Beschlüsse zugunsten der Umwelt

Autofreie Sonnabende im Viertel geplant

Das Viertel, so der fraktionsübergreifende Wunsch der Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt, soll via Solaranlagen umweltfreundlicher werden. Nicht wenige treibt indes die Sorge um die Zukunft des Viertels um.
11.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Autofreie Sonnabende im Viertel geplant
Von Sigrid Schuer
Autofreie Sonnabende im Viertel geplant

Geht mit gutem Beispiel voran: Die Friedensgemeinde mit einer Bürgersolaranlage auf dem Gemeindesaal.

Karsten Klama

Wie wird das Viertel in 15 Jahren aussehen? Diese Frage bewegt wohl alle, die die bunte Vielfalt des Stadtteils zu schätzen wissen. Auf der gemeinsamen Sitzung der Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt war es zum letzten Tagesordnungspunkt ein Anwohner aus dem Peterswerder, der die Diskussion noch einmal so richtig in Schwung brachte. Denn es wurde sehr deutlich, dass die Geschäftsleute, besonders im Steintor, seine Analyse teilen.

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Zwar hat keiner der Sitzungsteilnehmer eine Glaskugel, um erkennen zu können, wohin die Reise in den kommenden 15 Jahren gehen wird. Doch laut dem besagten Anwohner, selbst Familienvater und Gewerbetreibender im Peterswerder, läuft die Entwicklung schon seit geraumer Zeit in die falsche Richtung. So bezögen immer mehr Drogendealer bereits mittags an ihren Stammstellen Posten, auch sonntags. Ein weiteres Dauerbrenner-Thema: Die offensichtlich sehr jungen Südost-Europäerinnen, die sich im Bereich der Helenenstraße prostituieren. Stefan Schafheitlin betonte, dass die Bürgerinitiative „Leben im Viertel“ schon länger auf diese fatale Entwicklung hingewiesen habe.

Opfer einer Schutzgeld-Erpressung reden ungern darüber

Und der besagte Anwohner benannte ein weiteres, heißes Eisen: Das Thema Schutzgeld-Erpressung. Helmut Kersting (Die Linke) konterte, dass der Beirat Östliche Vorstadt von diesen Gerüchten gehört habe und deswegen mit der Polizei regelmäßig in Kontakt sei. Die Gerüchte hätten sich allerdings bisher nicht erhärten lassen. Die Replik des Anwohners: Wer Opfer einer Schutzgeld-Erpressung werde, der rede ungern darüber. Seine Beobachtungen teilten übrigens viele seiner Nachbarn. Er plädierte zudem für die Einrichtung eines zentralen Bürgerbüros als Ausdruck unmittelbarer Demokratie und erntete dafür viel Zuspruch. Zwischen der kleinen, heilen Welt im Ostertor und der problematischeren im Steintor klaffe eine für alle sichtbare Lücke, betonte Anna-Rosa Dickreuter, die am Dobben das Textilfachgeschäft „Tadellos“ betreibt.

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In besagter Lücke habe man vor geraumer Zeit auch keinen Erfolg mit der Luftballon-Aktion gehabt, mit der die Geschäftsleute auf ihre „sehr dramatische“ Lage aufmerksam machen wollten. Der Gesprächsfaden sei einfach abgerissen. Die Frage sei, wer es von den Geschäftsleuten überhaupt durch die Corona-Krise schaffe, und daran schließe sich die Frage an: „Welche Nachbarn werden wir dann haben?“

Anwohner ohne echte Lobby

Anke Kozlowski (SPD) verwies auf die Kriminalstatistik, die in diesem Punkt Klarheit bringen sollte. Die vage Hoffnung von Bettina Peters, der stellvertretenden Vorsitzenden der Interessengemeinschaft „Das Viertel“, ruht darauf, dass sich nach Corona die Lage wieder beruhigen könnte. Eine Befürchtung, die außerdem geäußert wurde, dass die Anwohnerschaft keine große Lobby habe.

Laut Dickreuter, die zu den Mitinitiatorinnen der Ballon-Aktion gehörte, befürchteten die Einzelhändler im Steintor, besonders in den Nebenstraßen, abgehängt zu werden. Auf der Hand liege, dass auch das Steintor von dem neu aufgelegten Aktionsprogramm Stadtteilzentren profitieren möchte. Deswegen plädierte sie eindeutig dafür, die sechs geplanten, autofreien Sonnabende im Viertel auch auf das Steintor auszuweiten.

Jeder zweite Sonnabend autofrei

Ab dem Frühjahr soll, je nach Entwicklung der Pandemie, zunächst für ein halbes Jahr im Rahmen eines Verkehrsversuches jeder zweite Sonnabend im Monat im Viertel für den privaten Pkw-Verkehr gesperrt werden, um dort die Aufenthalts- und Flanier-Qualität zu erhöhen. Das wurde von beiden Beiräten einstimmig beschlossen. Denkbar sei eine kreative Bespielung des gesamten Viertels, beispielsweise mittels einer Schnitzeljagd. Bettina Peters ergänzte, auch die Leerstände im Viertel könnten miteinbezogen werden. Ein wichtiger Teil des Aktionsprogrammes Stadtteilzentren im Viertel ist bereits jetzt die Einbeziehung der lokalen Kultur. Marcin Dysarz, Anwohner aus der Olga-Straße, treibt indes die Sorge um, wo denn an diesen Sonnabenden geparkt werden könne. Bettina Peters verwies auf die Theater-Garage am Osterdeich. Dysarz monierte weiterhin, dass das Bewohnerparken aus seiner Sicht und der anderer Anwohner immer noch nicht gut funktioniere.

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Zu dem moderaten, ökologischen Effekt der autofreien Sonnabende passt der vom Beirat Östliche Vorstadt einstimmig positiv beschiedene Beschluss, der zuvor von allen Fraktionen des Beirates erarbeitet worden war: Demzufolge sollen bis 2023 alle geeigneten, öffentlichen Gebäude der Östlichen Vorstadt mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden, dazu zählen auch Schul- und Kita-Dächer. In Kürze will nun auch der Beirat Mitte über einen ähnlichen Beschluss befinden. Den Anstoß hatte ein Brief des BUND mit einem Hilfeersuchen an die Beiräte gegeben. Zum Hintergrund: Der Beirat Östliche Vorstadt hat, wie auch die Bremer Bürgerschaft, 2020 die Klimanotlage ausgerufen.

Bremen soll Solarcity werden

Fazit: Die Entwicklung Bremens zur Solarcity sei unverzichtbarer Teil einer Strategie zur Einhaltung der Klimaziele, so der Beirat. Er bittet den Finanzsenator bis Anfang Juni 2021 um Information, wann die für PV-geeigneten, öffentlichen Gebäude in der Östlichen Vorstadt auf ihre statische und bauliche Eignung für die Ausrüstung mit einer Solar-Anlage geprüft werden können. Finanzsenator Dietmar Strehl soll bis dahin ein Realisierungskonzept inklusive haushalterischer Planungsansätze vorlegen.

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