Gewinner ohne deutschen Filmverleih Berlinale-Filme sind in Bremen nicht zu sehen

Bremen. Die 63. Berlinale ist vorbei, die Sieger stehen fest. Die Gewinner des bedeutendsten deutschen Filmwettbewerbs kommen hauptsächlich aus Osteuropa. Ob diese auch in Bremer Kinos zu sehen sein werden, halten Kinoexperten für fraglich.
18.02.2013, 05:00
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Berlinale-Filme sind in Bremen nicht zu sehen
Von Max Polonyi

Bremen. Die 63. Berlinale ist vorbei, die Sieger stehen fest. Vorbei die Zeit, an denen Hollywoodstars über die roten Teppiche vor den insgesamt 22 Spielstätten in der Hauptstadt flanierten. Bei der Preisverleihung am Sonnabend waren es aber nicht die großen Namen, die einen Silbernen oder Goldenen Bären mit nach Hause nehmen durften. Die Gewinner des bedeutendsten deutschen Filmwettbewerbs kommen in diesem Jahr hauptsächlich aus Osteuropa. Ob diese auch in Bremer Kinos zu sehen sein werden, halten Kinoexperten für fraglich.

"Die Berlinale ist kein Wettbewerb, bei dem Filme für den großen Markt ausgezeichnet werden", weiß Marc Sifrin, Kinoblogger und WESER–KURIER-Filmexperte. "Bei der Preisverleihung stehen traditionell die kleinen Produktionen mit geringerem Budget im Mittelpunkt."

In diesem Jahr ging der Goldene Bär an "Die Stellung des Kindes" vom rumänischen Regisseur Calin Peter Netzer. Das Drama erzählt die Geschichte der komplizierten Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn in einer korrupten Gesellschaft. Es ist das erste Mal, dass der Hauptpreis der Berlinale nach Rumänien geht, doch auch in anderen, bedeutenden Preiskategorien setzten sich 2013 die Teilnehmer aus Osteuropa durch. So kommt der beste Schauspieler in diesem Jahr aus Bosnien-Herzegowina, der Bär für die beste Kameraführung ging nach Kasachstan.

"Gerade bei der Auszeichnung für den besten Darsteller geht es darum, ob der Schauspieler seine Rolle authentisch spielt und sie dem Publikum glaubhaft vermittel", sagt Sifrin. Im Fall von Nazif Mujic, der den begehrten Preis erhielt, sei das der Fall gewesen. Denn der Roma spielt in dem Film "Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers" sich selbst. Die Geschichte des Films handelt von realen Erlebnisse aus seiner eigenen Vergangenheit. "Bei der Berlinale wird eben nicht Robert de Niro zum 20. Mal für eine tolle Leistung ausgezeichnet, das macht den Charakter der Veranstaltung aus", so Marc Sifrin.

Das gerade die Osteuropäer die großen Gewinner des 63. Wettbewerbs sind, ist laut Thomas Settje, Leiter des Programmkinos "Cinema" am Ostertor, auf den dort wachsenden Filmmarkt zurückzuführen. "Es gab immer schon wunderbares Kino aus dem Osten", so Settje, "durch den Wegfall der Grenzen in Europa, wird es jetzt auch im Westen verstärkt wahrgenommen." Und das komme gerade den kleineren Programmkinos sehr entgegen.

Dennoch könnten die Gewinnerfilme der Berlinale es trotz Auszeichnung in deutschen Kinos schwer haben, sagt Thomas Settje: "Die ausgezeichneten Werke sind sicher keine Massenproduktionen, mit denen sich viel Geld verdienen lässt." Um den besten Film der Berlinale "Die Stellung des Kindes" zum Beispiel in Bremen zeigen zu können, müsse zunächst ein deutscher Verleih gefunden werden. "Und ob das überhaupt passiert, ist fraglich", meint Settje.

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