Peter Dahm und Freunde, Vladi Wostock, Bukuria, Jehad Jazbeh und Amer Dahbar spielen bei Migrantinnentagen

Benefizkonzert für Flüchtlingskinder

Ostertor. Ein Höhepunkt der 17. Migrantinnentage gegen Ausgrenzung, die das Kulturzentrum Lagerhaus Schildstraße gemeinsam mit Partnern ausrichtet, steht unmittelbar bevor: Am Nikolaustag, 6.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Britta Kluth
Benefizkonzert für Flüchtlingskinder

„Ich freue mich, dass ich mit meiner Musik helfen kann“, sagt Peter Dahm. Ein Austausch der Kulturen sei für ihn als Musiker ohnehin wichtig.

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Ein Höhepunkt der 17. Migrantinnentage gegen Ausgrenzung, die das Kulturzentrum Lagerhaus Schildstraße gemeinsam mit Partnern ausrichtet, steht unmittelbar bevor: Am Nikolaustag, 6. Dezember, gibt es um 18 Uhr ein Benefizkonzert im Saal. „Wir konnten ganz unterschiedliche Musiker und Gruppen für die Veranstaltung gewinnen“, freut sich Recai Aytas vom Migrationsbüro des Lagerhauses. „Auf unsere Anfrage hin haben sich alle sofort bereit erklärt mitzumachen.“

Peter Dahm und Freunde, Vladi Wostock, das Quintett Bukuria und das syrische Duo Jehad Jazbeh und Amer Dahbar wollen mit Musik ein Zeichen setzen – und obendrein natürlich das Publikum mit ihrem Programm begeistern. Osman Engin hat einige Exemplare seiner Bücher beigesteuert, die während des Konzertes verkauft werden, und DJane Gülbahar Kültür 40 CDs. Alle Einnahmen sind für Kinder aus Übergangsheimen bestimmt. Auf dem Wunschzettel stehen wintertaugliche Sachen wie Mützen, Handschuhe und Schals.

„Ich freue mich, dass ich mit meiner Musik helfen kann“, sagt Peter Dahm. Ein Austausch der Kulturen sei für ihn als Musiker ohnehin wichtig. So arbeitet er zum Beispiel viel mit türkischen Kollegen zusammen und hat von Reisen schon viele Anregungen für eigene Kompositionen mitgebracht. Vor Kurzem hat der Hastedter gemeinsam mit Erdal Akkaya ein Konzert in Istanbul gegeben – nicht sein erstes in der Türkei. Im Lagerhaus spielen er, der Kontrabassist Ralf Stahn und ein paar „Bremer Saxen“ eine Mischung aus Weltmusik und Jazz, darunter Kompositionen aus Südafrika und der Türkei.

Einen Stilmix aus „Russenpower und Surfrock und „einer tanzbaren Mischung aus Pulp Fiction und Polka, Country und Gypsy“ verspricht das in Bremen beheimate Quartett Vladi Wostok. Seit zweieinhalb Jahren spielen der Sänger Vladislaw Mamedov, Tima Blues Junior alias Timo Schrader an der Gitarre, Moritz Zopf genannt Boris Bumkapov am Bass und Schlagzeuger Al Capitano alias Alex Möckel zusammen. Gründungsmitglied Vladislaw Mamedov kommt aus Nordossetien im Kaukasus und lebt seit sieben Jahren in Bremen. „Irgendwie haben wir aber alle eine Verbindung zu Russland“, sagt der Findorffer. Was die Musik von Vladi Wostok besonders mache, seien auch die kleinen Geschichten, die er auf der Bühne erzähle. Im nächsten Frühjahr erscheint bereits die dritte CD der Band, auf der hauptsächlich eigene Stücke versammelt sind.

Vom Kaukasus in den Balkan geht es mit Bukuria. Die zwei albanischen Muttersprachler des Quintetts geben den Ton an, denn gesungen wird größtenteils in ihrer Landessprache. „Zu unserem Repertoire gehört traditionelle Folklore aus Mazedonien, Albanien, Rumänien, Griechenland und der Türkei, darunter Hochzeits- und Liebeslieder sowie eigene Kompositionen“, erzählt Elke Rausch, die gemeinsam mit Besa Dervishi, deren Geigenschülerin sie war, und Susanne Meier die Gruppe 2007 gegründet hat. Die zwei weiteren Mitglieder Ibrahim Gunbardhi und Otto Meyer fanden sich schnell im Freundeskreis. Bestimmt wird die Musik durch Tapan und Rahmentrommel, die den Rhythmus vorgeben. Daneben kommen Violine, Klarinette, Darbukka und Akkordeon zum Einsatz.

Mit Jehad Jazbeh (Violine) aus Aleppo und Amer Dahbar (Percussion) aus Damaskus geht die Reise weiter nach Syrien. Einigen dürfte das Duo bereits bekannt sein: Beide sind Mitglied im Camellia Syrian Ensemble, das mit ihrem Programm aus traditioneller und zeitgenössischer Musik des Nahen Ostens und arabischen Raums schon viele Anhänger hat. Vor ihrer Flucht 2013 haben die klassisch ausgebildeten Musiker im syrischen philharmonischen Orchester in Damaskus zusammengearbeitet. Jetzt leben beide in Bremen und wirken in verschiedenen Projekten mit.

Noch bis zum 19. Dezember laufen Veranstaltungen unter dem Motto „Asyl ist Menschenrecht! Refugees welcome!“, darunter Lesungen, Konzerte, Diskussionen und eine Fotoausstellung. Am Mittwoch, 16. Dezember, stellt sich um 18 Uhr der Guineische Verein für Integration und Bildung und Deutschland vor, der sich seit dem Sommer regelmäßig trifft. „Der Verein wurde im Juli von engagierten, jungen Menschen aus Guinea Conakry gegründet unter anderem mit dem Ziel, ihre Landleute zu unterstützen“, berichtet Eusevia Torrico vom Migrationsbereich des Kulturzentrums Lagerhaus. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Recai Aytas hat sie die Migrantinnentage organisiert.

Erinnern möchten die beiden noch mal an die Versteigerung der zwei Wandteppichen aus dem Patchwork-Projekt „Willkommen in Bremen“, das die Künstlerin Margarita Escribano angeleitet hat (wir berichteten). Wer eines der beiden Unikate erwerben möchte, hat dazu bis Mittwoch, 20. Dezember, Gelegenheit. Um 12 Uhr schließt die Auktion am letzten Tag. Die farbenfrohen Wandteppiche sind von den Bewohnerinnen und Bewohnern zweier Übergangswohnheime in Arbergen und Hulsberg (Klinikum Mitte) gefertigt worden, denen der Erlös der Auktion zukommen soll.

Migrantinnentage: Das Benefizkonzert ist am Sonntag, 6. Dezember, um 18 Uhr im Saal des Kulturzentrums Lagerhaus, Schildstraße 12-19. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt fünf. Abendkasse und Einlass ab 17.30 Uhr. Reservierung möglich unter Telefon 701000 20. Das komplette Programm der Migrantinnentage sowie die Versteigerung der Wandteppiche findet man auf www.migration-bremen.de.

Bukaria: Die zwei albanischen Muttersprachler des Quintetts geben den Ton an.

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