Tiefbauarbeiten abgeschlossen

Bauarbeiten am künftigen Bremer Wallkontor gehen voran

14 Meter tief ist die Baugrube, aus der in den kommenden Monaten das neue Wallkontor in die Höhe wachsen wird. Die Tiefbauarbeiten sind abgeschlossen, nun folgt der Rohbau.
07.08.2020, 05:00
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Bauarbeiten am künftigen Bremer Wallkontor gehen voran
Von Nina Willborn
Bauarbeiten am künftigen Bremer Wallkontor gehen voran

Ganz schön tief: 14 Meter unter Straßenniveau liegt der Boden der Baugrube des künftigen Wallkontors. Ende 2022 soll der elfgeschossige Bau fertig sein.

Frank Thomas Koch

Dass dort, wo bis zum Brand im Mai 2015 das Kaufhaus Harms stand, eine Baustelle ist, sollte sich eigentlich inzwischen herumgesprochen haben. Die Arbeiten im Auftrag der Müller & Bremermann GmbH & Co KG haben im April 2018 begonnen, laufen also seit reichlich zwei Jahren. Und immer noch, erzählen die Spezialtiefbauer, führen sie in der Museumstraße/Ecke Herdentorswallstraße ab und an Dialoge wie den folgenden, oft übrigens mit älteren Damen oder Herren: „Ich muss hier nur eben durch!“ „Das geht nicht, Sie sehen doch, dass da Bagger stehen.“ „Dann räumen Sie das Zeug bitte weg, ich gehe hier schließlich seit 50 Jahren immer entlang!“

Das wird vorerst auch weiterhin nichts, die traditionsbewussten Herrschaften bekommen es spätestens ab Montag allerdings mit neuen Ansprechpartnern zu tun. Die Tiefbauer sind durch, ihr Job ist erledigt, nun übernehmen die Rohbauer die Baustelle, aus der das neue Wallkontor mit 5500 Quadratmetern Platz für Einzelhandel und Büros emporwachsen soll.

198 ausgegossene Betonpfähle

Was man im Moment sieht, wenn man in die 14 Meter tiefe Baugrube gucken darf: viel Beton, ein bisschen Wasser, Leitern und Gerüstteile. Und natürlich die halbrunden Ausbuchtungen der 198 mit Beton ausgegossenen Pfähle, die sich um die Baufläche ziehen. Sie sind mit Ankern aus Stahldrähten verankert und sie sorgen vereinfacht gesagt dafür, dass der Wall schön da bleibt, wo er ist. Neben den Kräften, die das Erdreich auf die Grube ausübt, ist auch das Wasser von unten eine Gefahr, erklärt Bauleiter Stephan Seyb. Der Beton, den man sieht, ist noch nicht die Sohle des Gebäudes. „Wir haben in den vergangenen vier Wochen etwa 4000 Kubikmeter Kleiboden abgetragen“, erklärt Seyb, „und ständig Wasser abgepumpt.“ Man könne sich das Ganze ungefähr so vorstellen wie eine Badewanne, sagt er. „Wir haben den Boden der Wanne rausgenommen und ihn neu in Beton gegossen. Sonst hätten wir hier schnell ein Freibad.“ Als nächstes kommen nun noch mal Unmengen von Beton auf die insgesamt 800 Quadratmeter große Grundfläche, dieser Boden des Gebäudes wird später 1,20 Meter dick sein.

Weil die Baustelle und die Zufahrten auf allen Seiten sehr eng bemessen sind – es gibt nur rund 200 Quadratmeter Platz für Material und Container – wird der Rohbau eine Art ­Tetris für Seyb und die etwa 20 bis 25 Arbeiter, die in dieser Phase gebraucht werden. „Wir machen erst den rechten Teil der Sohle“, sagt der Bauleiter. Während dann der linke folgt, kann auf dem rechten schon das Material für die nächsten Arbeiten vorbereitet werden – nach dem Links-Rechts-Prinzip erfolgt der komplette Rohbau. Insgesamt wird es acht Wochen dauern, schätzt Seyb. „Dann ist die Sohle drin.“ Danach könnte, wenn Corona es zulässt, die Grundsteinlegung zelebriert werden.

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Insgesamt, rechnet der 53-Jährige, haben die Arbeiten an der Baugrube ein Jahr gedauert, rund ein weiteres wird der Rohbau brauchen, pro Monat soll eins der insgesamt elf Geschosse inklusive Tiefgarage entstehen. Es folgt der Innenausbau und im Dezember 2022 sollen dann die ersten Kunden durch die Läden und die neue Passage schlendern. Damit liegt das Projekt rund ein Jahr hinter dem ursprünglich von Geschäftsführer Marco Bremermann angepeilten Zeitplan. Mit verantwortlich für die Verzögerungen sind auch die archäologischen Funde, die beim Ausheben der Grube auftauchten: das Fundament eines Wehrturms aus dem 13. Jahrhundert und zuletzt im Januar mit den Spuren eines Grubenhauses aus dem 9. Jahrhundert ein Beweis dafür, dass Bremen schon damals größer war als vermutet.

Seyb schätzt alleine den Zeitverlust durch die historischen Funde auf drei bis vier Monate. „Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können“, sagt er. Bremermann hat damit kein Problem. „Die Verzögerungen des Baus durch die historischen Funde sind für mich kein Ärgernis“, sagt er. „Im Gegenteil. Für mich als Kunsthistoriker war das sehr spannend.“ Geplant ist, dass Teile der Funde sichtbar in das Wallkontor integriert werden. „So haben dann alle Bremerinnen und Bremer etwas davon“, sagt Bremermann, der als einer der großen Immobilienbesitzer der Innenstadt auch Mitte Juli beim Bürgermeister-Gipfel zur Umgestaltung der City teilgenommen hatte.

Verbindung zwischen Wall und City

Ein Teil soll das Wallkontor als Verbindung zwischen Wall und City sein. Bremermann fordert von der Politik, als Grundlage einer zukunftsorientierten Entwicklung entsprechende Weichen zu stellen. Er sagt: „Neben dem Wallkontor haben wir in den letzten Jahren mehr als 50 Millionen Euro in die Bremer City investiert. Und dies ohne staatliche Förderung.“ Das Wallkontor bauen hauptsächlich Firmen aus der Stadt und dem Bremer Umland, ein Umstand, der dem Unternehmer auch bei anderen Projekten wichtig ist.

Welche Geschäfte und Firmen ins Wallkontor einziehen werden, steht noch nicht fest. Mietverträge sind noch nicht unterschrieben – klar, weil es auch noch keinen Einzugstermin gibt. Interessensbekundungen gebe es aber in ausreichender Zahl, heißt es vonseiten der Müller & Bremermann GmbH.

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