Gründstück an der Corveystraße Beirat stimmt Flüchtlingsunterkunft für bis zu 100 Menschen zu

Die Sozialbehörde möchte an der Corveystraße eine Unterkunft für 100 Flüchtlinge schaffen. Dagegen gab es einzelne Bedenken, aber auch deutliche Unterstützung für das Vorhaben.
26.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Die Sozialbehörde möchte auf einem brachliegenden Grundstück an der Corveystraße eine Unterkunft für 100 Flüchtlinge schaffen. Aus dem Publikum gab es einzelne Bedenken gegen die Wahl des Standorts und gegen die Dimension des Projekts, aber auch deutliche Unterstützung für das Vorhaben. Der Findorffer Beirat brauchte keine lange Bedenkzeit, um den Plänen zuzustimmen. Die Beiratsmitglieder hatten bereits vor Monaten erklärt, dass auch Findorff seinen Beitrag leisten wolle.

„Solidarität zeigen!“: Mit diesem Versprechen hatten die drei Beiräte des Bremer Westens im September 2013 ihre Bereitschaft erklärt, sich der Menschen anzunehmen, die in Bremen Zuflucht suchen. Seither haben sich die Kriegs- und Krisensituationen auf der Welt keineswegs entspannt. Im vergangenen Jahr nahm Bremen rund 2200 Menschen auf, in diesem Jahr rechnet die Stadt mit einer Zahl von 3000 neuen Flüchtlingen.

In Walle und Gröpelingen hat man die Hilfsbereitschaft mittlerweile unter Beweis gestellt: Dort leben je 120 Menschen in den Unterkünften an der Nordstraße und am Schiffbauerweg. Nun können auch die Findorffer Solidarität zeigen: Die Sozialbehörde stellte dem Findorffer Beirat bei einer außerplanmäßigen und außerordentlich gut besuchten öffentlichen Sitzung erste Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft an der Corveystraße vor.

Flüchtlinge sollen dort fünf Jahre leben

Es handelt sich dabei um einen Ort, den selbst viele Findorffer vermutlich bislang übersehen haben: Das brachliegende Grundstück zwischen dem Spielplatz Corveystraße und der Bezirkssportanlage wurde früher von den Stadtgärtnern genutzt. Weil der Umweltbetrieb Bremen dafür keine Verwendung mehr hat, ist es zur Wohnbebauung freigegeben. Einen Investor und eine konkrete Bauplanung gibt es zurzeit noch nicht. Nun möchte die Sozialbehörde dort für den Zeitraum von fünf Jahren Flüchtlinge unterbringen.

Wie man sich das vorstellt, erklärte Abteilungsleiter Karl Bronke dem Findorffer Beirat und seinem Publikum im großen Saal des Jugendfreizeitheims. Entschieden sei noch nichts, denn zuvor müsse eine Machbarkeitsprüfung zeigen, ob die Pläne durchführbar sind, und Sozialdeputation und Finanzsenatorin müssen der Umsetzung zustimmen, berichtete Karl Bronke. Doch der Bedarf sei dringend: In diesem Jahr muss die Bremer Sozialbehörde zusätzliche Unterkünfte für 1500 Menschen schaffen. In Planung sind derzeit neue Standorte in den Stadtteilen Neustadt, Schwachhausen, Mitte, Huchting, Bremen-Nord und Obervieland.

Günstiger Standort

Für das Findorffer Grundstück spreche, dass es sich gut integriert am Rande eines gewachsenen Wohngebiets befinde, mit guter verkehrlicher Anbindung und nahen Einkaufsmöglichkeiten. Dort könnten nach den Plänen der Behörde Modulbauten aufgestellt werden, wie sie Ende des vergangenen Jahres unter anderem auch an der Nordstraße bezogen wurden. In zwei zweigeschossigen Modulen könnten bis zu 100 Menschen untergebracht werden. Ein eingeschossiges Modul würde als Gemeinschaftsraum fungieren. Am Eingang des Areals würde ein kleines Verwaltungs- und Bürogebäude für das Betreuungspersonal stehen, das tagsüber anwesend ist. Nachts solle ein Wachdienst für Sicherheit sorgen. Der Spielplatz selbst werde dabei nicht angefasst, betonte Bronke auf Nachfrage: Hier solle wie von der Behörde versprochen im Laufe des Jahres eine neue Kindertagesstätte bezugsfertig werden.

Um die Bewohner werde sich pädagogisches Fachpersonal kümmern, eine medizinische Sprechstunde, Sprachkurse, Kinderbetreuungsangebote und gegebenenfalls Vorklassen für die Schulkinder vorgehalten werden. Auch eine Wohnberatung wird es geben, denn Ziel sei es, dass die Menschen möglichst rasch in Wohnungen umziehen können. Wie gut all dies an vielen anderen Bremer Standorten bereits funktioniere, davon dürften sich Interessierte nach Vereinbarung gerne selbst überzeugen, schlug der Behördenvertreter mehrfach vor.

Vereinzelt Kritik

Einzelne Bürger waren nicht überzeugt: „So viele Menschen auf diesem engen Raum?“, fragte sich eine Nachbarin. Eine Andere fürchtete Belastungen während der Bauzeit. Ein Anwohner sorgte sich wegen der angespannten Parkplatzsituation. „Wenn ich die Wahl habe, fünf Minuten länger zum Auto zu laufen oder die Menschen unterzubringen, laufe ich lieber fünf Minuten“, konterte ein Bewohner aus der Holzmindener Straße. Angesichts des Leides der betroffenen Menschen sei sie „fassungslos, wie man sich darüber beschweren kann, dass große Bauteile angeliefert werden“, machte eine Findorfferin klar.

„Wir begrüßen, dass dort gebaut wird“, meldete sich ein Vertreter der katholischen Gemeinde zu Wort. „Es geht um Menschen, die Furchtbares durchgemacht haben“, verdeutlichte Beiratsmitglied Peter Reinkendorf (Grüne). Findorff sollte ein positives Signal setzen, so wie andere Stadtteile auch. Seine Beiratskollegin Gönül Bredehorst (SPD) nutzte die Gelegenheit, die Findorffer zur Veranstaltung „Bremen ist bunt!“ einzuladen. Die Kundgebung für Vielfalt und Toleranz beginnt am heutigen Montag, 26. Januar, um 17 Uhr auf dem Bremer Marktplatz.

Die Beiratsmitglieder brauchten nur eine kurze Beratungszeit, um der Behörde ihr Votum mitzuteilen. „Wir befürworten die Unterbringung von Flüchtlingen an diesem Standort“, verkündete Beiratssprecherin Heidi Locke. Der Fachausschuss Bau des Beirates werde sich bei einer öffentlichen Sitzung erneut mit dem Thema beschäftigen, sobald die Behörde mit konkreteren Details zum Bauvorhaben dienen könne.

Bislang waren im Stadtteil nur zwei kleinere Standorte in der Planung. Im Sommer dieses Jahres soll eine betreute Wohngruppe von 15 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen in einen leer stehenden Trakt der Polizeistation an der Fürther Straße einziehen. Im Oktober kündigte außerdem die Bührmann-Gruppe an, an der Hemmstraße 295 ein Appartment-Haus zu errichten, das sich mittelfristig als Flüchtlingsunterkunft nutzen ließe.

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