Unterstützung für Kampagne 'Ladenschluss' Beirat Mitte setzt Zeichen gegen rechts

Altstadt. Das Ladengeschäft 'Sportsfreund' in der Faulenstraße, ein Internethandel in Hastedt, eine Kneipe in Bahnhofsnähe sind Anlaufstellen von Neonazis. Wie die rechte Szene und ihre führenden Köpfe versuchen, ihre Geschäftsstrukturen in der Stadt zu etablieren, darüber haben Experten den Beirat Mitte informiert. Das Stadtteilparlament setzt ein deutliches Zeichen gegen rechts - einstimmig unterstützen die Lokalpolitiker die Kampagne 'Ladenschluss', die die sofortige Schließung des 'Sportsfreund' und einen Runden Tisch zur Verhinderung rechtsextremer Strukturen fordert.
14.04.2010, 13:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Niels Kanning

Altstadt. Das Ladengeschäft 'Sportsfreund' in der Faulenstraße, ein Internethandel in Hastedt, eine Kneipe in Bahnhofsnähe sind Anlaufstellen von Neonazis. Wie die rechte Szene und ihre führenden Köpfe versuchen, ihre Geschäftsstrukturen in der Stadt zu etablieren, darüber haben Experten den Beirat Mitte informiert. Das Stadtteilparlament setzt ein deutliches Zeichen gegen rechts - einstimmig unterstützen die Lokalpolitiker die Kampagne 'Ladenschluss', die die sofortige Schließung des 'Sportsfreund' und einen Runden Tisch zur Verhinderung rechtsextremer Strukturen fordert.

Nach Erkenntnissen der Kampagne 'Ladenschluss', die von Mitgliedern des Stephanikreises ins Leben gerufen worden ist, macht der rechte Szeneladen 'Sportsfreund' seinen Umsatz mit Lifestyle-Markenbekleidung und Sportartikeln. Der von einem stadtbekannten Neonazi betriebene Laden habe sich als Nazi-Treffpunkt etabliert, sagen die Initiatoren der Kampagne. Es werde gezielt versucht, Übergänge zu anderen Jugendszenen zu schaffen und damit die rechte Szene zu vernetzen. So rekrutiere man zum Beispiel unpolitische Fußballfans und Hooligans für rechte Ideen.

Das Gefahrenpotenzial, das von dem Geschäft in der Faulenstraße ausgeht, wird als hoch eingeschätzt. Ines Hillmann und Pastor Friedrich Scherrer vom Stephanikreis berichteten dem Beirat Mitte über die bisherigen Aktionen gegen den 'Sportsfreund'. Inzwischen habe der Kreis es geschafft, nach zunächst vergeblichen Versuchen mit dem Immobilienhändler Michael Grothe als Vermieter des Ladens ins Gespräch zu kommen. Der Mietvertrag laufe noch zweieinhalb Jahre. Rechtlich gebe es wenig Handhabe, gegen den 'Sportsfreund' vorzugehen, weiß Ines Hillmann. Sie hofft, dass der Mietvertrag wenigstens nicht verlängert wird.

Runden Tisch gründen

Der Stephanikreis möchte gerne einen Runden Tisch etablieren, um gemeinsam zu beraten, was alles gegen die rechte Szene und ihre Strukturen getan werden kann. Die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund, die City-Initiative, die Standortgemeinschaft Stephani, die Handelskammer und Vertreter von Politik und Verwaltung sollen daran teilnehmen. Der Runde Tisch soll Handreichungen für Immobilienbesitzer erarbeiten, damit Nazis die Mietverträge nicht unter falschen Vorwand bekommen können. 'Wir haben ein Neonazi-Problem in Bremen', betonte Ines Hillmann im Beirat. 'Ladenschluss' schlägt vor, Straßenbahn mit Botschaften wie 'Schöner leben ohne Nazis' oder 'Nie wieder Faschismus' zu bekleben. Doch das koste, so Hillmann, 3500 Euro im Monat. Für die Aktion sucht der Stephanikreis Sponsoren, unter anderem soll die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) angesprochen werden. Der 8. Mai 2010 steht für eine weitere Aktion zur Debatte. Dann jährt sich zum 65. Mal der Tag der Befreiung von

der Nazi-Diktatur.

Zugang zur rechten Szene

Thomas Hafke, Leiter des Fan-Projekts Bremen, bestätigte die Bedeutung des Ladens 'Sportsfreund' als Treffpunkt für die rechte Szene. Und Andrea Müller, pädagogischer Mitarbeiter der Bildungseinrichtung Lidice-Haus und Berater von Eltern rechtsradikaler Jugendlicher, berichtete dem Ausschuss, wie Jugendliche über rechte Kleidung und Musik den leichten Zugang zur Szene bekämen. In Bremen gebe es eine ganze Reihe Bands und Plattenlabels. Zudem sei Bremen für die politische Rechte ein interessanter Stadtstaat.

Beiratssprecher Michael Rüppel bedankte sich bei dem Stephanikreis ausdrücklich 'für den langen Atem' seiner Mitglieder. Die Politik müsse sich eindeutig verhalten und Aktionen gegen rechts unterstützen.

Der Beirat Mitte fasste dann einen einstimmigen Beschluss. Darin wird die Auffassung geteilt, dass es sich bei dem Laden 'Sportsfreund' in der Faulenstraße 'nicht um ein harmloses Bekleidungsgeschäft' handele. Der Laden sei der Bremer rechten Szene zuzuordnen und nehme Funktionen 'im Rahmen einer rechtsradikalen Strategie' wahr, die darauf angelegt sei, insbesondere Jugendliche im Sinne einer rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Gesinnung zu beeinflussen.

In seinem Beschluss wendet sich der Beirat Mitte gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Das Gremium unterstützt die Forderung nach 'umgehender Schließung' des Ladens 'Sportsfreund' und befürwortet die Einrichtung eines Runden Tisches.

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