden waren durch den Bunker-Abriss entstanden. "Wir werden aber noch im Dezember auf die Geschädigten zugehen", versprach Kommer. Für die Jahre 2021/22 könne man sich wegen der weiteren, anstehenden Abrisse auf dem Gelände auf eine Großbaustelle einstellen, für 2023/24 dann auf erste Neubauten. 2025 werde wohl der letzte Grundstücksverkauf anstehen. In diesem Sommer sei der Betrieb des Ärztehauses aufgenommen worden, berichtete er weiter. Die Vier Quartier GmbH & Co. KG, die die Augenklinik und die Urologie in Haus acht erworben hat und in das Bunker-Projekt involviert ist, werde demnächst die erste interne Präsentation für die Wohnbebauung vorlegen, die dann 2021 beginnen solle genauso wie das Bauvorhaben Sorgenfrei eins. Das ursprüngliche Gebäude wurde inzwischen abgerissen. Bei der Baugenossenschaft Karl sei der Anhandgabevertrag inzwischen sehr weit fortgeschritten. Im kommenden Jahr werde mit der Vertragsunterzeichnung und Beurkundung gerechnet, so Kommer

Weitere Schritte am Hulsberg

Im Oktober 2021 solle dann die Inbetriebnahme der Parkplatzanlagen erfolgen, die rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche geöffnet haben solle. Eine Zufahrt bestehe über die Bismarckstraße und die Friedrich-Karl-Straße. Gerade würden die Beweissicherungsgutachten erstellt werden. Ebenfalls im 2021 stehe der Verkauf des Hauses 38A, der Kinderklinik an der Friedrich-Karl-Straße an. Bis jetzt seien allerdings noch keine Kaufangebote eingegangen. Haus 37, das Kinderklinikum an der Bismarckstraße, werde 2021 durch die Geno freigezogen und solle dann durch die Gewoba vermietet werden. Im ersten Quartal solle zudem für das Baufeld H, an der Rückseite von Sorgenfrei, das baugemeinschaftliche Bieterverfahren eröffnet werden. Auch dafür gebe es noch keine Kaufinteressenten. Beiratssprecher Steffen Eilers (Grüne) fragte dezidiert nach, ob das geringe Interesse am Haus 38A auch ein Hinweis auf die immer weiter ansteigende Kostenspirale in dem neuen Wohnviertel sein könnte, die zudem eine Verteuerung des Wohnens im gesamten Umfeld nach sich ziehe. Worauf Kommer erwiderte, dass das zu kurz gedacht sei. Vielmehr könnte es sich um eine Fehleinschätzung des Verkaufspreises der inzwischen 18 Jahre alten Medizin-Immobilie mit beschränkten Nutzungsmöglichkeiten handeln. Für das 15 000 Quadratmeter große Areal werden 6,9 Millionen Euro gefordert. Das lasse sich aber kaum realisieren, so Kommer.

Beiratsbeschluss zur Unterstützung

Welch hoher Stellenwert der StadtteilGenossenschaft Hulsberg eG für die Entwicklung des Neuen Hulsberg Viertels beigemessen wird, macht der Beschluss deutlich, den der Beirat Östliche Vorstadt mit großer Mehrheit zur Unterstützung der Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler getroffen hat. Darin heißt es: „Die Stadtteil-Genossenschaft Hulsberg eG hat sich, trotz vieler Widerstände, über viele Jahre bemüht, das Bettenhaus auf dem ehemaligen Krankenhausgelände Klinikum Bremen-Mitte als vertikales, soziales Dorf, als Modell für innovatives, urbanes Wohnen zu entwickeln. Eine Anhandgabe des Bettenhauses wurde im Städtebaulichen Vertrag in Aussicht gestellt, um die Umsetzung des Projektes umfassend prüfen zu können. Im Zuge dieser Machbarkeitsuntersuchungen wurde eine fünfstellige Summe von der Stadtteil-Genossenschaft in Planungsleistungen investiert“.

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie sei nun von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) die Überlegung angestellt worden, das Bettenhaus noch weitere Jahre durch das Klinikum Bremen-Mitte nutzen zu lassen. Das hatte, wie bereits berichtet, dazu geführt, dass sich die Stadtteil-Genossenschaft von der Realisierung ihres mit Engagement vorangetriebenen Projektes verabschiedet und sich auf die Suche nach einer möglichen Alternative auf den Baufeldern 12 und 16 begeben hat, wie es Peter Bargfrede und Margot Müller auf der Beiratssitzung berichteten. Eilers betonte, dass der Beirat das sehr bedauere. Müller und Bargfrede äußerten den dezidierten Wunsch, dass weitere Gebäude und auch Grundstücke auf dem Areal direkt in Erbpacht vergeben werden sollten und zwar ohne Umweg über andere wie Gewoba oder Brebau. Erleichternd kommt hinzu, dass 2021 vom Senat der Startschuss der Genossenschaftsförderung gegeben wird.

Konkrete Hilfe für Genossenschaft

Der Beirat Östliche Vorstadt will sich nun mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der Stadtteil-Genossenschaft zumindest ein Teil der bisher entstandenen Planungskosten ersetzt wird. „Der Beirat würde es begrüßen, wenn der Senat hier, zumindest einen teilweisen Ausgleich der Kosten in Aussicht stellen würde“, heißt es in dem Beschluss. Der Beirat signalisierte der Stadtteil-Genossenschaft zudem Unterstützung, auf dem ehemaligen Klinikgelände einen anderen Standort für „ihr spannendes und für den Stadtteil so wichtiges Projekt“ der sozialen Durchmischung umzusetzen, so Eilers. Außerdem kündigte Gabriele Nießen vom Bauressort an, dass die Sozialbindung der Wohnungen im neuen Quartier generell erst nach 30 Jahren auslaufen soll.

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