Flüchtlingsunterkunft in Blumenthal Beirat nimmt sich Bedenkzeit

120 Flüchtlinge sollen nach den Plänen der Sozialbehörde in einem ehemaligen Seniorenheim an der Kapitän-Dallmann-Straße untergebracht werden. Der Beirat hat sich jetzt zwei Wochen Bedenkzeit zu dem Projekt ausgebeten.
11.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christina Denker

120 Flüchtlinge sollen nach den Plänen der Sozialbehörde in einem ehemaligen Seniorenheim an der Kapitän-Dallmann-Straße untergebracht werden. Eine eindeutige Haltung des Beirats dazu gab es am späten Montag nicht. Weil die Polizei offenbar Unruhen befürchtete, war sie mit Einsatzkräften vor Ort. Es blieb jedoch ruhig.

Der Blumenthaler Beirat will augenscheinlich zunächst abwarten, ob etwas aus den Planungen wird, das leer stehende Gebäude als Pflegeheim mit rund 40 Arbeitsplätzen zu nutzen. So deutete es Ortsamtsleiter Peter Nowack an.

„Sie erwarten doch nicht etwa, dass wir heute eine Stellungnahme abgeben?“, fragte Alex Schupp von der SPD, als Petra Kodré von der Zentralen Fachstelle Wohnen ihren Vortrag beendet hatte. Kodré, die am Montagabend über die Pläne des Sozialressorts berichtete und nach eigenem Bekunden auf Zustimmung hoffte, muss sich also gedulden: Erst in zwei Wochen, während der nächsten Beiratssitzung, will das Stadtteilparlament endgültig Stellung beziehen.

Ohne Billigung des Beirates keine Unterkunft

Ohne Billigung des Beirats kann es in der Kapitän-Dallmann-Straße keine Flüchtlingsunterkunft geben. Aber Petra Kodré sitzt die Zeit im Nacken. Ihr Ressort müsse schnell ausreichend Platz für die zu erwartenden Flüchtlinge schaffen. Man sei in einer schwierigen Situation und brauche die Plätze jetzt und nicht später, so Kodré. Die Umbauarbeiten würden rund fünf Monate in Anspruch nehmen.

Anders als etwa in der Reepschlägerstraße: Die Baumaßnahmen zur Umwandlung des dortigen Förderzentrums in ein Übergangswohnheim belaufen sich nach Schätzungen des Ressorts auf anderthalb Jahre. Die Kapitän-Dallmann-Straße sei von der Bauweise sehr geeignet, unterstrich Kodré ein ums andere Mal. Allerdings deutete sie auch Schwierigkeiten bei den aktuellen Verhandlungen an. Der Eigentümer könne natürlich verkaufen, an wen er wolle, gab sie zu bedenken.

Der CDU-Fraktion waren die Ausführungen zu dünn: Hans-Gerd Thormeier forderte von Petra Kodré ausführliche Unterlagen auch zu alternativen Standorten für Übergangswohnheime in Blumenthal. Für seine Aussage, dass es nicht Ziel von Flüchtlingspolitik sein könne, Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen, erntete er Zwischenrufe von der Linksjugend im Publikum. Und er musste sich den Vorwurf gefallen lassen, das Vorhaben verzögern zu wollen.

Angst vor Gettoisierung

Zuschauer im Publikum gaben ihrer Sorge Ausdruck, dass das geplante Wohnheim die Gettoisierung im Stadtteil vorantreibe sowie Plänen im Weg stehen könnte, den Ortskern attraktiver zu gestalten. Der Anregung, Modulbauten zu nutzen, erteilte Kodré eine klare Absage: „Viel zu teuer.“

Eine Befürworterin des Wohnheim-Projekts in der Kapitän-Dallmann-Straße ist unter anderem die Lüssumer Quartiersmanagerin Heike Binne. Für sie ist die ehemalige Pension Horn eine „vernünftige Unterkunft“. Laut Petra Kodré wohnen die meisten Flüchtlinge, die nach Bremen kommen, in den Stadtteilen Vahr und Huchting. Die Mehrzahl von ihnen kommt aus Syrien und aus dem Kosovo. Das Land Bremen erwartet für 2015 offiziell 3000 Flüchtlinge. Das seien 120 pro Monat, so Kodré. „Schon im Januar sind 334 Erwachsene gekommen. Wenn das so weitergeht, werden wir deutlich mehr bekommen“.

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