Bremer Philosph stellt sein Buch morgen vor Bernd Oei schreibt über Joseph Roth

Einige kennen Bernd Oei als Solarberater, andere als Leiter des Philosphiesalons an der Stader Straße. Morgen stellt sich der Bremer in der Zentralbibliothek als Joseph-Roth-Biograf vor.
09.01.2012, 05:00
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Von Sabine Grulke

Einige kennen Bernd Oei als Solarberater, andere als Leiter des Philosphiesalons an der Stader Straße. Morgen stellt sich der Bremer in der Zentralbibliothek als Joseph-Roth-Biograf vor.

Altstadt·Östliche Vorstadt. "Auch Roth ist ein Grenzgänger, sowohl geografisch als auch politisch und religiös", sagt der Bremer Philosoph Bernd Oei. Sein neues Buch "Joseph Roth: Der verbrannte Himmel" ist das fünfte Buch in einer Reihe über "Grenzgänger zwischen Philosophie und Literatur", die von Oei im Lit-Verlag erscheinen. Morgen, am Dienstag, 10. Januar, stellt er um 18.30 Uhr in der Krimibibliothek der Stadtbibliothek am Wall das Werk vor.

Bernd Oei lebt seit 16 Jahren in Bremen und leitet den Philosophiesalon an der Stader Straße. Studiert hat er hier und in Bordeaux in Frankreich Philosophie, Romanistik und Geschichte. 1994 hat er mit einem Magistertitel abgeschlossen. Seitdem ist er freischaffender Dozent mit dem Schwerpunkt Philosophie in der Erwachsenenbildung. Ästhetik, Phänomenologie und vergleichende Mythologie sind seine Schwerpunkte.

Oei schreibt keine Biografien, sondern Monografien. Darin betrachtet er "das Werk von Autoren, die von Philosophen zitiert werden", wie er sagt, und zwar aus dem Zeitraum Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, der sogenannten Moderne. In seinem Grenzgänger-Projekt hat er bereits Bücher über Albert Camus, Gustave Flaubert, Rainer Maria Rilke und Friedrich Hölderlin veröffentlicht.

Am meisten beeindruckt in seinem Leben hat den 1966 im Frankenland geborenen Oei aber Friedrich Nietzsche, den er schon im Alter von 16 Jahren zu lesen begann: "Das war zwar eindeutig zu früh", sagt er heute, aber: "Es gibt nichts Höheres als Nietzsche. Da fühle ich mich zu Hause." Allein vier Bücher hat er über ihn geschrieben, für die er 16 Jahre geforscht hat. 1200 Seiten umfasst seine Nietzsche-Rezeption unter Literaten und Philosophen im deutschen und französischen Sprachraum.

Jetzt aber hat er Joseph Roth eine Schrift gewidmet, in der er auf dessen Werk mit eigenen Worten eingeht: "Der verbrannte Himmel" lautet der Titel in Anspielung auf Roths Roman "Hiob", in dem dieser "während einer Krisen- und Wendezeit Gott am liebsten verbrennen möchte", erläutert Bernd Oei.

"Metaphysik des Zweifels" heißt es im Untertitel, denn Roths Weg führt ihn über den Zweifel zurück zum Glauben. Oei geht in seinem Buch auf den sehr gläubigen österreichischen Schriftsteller und Journalisten Joseph Roth ein, der 1894 in Österreich-Ungarn, nahe der russischen Grenze, geboren wurde und 1939 in Paris starb. Roth war unter anderem Feuilleton-Korrespondent der Frankfurter Zeitung. Er erlebte den Untergang der k.u.k.-Monarchie, schwankte zwischen der jüdischen Kultur, in die er hineingeboren war, und dem Katholizismus.

Oeis Monografie interpretiert Roths Romane als Werke eines Repräsentanten der k.u.k.-Monarchie. Vorstellen wird er bei seiner Lesung unter anderem Roths Roman "Radetzkymarsch" aus dem Jahr 1932. Er widmet sich daneben dessen Essays in der Frankfurter Zeitung. Roths Themen waren die Auseinandersetzung mit dem Zerfall von Tradition, die Zunahme von Gewalt, das Umschlagen von Sozialutopie in reaktionäre Totalität sowie Ästhetik als Protestmittel gegen Politik. "Verlorene Heimat, verlorener Glaube und die verzweifelte Suche nach einem Neuanfang, der sich dem Untergang entgegenstemmt", sind Schlagwörter, die das Thema beschreiben.

Bernd Oei vertieft seine Analysen durch Vergleiche mit etlichen anderen Autoren, darunter Arthur Schnitzler und Sigmund Freud. "Was steckt also zeitgenössisch an epochalem Hintergrund in diesem Werk?", hat er sich gefragt. Das ist auch die Kernfrage, die ihn dazu trieb, sich mit anderen Autoren aus dem deutsch-österreichischen, französischen und russischen Sprachraum zu beschäftigten. Geplant hat er weitere Bücher über Fjodor Dostojewski und Leo Tolstoi, russische Autoren, die international gewirkt haben.

Eine weitere Monografie über einen Grenzgänger, in diesem Fall über Franz Kafka, sei bereits fertig, verrät der Bremer Autor. Bei allen Autoren, denen er sich in dem Projekt widmet, stelle er Grundzusammenhänge her, obwohl es "die eindeutige Wahrheit nicht gibt", wie schon Nietzsche gesagt habe. Allerdings seien es allesamt Autoren, "die sich gegenseitig spiegeln und in einer bestimmten Richtung ticken".

Die Lesung morgen in der Stadtbibliothek ist die erste von zunächst fünf, die der Philosoph an verschiedenen Orten geplant hat. Die Themen sind unterschiedlich: So geht es am Mittwoch, 25. Januar, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Geist an der Balgebrückstraße 16 um eine Zusammenfassung der Werke und journalistischen Arbeiten Roths.

Schwerpunkt der dritten Lesung am 8. Februar in der Humboldt-Buchhandlung am Ostertorsteinweg 76 ist Roths Frankreich-Reise mit seiner Frau Friedel und seine Zeit in Paris als "Hotelnomade". Weitere Lesungen folgen.

Bernd Oei stellt sein Buch "Joseph Roth: Der verbrannte Himmel" vor. Dienstag, 10. Januar, 18.30 Uhr, Krimibibliothek in der Zentralbibliothek, Am Wall 201. Eintritt frei. Erschienen ist das Buch im Lit-Verlag, einem Verlag für wissenschaftliche Literatur, es kostet 24,90 Euro.

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