Alte Fotos erzählen: Erste Autofahrer in Bremen-Nord nicht sehr beliebt Benzin gab's beim Apotheker

Die Anschaffung eines Autos war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Zeitungsmeldung wert. Der Autoverkehr ersetzte damals nur langsam das bisherige Hauptverkehrsmittel, die Kutsche. Ein Rückblick in eine Zeit, in der es Benzin nur in der Apotheke zu kaufen gab.
09.03.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulf Fiedler

Die Anschaffung eines Autos war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Zeitungsmeldung wert. Der Autoverkehr ersetzte damals nur langsam das bisherige Hauptverkehrsmittel, die Kutsche. Ein Rückblick in eine Zeit, in der es Benzin nur in der Apotheke zu kaufen gab.

Bremen-Nord. Um von Blumenthal nach Vegesack zu gelangen, benutzten die Bewohner im ausgehenden 19. Jahrhundert überwiegend die Raddampfer des Norddeutschen Lloyd "Forelle", "Lachs? und "Hecht? sowie die kleineren Schraubendampfer "Gazelle" und "Libelle".

Eine andere Situation schuf der Vegesacker Markt. Dieser entwickelte eine derart weite Ausstrahlung in die nördliche Region, dass Friedrich Stellmann in einem eleganten Landauer die Fahrgäste im Dauerbetrieb für jeweils einen Groschen zwischen Blumenthal und Vegesack hin und her kutschierte. Das war offensichtlich ein lohnendes Geschäft. Etwa um 1907 betrieb Stellmann einen Omnibusbetrieb zwischen Ständer (heute Bahnhof Blumenthal) und Vegesack. Stellmanns älterer Konkurrent war der Fuhrunternehmer Pestrup. Der bediente einen Linienbetrieb zwischen Rönnebeck, Blumenthal und Vegesack - allerdings mit einem Pferdegespann und einem Holzwagen.

Allmählich entwickelte sich der private Autoverkehr. Einer der ersten Automobilisten dürfte der Ziegeleibesitzer Tobias gewesen sein. Durch den Bau der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) war er mit der massenhaften Produktion von Ziegelsteinen wohlhabend geworden. Sein Fahrzeug fuhr nicht schneller als 25 Stundenkilometer. Eine Geschwindigkeit, die aus ärztlicher Sicht damals gerade noch im Toleranzbereich lag. Da war es beinahe ein weiser Zufall, dass es Benzin nur in der Apotheke zu kaufen gab. Berichten aus der damaligen Zeit zufolge, hatten die Fuhrleute Walker und Wichmann alle Mühe, ihre Pferdegespanne zu halten, wenn Tobias in seinem offenen Viersitzer vorbeipreschte.

Autokauf in Zeitung

Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte auch das Führungspersonal der Bremer Woll-Kämmerei Kraftfahrzeuge benutzt haben. Einen indirekten Beweis lieferte der Kutscher von Sanitätsrat Dr. Vogel. Er kündigte und wollte nicht länger Kutscher, sondern "Chauffeur" bei der BWK sein.

Noch 1912 war die Anschaffung eines Automobils durch Hermann Rust und Diedrich Christoffers eine Zeitungsmeldung wert: "Die Norddeutsche Volkszeitung" meldete: "Das Auto findet allseitige Bewunderung wegen seiner eleganten Bauart und seiner inneren Ausstattung. Es ist mit einem wetterschützenden Lederverdeck versehen, das bei gutem Wetter herunter gelassen werden kann."

Christian Hoppe besaß 1910 einen mehrsitzigen Personenwagen, mit dem er Gäste vom Vegesacker Bahnhof abholte. Anfang der 1920er Jahre bediente die Bremer Vorortbahn-Gesellschaft (BVG) probeweise einen Pendelverkehr zwischen dem Gasthof Moll an der Fähre Blumenthal-Motzen, um Gäste zum Vegesacker Markt zu bringen. Auch nach Beendigung des Marktes wurde der Busbetrieb so lebhaft angenommen, dass man ihn sporadisch aufrechterhielt. Ein regelmäßiger Liniendienst der BVG zwischen Blumenthal und Vegesack setzte ab Mai 1925 ein.

Mindestens seit 1854 trat der Blumenthaler Krug am Ortseingang (heute Bahnhof Blumenthal) wegen seiner günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Straßen als Königlich-Hannoversche Poststation in Erscheinung. Von hier wurde sowohl für Briefe als auch für Pakete und Personenbeförderung nach Meyenburg, Schwanewede und Uthlede ein täglicher Linienverkehr bedient. Eine zweispännige Postkutsche reichte dafür aus.

1899 beantragte die Oberpostdirektion beim Blumenthaler Gemeinderat, ein Postgebäude an der Langen Straße (gegenüber dem Rathaus) bauen zu lassen. Die Gemeinde ließ für 40000 Mark das neugotische Postgebäude errichten und vermietete es der Kaiserlichen Reichspost.

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