Anwohner, Beirat und Biergarten feiern Torfhafen-Sanierung / Espabau hat Rampe gesponsert

Beispielhaft für gedeihliche Nachbarschaft

Weidedamm. Man darf wohl behaupten, dass die Wetterlage der vergangenen Wochen hinter den Erwartungen zurückblieb. Doch wenigstens die Rasensprösslinge konnten von der Ruhe am Torfhafen profitierten.
01.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Beispielhaft für gedeihliche Nachbarschaft

Auf die gute Zusammenarbeit bei ihrem gemeinschaftlichen Torfhafen-Projekt konnten nun alle Beteiligten anstoßen. Sie wünschen sich nun, dass auch die Torfhafen-Gäste pfleglich mit der Anlage umgehen: Das heißt konkret, der Rasenfläche noch ein wenig Schonung zu gönnen und die Rampe für diejenigen frei zu halten, für die sie eigentlich gedacht ist.AVE·

Roland Scheitz

Man darf wohl behaupten, dass die Wetterlage der vergangenen Wochen hinter den Erwartungen zurückblieb. Doch wenigstens die Rasensprösslinge konnten von der Ruhe am Torfhafen profitierten. Ihre Aussaat war der letzte Schritt der bemerkenswerten Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Wochen. Zu diesem fruchtbaren gemeinschaftlichen Engagement konnten sich jetzt alle Beteiligten bei einer kleinen Einweihungsfeier gegenseitig beglückwünschen.

Im März dieses Jahres hatten Anwohner der Neukirchstraße vor dem Findorffer Ausschuss „Bau, Umwelt und Verkehr“ dafür plädiert, die im Laufe der Jahre arg malträtierte Torfhafen-Vegetation aufarbeiten zu lassen. Vom Umweltbetrieb Bremen, eigentlich zuständig für das öffentliche Grün, gab es Verständnis und die professionelle Begleitung des Vorhabens, die Finanzierung musste indes anderswo herkommen. Biergarten-Betreiber Georg Meyer sagte zu, ein Drittel der veranschlagten Kosten zu übernehmen. Das gab den Ausschlag für den Beiratsbeschluss, die übrigen 3400 Euro aus Globalmitteln in den Torfhafen zu investieren. Und es sollte schnell gehen: Schon im April begann das Gärtnerteam des Findorffer Unternehmens Grönloof, die Lücken in den Beetumrandungen mit robusten Pflanzen wie Ranunkelstrauch und Alpenjohannisbeere, Stechpalme und Wildrose zu füllen.

Den Wunsch der Findorfferinnen und Findorffer, den Torfhafen mit einer befestigten Rampe auch für nicht so mobile Gäste besser zugänglich zu machen, erfüllte schließlich das Wohnungsbauunternehmen Espabau mit einer Spende in Höhe von 3000 Euro. Einen besonderen Dank gab es von den Anwohnern an Beiratsmitglied August Kötter, der im Sinne des Projekts hinter den Kulissen Netzwerkarbeit betrieb.

Eine solch beispielhafte Zusammenarbeit von Bürgern, Beirat und Unternehmen des Stadtteils im Interesse aller sei alles andere als selbstverständlich, lobte Beiratsmitglied Ulf Jacob. Und Ortsamtsleiterin Ulrike Pala freute sich bei der kleinen Einweihungsfeier besonders darüber, dass ein ursprünglicher Konfliktfall einen solch erfreulichen Ausgang gefunden hat.

Denn vor nicht allzu langer Zeit waren sich Anwohner und Biergarten ja noch gar nicht so grün. Die Idee, den Torfhafen mit einer Seebühne zu beleben, die während einer Sitzung des Forums „Leben und Einkaufen in Findorff“ in den Raum gestellt wurde, ließ in der Neukirchstraße schließlich die Geduldsfäden reißen: Belebung hätten die Anwohner bereits mehr als genug, und deutlich über das zumutbare Maß hinaus, so die Reaktion. Ein gutes Dutzend der Nachbarn formierte sich im Herbst des vergangenen Jahres zur „Anwohnerinitiative Torfhafen“ – und fand im Biergartenbetreiber statt eines Opponenten ein gesprächsbereites und verständnisvolles Gegenüber.

Die Antragsteller wollten aber nicht nur fordern. Sie haben sich über einen Gestattungsvertrag mit dem Umweltbetrieb verpflichtet, aktiv zur Pflege der Anlage beizutragen – und das bereits in die Tat umgesetzt, wie Anwohnerin Ursula Helmin berichtete: Die Nachbarn befreiten die Beete von insgesamt 70 prallen Säcken alten Laubs und sind regelmäßig mit Gießkannen unterwegs, damit die jungen Sträucher gut anwachsen können. Außerdem haben sie den Bereich der neuen Rampe in Eigenregie bepflanzt und wollen im Herbst Blumenzwiebeln setzen, damit es im kommenden Frühjahr unter den Sträuchern bunter wird, erzählte Ursula Helmin.

Aber auch die Nachbarschaft selbst habe von der Aufregung der vergangenen Jahre eindeutig profitiert, berichtete Ursula Helmin, die schon seit 1984 an der Neukirchstraße zu Hause ist – und damit mehr als 20 Jahre länger als der Biergarten. „Wir haben jetzt Kontakt zu Menschen , die wir vorher gar nicht kannten“, erzählt sie. Mittlerweile kann das gewachsene Gemeinschaftsgefühl sogar nach außen getragen werden: Künstler Reiner Will hat als Geschenk an seine Nachbarn ein Logo gestaltet, das bereits stolz auf T-Shirts präsentiert wird.

Nun wünschen sich die Initiatoren vor allem, dass auch die Torfhafen-Gäste rücksichtsvoll mit der neuen Anlage umgehen. In den kommenden Wochen sollten die Gäste die Rasenfläche schonen, damit das Gras Kraft sammeln kann. Außerdem bitten sie darum, die Rampe nicht als Fahrradparkplatz umzufunktionieren, damit Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen tatsächlich barrierefreies Durchkommen haben.

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