Kritik an Vonovia – Sieben Mietparteien in Schlichthäusern brauchen noch eine neue Wohnung

Beirat fordert Lösung für Sacksdamm

Hemelingen. Massive Kritik mussten sich die Vertreterinnen des Wohnungsbaukonzerns Vonovia in der jüngsten Sitzung des Beirats Hemelingen anhören. Zum wiederholten Mal ging es um die Situation der Mieter in den Schlichtwohnungen Am Sacksdamm und der Alten Landwehr.
02.10.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von CHRISTIAN HASEMANN

Hemelingen. Massive Kritik mussten sich die Vertreterinnen des Wohnungsbaukonzerns Vonovia in der jüngsten Sitzung des Beirats Hemelingen anhören. Zum wiederholten Mal ging es um die Situation der Mieter in den Schlichtwohnungen Am Sacksdamm und der Alten Landwehr.

Den Anfang machte Beiratsmitglied Gerhard Scherer (CDU): „Mir ist das zu dürftig, was Sie hier vorgetragen haben.“ Er meinte damit die zunächst eher unkonkreten Ausführungen zur Anzahl der verbleibenden Mieter und dazu, wie viele Mieter schon in eine neue Wohnung vermittelt werden konnten. Derzeit seien es noch sieben Mietparteien, für die noch eine neue Wohnung gesucht werde, präzisierte daraufhin Nicole Waltemate von der Vonovia.

Der Druck auf die Mieter ist in den vergangenen Wochen gestiegen, denn der milliardenschwere Wohnungskonzern hat den Mietern gekündigt. Ende Februar beziehungsweise Ende Mai laufen die Mietverträge aus. Verträge, die gekündigt wurden, um „Rechtssicherheit zu schaffen“, wie Nicole Waltemate vor den Beiratsmitgliedern sagte. Damit lieferte sie eine Vorlage für eine scharfe Replik von Ralf Bohr (Grüne): „Das macht mich nachdenklich. Rechtssicherheit – das heißt ja, dass im Anschluss eine Räumungsklage droht. Sie drohen also mit Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit.“ So ein großer Konzern müsse doch die Möglichkeit haben, die Mieter unterzubringen. „Dort soll für mehr Rendite gebaut werden, da sind Sie auch als Unternehmen in der Pflicht, sich um diese Menschen zu kümmern!“

Dieser Pflicht werde man nachkommen, sagte Nicole Waltemate. „Und wir gehen davon aus, dass wir innerhalb der Kündigungsfrist etwas Adäquates finden.“ Der Konzern sei wirklich bemüht und habe Angebote gemacht, die teilweise von den Mietern nicht angenommen worden seien. Teilweise seien die Vorstellungen auch unrealistisch. „Für zwölf Mietparteien haben wir aber etwas gefunden, und zusammen mit der Gebeko (Gesellschaft für Begleitung und Kommunikation) sind wir auch an externe Anbieter wie die Gewoba und die Brebau herangetreten.“ Von Letzteren seien aber noch keine Rückmeldungen gekommen.

Für die neunköpfige Familie von Simone Helber hat der Konzern noch nichts gefunden. „Wir haben ein Angebot in Huchting bekommen, das haben wir nicht angenommen“, sagte Simone Helber. „Für mich wäre ein Neuanfang in Huchting möglich, aber für meine Kinder würde es sehr schwer werden“, sagte sie mit Verweis auf Kita, Schule und Vereine im Ortsteil, in denen die Kinder fest verankert seien. Norbert Schepers (Linke) konnte die Schwierigkeiten, etwas Passendes zu finden, nicht nachvollziehen. „Ich verstehe nicht, dass sie aus den Profiten, die sie erwirtschaften, nicht etwas ankaufen oder anmieten. Das Mindeste wären ja wohl zwei Wohnungen in einem Haus für die Familie.“

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, doch die Besitzer von leer stehenden Häusern im Stadtteil anzuschreiben. Als Idee wurden außerdem die neuen Reihenhäuser an der Hemelinger Rampe in die Diskussion gebracht. Von Bettina Benner, Pressesprecherin der Vonovia, kam das Angebot, dass diese Adressen dem Konzern genannt werden sollen. „Und wir schauen, ob das eine Lösung sein kann.“ Allerdings: Solche Vorschläge seien der Gebeko schon gemacht worden, sagte Ortsamtsleiter Jörn Hermening. Die Gesellschaft für Begleitung und Kommunikation ist vom Sozialressort damit beauftragt, zwischen Mietern und Vonovia zu vermitteln.

Dass trotz Einladung des Beirats kein Vertreter der Gebeko erschienen war, sorgte im Beirat, der sich insgesamt unzufrieden mit der Arbeit der Gesellschaft zeigte, allerdings für große Unzufriedenheit. Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD): „Es ist völlig unverständlich, dass ein Unternehmen mit hoch qualifizierten Fachkräften sich nicht für fähig hält, vor einem Beirat öffentlich zu sprechen.“ Er sprach von einer gefährlichen Intransparenz und warnte mit Verweis auf den Wahlerfolg der Alternativen für Deutschland: „So was kann der Steigbügelhalter für Leute von ganz rechts außen sein.“

Am Sacksdamm selbst möchte die Vonovia neue Wohnungen bauen. „Für alle Bevölkerungsschichten“, wie Bettina Benner betonte. Darunter auch Sozialwohnungen. Allerdings: Die Mieten könnten auch dann nicht so niedrig sein, wie die der Schlichtwohnungen, sagte Nicole Waltemate und verwies darauf, dass bei zu geringem Einkommen ergänzende Transferleistungen möglich seien. „Einige Familien werden sich nicht acht, neun oder zehn Euro Miete leisten können“, sagte Ralf Bohr. „Es kann nicht sein, dass den Menschen dann öffentliche Transferleistungen empfohlen werden für etwas, was Sie verursachen.“

Bettina Benner versprach, dass sie die Prüfung von Häusern und auch von Reihenhäusern an der Hemelinger Rampe mitnehmen werde. Sie betonte außerdem, dass sie den verbleibenden Mietern noch einmal deutlich kommuniziere, dass es die Möglichkeit zu einem Rückzug in den Sacksdamm und die Alte Landwehr gebe, wenn die Neubauten fertig seien.

In einem einstimmigen Beschluss fordert der Beirat Hemelingen am Ende der Sitzung, dass passender Ersatzraum für die Mieterinnen und Mieter in Sebaldsbrück oder in einem angrenzenden Ortsteil gefunden werden müsse und dabei Familien nicht getrennt werden dürften.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+