50 Jahre Uni Bremen

Ein Freund der Gletscher

Der Klimageoraph Ben Marzeion erforscht vor allem Zukunftsmodelle für Gletscher. Wie er zu seinem Beruf kam.
11.01.2021, 20:02
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Ein Freund der Gletscher
Von Patricia Friedek

Klimaforscher in dieser Zeit zu sein hat manchmal etwas von einem Arzt, der es tagtäglich mit todkranken Menschen zu tun hat. So zumindest vergleicht es Ben Marzeion, der Klimageograph an der Universität Bremen ist. Und wenn er von seinem Beruf erzählt, klingt es in der Tat an manchen Stellen so: „Ich bin ein optimistischer Mensch. Auch wenn ich mich bei der Arbeit oft mit Dingen beschäftigen muss, die nicht so erfreulich sind – eine professionelle Distanz ist immer gesund.“ Mit nicht so erfreulichen Dingen meint Marzeion vor allem die Momente, in denen er seine Forschungsergebnisse mit dem Verhalten der Menschen abgleicht und sieht, wie die Erderwärmung immer weiter voranschreitet.

Der 43-Jährige hat seinen Schwerpunkt in der Glaziologie gefunden, also in der Erforschung von Gletschern. „Wenn ich an das Ende meiner Schulzeit denke, wollte ich erst etwas mit Physik machen“, sagt er. Aber schon bald habe er gemerkt, dass ihm dieses Feld zu weit von dem entfernt ist, was man anfassen kann. Er habe schon immer eine enge Beziehung zum Meer gehabt; vor allem durch seinen Vater, der sich viel mit Schiffen beschäftigt hat. Später erwarb Marzeion seinen Doktortitel mit Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Ozeanographie in Norwegen – bald darauf wurde ein Klimamodellierer in Innsbruck gesucht. „Ich behaupte bis heute, dass ich der einzige Ozeanograph Österreichs war“, sagt er.

Seit 2015 ist Marzeion Professor am Institut für Geographie und arbeitet für das Marum, das Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten. Auch privat versucht der Wissenschaftler nach eigenen Angaben, möglichst klimafreundlich zu handeln. Er nutze zur Versorgung seines Hauses Solarenergie und zahle Kohlendioxid-Kompensationen für sich und seine Familie. Dass er als Wissenschaftler zu viel fliege, wisse er.

Als Weltverbesserer sieht er sich daher auf keinen Fall: „Ich möchte den Menschen bewusst machen, welche Verantwortung wir gegenüber der Erde tragen.“

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