Dreimaster soll leergepumpt werden

Bergung der „Seute Deern“ in Bremerhaven hat begonnen

Die „Seute Deern“ gilt als Wahrzeichen von Bremerhaven. Doch seit Ende August liegt das Schiff auf dem Hafengrund. Nun soll die Bergung des Holzseglers anlaufen.
07.09.2019, 13:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Simon Wilke und Helen Hoffmann
Bergung der „Seute Deern“ in Bremerhaven hat begonnen

Die Vorbereitungen für die Bergung des in Bremerhaven gesunkenen Museumsschiffs "Seute Deern" kommen voran.

Carmen Jaspersen/dpa

Die Vorbereitungen für die Bergung des in Bremerhaven gesunkenen Museumsschiffs "Seute Deern" kommen voran. Am kommenden Montag soll ein Kran von einer schwimmenden Plattform aus tonnenschwere Rahen – das sind Stangen am Mast – abnehmen. "Ziel ist, so viel Gewicht wie möglich aus dem Mastenbereich des Schiffs zu nehmen", sagte Lars Kröger vom Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM).

So soll verhindert werden, dass das Schiff während der Bergung kentert. "Wenn sich das Schiff aus dem Untergrund löst und aufschwimmt, ist es für kurze Zeit schwer kontrollierbar", erklärte Kröger. Das Entfernen der Rahen werde voraussichtlich mehrere Tage dauern, sagte der DSM-Projektleiter für die Sanierung des Schiffs. Sobald das Gewicht aus dem Mastenbereich abtransportiert ist, sollen Taucher Taue aus Stahlseil zum Schiffsrumpf bringen. Dann soll der Rumpf mit luftgefüllten Hebesäcken gehoben werden. Nach dem Plan des Bergungsunternehmens sind ab Montag weitere 15 Arbeitstage zur Bergung nötig.

"Das Interesse ist immens"

Das Areal um das denkmalgeschützte "Süße Mädchen", so der aus dem Plattdeutschen übersetzte Name des Schiffs, ist weiträumig abgesperrt. "Das Interesse der Bevölkerung ist immens", sagte Kröger.

Bereits am vergangenen Donnerstag fuhren Studierende des Studiengangs Maritime Technologien der Hochschule Bremerhaven den gesunkenen Segler mit einem Unterwasserroboter ab. Eine Kamera filmte währenddessen den Rumpf des Schiffes. So sollte das Ausmaß des entstandenen Schadens sichtbar werden. „Wir können so erfahren, in welchem Zustand sich das Schiff unterhalb der Wasserlinie befindet, da vor allem zum jetzigen Zeitpunkt auf den Einsatz von Tauchern verzichtet werden muss“, sagte Lars Kröger.

Den Unterwasserroboter steuerten die Studierenden per Game Controller, wie bei einer Spielekonsole. Acht Motoren halfen dem Roboter dabei, durch das Becken des Alten Hafens zu manövrieren. Und so lieferte die hochauflösende Kamera die erhofften Bilder auf die Monitore der Hochschüler. Eine Auswertung soll nun folgen. „Es steht erst einmal Datensammeln auf dem Programm“, sagte Kröger im Anschluss an den Tauchgang. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen ausgewertet werden und bei der Planung des weiteren Vorgehens helfen. Erfahrungswerte für solche Arbeiten gebe es kaum, so Kröger. "Es gibt in Europa noch fünf vergleichbare Schiffe in dieser Größe mit einem Holzrumpf. Sie sind aber schon seit Jahrzehnten in einem Trockendock."

Rumpf von Algen, Seepocken und Muscheln bedeckt

Das Bremerhavener Museumsschiff war am Abend des 30. August im Hafenbecken gesunken, nachdem Wasserpumpen im Rumpf des Dreimasters ausgefallen waren. Seitdem liegt das Schiff in 1,50 Meter Tiefe im Schlick. Weil es außerdem in Schieflage geriet, war eine Begehung des Schiffes nicht möglich. Und nun drängt die Zeit. Mit dem zunehmend herbstlichen Wetter, drohen Stürme dem Dreimaster weiteren Schaden zuzufügen. Der Einsatz des Tauchroboters soll deshalb „ein Stück mehr Planungssicherheit in Bezug auf die Bergung und Sicherung“ des Seglers schaffen, sagte Kröger.

Und wenn die Ergebnisse des Tauchgangs keine größeren Schwierigkeiten aufdecken, steht der Plan für die Bergung des Segelschiffes. „Der Rumpf soll mit 40 Hebekissen so weit stabilisiert werden, dass das Schiff leergepumpt werden kann“, erklärt Hans-Joachim Möller, der das Projekt als Gutachter steuert. Um das möglich zu machen muss allerdings noch viel passieren, und das braucht Platz. Deshalb wird am kommenden Montag die „Seefalke“, ebenfalls ein Museumsschiff im Alten Hafen, umgeparkt. Sie macht Platz für einen schwimmenden Kran und weiteres Arbeitsgerät. Erst dann kann damit begonnen werden, Mastteile und die sogenannten Rahen abzubauen, die nötig sind, um die Segel in den Wind zu stellen. Das soll der „Seute Deern“ mehr Stabilität verleihen. Dazu kommt weitere Unterstützung von Land. Derzeit werden rings um die „Seute Deern“ Container platziert, von denen aus das Schiff mit Leinen in Position gehalten wird.

Doch schon vor der Havarie des Dreimasters, war die „Seute Deern“ ein Sanierungsobjekt. Der Rumpf war von Algen, Seepocken und Muscheln bedeckt. Durch kleine Spalten in der Holzwand des 100 Jahre alten Seglers drang Wasser ein, das unaufhörlich abgepumpt werden musste. Im Mai waren 1,4 Millionen Euro von Bund, Land und Stadt genehmigt worden, um eine umfassende Sanierung dieser Zustände zu planen. Zu den bisher geschätzten Gesamtausgaben von 32 Millionen Euro, werden nun noch 1,1 Millionen Euro Bergungskosten hinkommen.

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+++Dieser Text wurde um 14.34 Uhr aktualisiert+++

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