Beschluss im Landtag

Bremer Regierung will mehr Väterzeit

Bremen will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, bei der Reform des Elterngelds Anreize für Väter zu geben, sich mehr Zeit für ihre Kinder zu nehmen.
20.11.2020, 05:00
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Bremer Regierung will mehr Väterzeit
Von Sara Sundermann
Bremer Regierung will mehr Väterzeit

Man sieht mehr Väter mit Baby auf dem Arm als vor zehn Jahren. Aber es könnten noch viel mehr sein, wenn es nach Bremens Regierungsfraktionen geht.

Monika Skolimowska / dpa

Wenn Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) das Elterngeld-Gesetz reformiert, soll sich Bremen im Bund dafür einsetzen, dass Väter sich mehr an der Kindererziehung beteiligen und gleichgeschlechtliche und diverse Paare nicht benachteiligt werden. Das hat der Landtag am Donnerstag beschlossen.

Über Gleichberechtigung müsse man gerade jetzt diskutieren, denn der Lockdown habe dazu geführt, dass Frauen mehr Sorgearbeit übernommen hätten, sagte Sofia Leonidakis (Linke): „Die Geburt eines Kindes ist immer noch die größte Retraditionalisierungsfalle.“ Jeder fünfte Vater hätte gerne Teilzeit genommen, habe aber darauf verzichtet, weil er berufliche und ökonomische Nachteile befürchte, so Leonidakis. Der Staat müsse zeigen: „Es ist erwünscht, dass die Väter sich einbringen.“

Der Begriff „Retraditionalisierung“ sei gerade in aller Munde, doch davon wolle sie nicht sprechen, entgegnete Henrike Müller (Grüne), denn „wir sind zuvor noch gar nicht in der Moderne angekommen“. Das liege aber nicht am mangelnden Willen der Väter.

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Grundsätzlich begrüße sie die Pläne von Giffey, sagte Birgit Pfeiffer (SPD). Das Elterngeld solle „flexibler, partnerschaftlicher und einfacher“ werden. Das geplante Gesetz ist laut den DGB-Frauen praxistauglich, aber man erlebe sicher nicht die letzte Reform.

„Die Beantragung von Elterngeld kann Eltern viele Stunden kosten“, sagte Sina Dertwinkel (CDU). Es werde nun durch Giffeys Reformpläne „ein bisschen einfacher“. Sie sagte: „Wir schließen uns der Aussage an, dass Väter so früh und so lange wie möglich an der Sorge für die Kinder beteiligt werden sollten.“ Ein eigener Antrag der FDP, die sich dafür eingesetzt hatte, das Elterngeld weiter zu vereinfachen, zu digitalisieren und flexibler zu machen, wurde abgelehnt.

Zur Digitalisierung sagte Sozialstaatsrat Jan Fries: Der Prozess der Digitalisierung sei langsam, aber Bremen habe dabei eine treibende Rolle gespielt. In Bremen sei derzeit nicht nur der Antrag auf Elterngeld digital möglich, seit August würden die Daten auch digital verarbeitet.

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