Musikclubs als Kulturorte

„Ein längst überfälliges Signal“

Die Betreiberin des Clubs Gretchen in Kreuzberg und Vorstandsvorsitzende der Berliner Clubcommission, Pamela Schobeß, erklärt im Interview, warum es wichtig ist, Musikclubs als Kulturorte einzustufen.
07.05.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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„Ein längst überfälliges Signal“
Von Pascal Faltermann
„Ein längst überfälliges Signal“

Pamela Schobeß ist Club-Betreiberin und Vorstandsvorsitzende der Berliner Clubcommission.

Jens Kalaene / dpa
Es sieht es gut aus, dass an diesem Freitag der Bundestag Musikclubs als Kulturorte einstuft. Warum ist das so wichtig?

Pamela Schobeß: Dabei geht es um verschiedene Dinge. Mit der baurechtlichen Anerkennung von Musikclubs als Kulturorte werden diese künftig nicht mehr mit Spielhallen, Wettbüros, Sex-Kinos und Bordellen als Vergnügungsstätten eingestuft. Clubs sind wirtschaftlich arbeitende Betriebe, aber das machen sie, um ein kulturelles Programm zu bieten. Sie werden dann nicht mehr verunglimpft.

Berlin war Vorreiter. In der Hauptstadt gelten Clubs bereits als Kulturstätten und sind damit Theatern gleichgestellt. Ist der Schritt auf Bundesebene überfällig gewesen?

Der Bundestag sendet mit der Entscheidung ein starkes und längst überfälliges Signal in die Republik. Wenn es umgesetzt wird, begünstigt das auch Neugründungen von Musikclubs. Sie sind schließlich kulturelle Einrichtungen, die als integraler Bestandteil des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens die Identität von Stadtteilen prägen. Nun soll ein veraltetes Gesetz an die Realität angepasst werden. Das hilft, um Städte und Quartiere lebendig und lebenswert zu erhalten und kulturelle Orte vor Verdrängung zu schützen.

In Bremen liegt seit vergangenem September ein gleichlautender Antrag vor. Wie bewerten Sie diesen?

Das ist eine super Sache. Es war wichtig, dass die Länder vorneweg gehen und damit auch Druck auf den Bund ausrichten. Es ist wichtig, die Clubkultur gegen die Verdichtung und die Verdrängung in der Stadt zu stärken.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Bislang war es so, dass Betreiber beispielsweise für den Schallschutz sorgen mussten, wenn neben einem Club Wohnungen gebaut werden und neue Nachbarn wegen Lärm klagen. Das Agent of Change-Prinzip besagt, dass die Initiatoren von Bauprojekten künftig dazu verpflichtet sind dafür zu sorgen, dass die von ihnen umgesetzten Häuser nicht durch existierende Spielstätten, Clubs oder Kneipen gestört werden.

Die Fragen stellte Pascal Faltermann.

Info

Zur Person

Pamela Schobeß (47), ist Betreiberin des Clubs Gretchen in Kreuzberg und Vorstandsvorsitzende der Berliner Clubcommission. Zudem ist sie politische Sprecherin der Live Musik Kommission (Livekomm). Sie ist in Eschwege in Nordhessen aufgewachsen und lebt seit 1993 in Berlin.

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