Am Wall bleibt zwischen Bischofsnadel und Herdentor vorerst Einbahnstraße – mindestens den Winter über Beirat Mitte befürwortet Verkehrsversuch

Altstadt·Bahnhofsvorstadt. Es begann mit einer Entschuldigung: Jens Tittmann, der Sprecher des Verkehrssenators, bat den Beirat Mitte um Entschuldigung „für die sehr verkürzte Trägerbeteiligung“. In einer öffentlichen Sondersitzung des Beirats im Haus des Verkehrssenators an der Contrescarpe ging es um die neue Verkehrsführung Am Wall.
17.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Es begann mit einer Entschuldigung: Jens Tittmann, der Sprecher des Verkehrssenators, bat den Beirat Mitte um Entschuldigung „für die sehr verkürzte Trägerbeteiligung“. In einer öffentlichen Sondersitzung des Beirats im Haus des Verkehrssenators an der Contrescarpe ging es um die neue Verkehrsführung Am Wall. Nach dem Brand bei „Harms am Wall“ war die Straße bis Montag komplett gesperrt, nun ist sie ab der Bischofsnadel in Richtung Herdentor eine Einbahnstraße. Und es gilt Tempo 30.

Nach dem Willen des Verkehrsressorts soll das so bleiben – zumindest so lange, bis die Brandruine Harms abgerissen und ein Neubau errichtet worden ist. Der Beirat Mitte befürwortet den Plan.

Allerdings bemängelten die Stadtteilpolitiker jetzt, dass sie erst so spät – nämlich nach der Einführung der Einbahnstraße – gefragt wurden. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Jens Tittmann, und er versprach, dass dieser Umgang nicht zur Regel werden soll.

Die Einführung der Einbahnstraße sei der erste Schritt, sagte Brigitte Pieper, Leiterin des Amts für Straßen und Verkehr (ASV). Allerdings werde das neue Konzept erst mal getestet. Die jetzige Verkehrsführung gilt als Verkehrsversuch. Im zweiten Schritt sollen der Aufenthaltscharakter am Wall verbessert und der Boulevardcharakter mehr hervorgehoben werden, sagte ASV-Mitarbeiter Hendrik Wübbenhorst.

Zwischen Bischofsnadel und Herdentor werden die Parkplätze vor der Ladenseite auf die Seite der Wallanlagen verlegt. Durch die Verlagerung der Parkplätze werde eine Sichtachse auf die Schaufenster frei, und die Läden und Gastronomen hätten mehr Außenfläche zur Verfügung, sagte Wübbenhorst. Zudem sollen Lieferzonen und auf Höhe der ehemaligen Harmspassage eine Querungshilfe mit abgesenktem Bordstein eingerichtet werden.

Gleichzeitig soll am Fahrbahnrand vor den Läden ein Schutzstreifen für Radfahrer aufgezeichnet werden. Zunächst in gelber Farbe, erklärte er, weil die leichter wieder zu entfernen sei, sollte sich herausstellen, dass das Konzept scheitert. Gleichzeitig bleibe der Radweg auf der Seite der Wallanlagen als alternatives Angebot an Radfahrer bestehen.

Ein Wunsch der Polizei

Von der Bischofsnadel bis zur Ostertorstraße wird der Verkehr auch in Zukunft in beide Richtungen laufen. Das sei ein Wunsch der Polizei gewesen,die in beide Richtung ausfahren müsse, sagte der ASV-Vertreter. Allerdings gelte auch auf diesem Abschnitt das neue Tempolimit, und der Fahrradschutzstreifen werde bis zur Ostertorkreuzung fortgeführt. Gleichzeitig werde die Mittelmarkierung aufgehoben, so Hendrik Wübbenhorst. Das soll Autofahrer zu mehr Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme animieren.

Einen definitiven Zeitplan für den Verkehrsversuch gibt es nicht. Sobald der Neubau anstelle der Harms-Brandruine steht, soll er beendet werden. Aber mindestens den kommenden Winter über werde er dauern, teilte Brigitte Pieper mit. Der Beirat Mitte habe schon lange eine Aufwertung des Walls angestrebt, erklärte Beiratsmitglied Viola Mull (CDU). Insofern sei der jetzige Versuch positiv zu bewerten. Sie plädierte aber dafür, den Versuch mindestens fix für ein Jahr laufen, damit die Gastronomen dadurch Erfahrungen mit der neuen Situation auch über die Sommermonate sammeln könnten.

In seinem Beschluss befürwortet der Beirat das neue Tempolimit und trägt den Versuch mit. Er stellt allerdings fest, dass es ohne Harms-Baustelle keinen Verkehrsversuch brauche. Außerdem fordern die Stadtteilpolitiker, dass die Auswirkungen der neuen Einbahnstraßenregelung auf Ausweichstraßen wie den Ostertorsteinweg, Am Dobben und Sielwall untersucht werden und fordert eine Auswertung bis Ende September nächsten Jahres.

Auswirkungen der Sperrung seien auch im Ostertor zu spüren gewesen, sagte Christian Siemer, Geschäftsmann aus dem Ostertor und Vertreter der Interessengemeinschaft „Das Viertel“. Vor allem zu Feierabendzeiten seien spürbar mehr Autos auf dem O-Weg unterwegs gewesen, der Parkdruck sei gestiegen. Auch mit der Einbahnstraße sei man nicht glücklich. Die Viertel-Geschäftsleute seien zuvor nicht gefragt worden. Geschäftsleute vom Wall waren in dieser Sitzung auch vertreten, sie meldeten sich jedoch nicht zu Wort.

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