Waller Politiker befürchtet Kriminalität

Besorgter Beirat wegen Rockern

Die Anhänger der Rockergruppe Hells Angels haben sich 2016 mehrfach in der "Parzelle Eins" getroffen, ansonsten blieb es jedoch ruhig. Der Waller Beiratssprecher Wolfgang Golinski traut der Ruhe aber nicht.
05.01.2017, 00:00
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Besorgter Beirat wegen Rockern
Von Jan Oppel
Besorgter Beirat wegen Rockern

Stillstand: An der Parzelle Eins sind die Bauarbeiten ins Stocken geraten.

Frank Thomas Koch

Die Anhänger der Rockergruppe Hells Angels haben sich 2016 mehrfach in der "Parzelle Eins" getroffen, ansonsten blieb es jedoch ruhig. Der Waller Beiratssprecher Wolfgang Golinski traut der Ruhe aber nicht.

Das jüngste Treffen verschiedener Rockergruppen in einem Bunker an der Grenzstraße hat im Waller Beirat große Besorgnis ausgelöst. Die Lokalpolitiker befürchten, dass sich ihr Stadtteil zum Mittelpunkt der Aktivitäten krimineller Motorradgangs entwickeln könnte.

"Wir wollen verhindern, dass es zu Bedrohungssituationen gegenüber Anwohnern kommt, verbunden mit Lärmbelästigungen und Verletzungen der Gesetze“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Anhänger von Rockergruppen

Im Dezember waren nach Polizeiangaben etwa 100 Anhänger diverser Rockergruppen an der Grenzstraße zusammengekommen – neben harmlosen Motorradfreunden auch Mitglieder sogenannter „Outlaw Motorcycle Gangs“ wie der Hells Angels.

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sind Anhänger dieser Gruppierungen bundesweit in Zuhälterei, Drogengeschäfte und Menschenhandel verwickelt. Der Bunker an der Grenzstraße gehört Gerald Höns, der für die Alternative für Deutschland (AfD) im Waller Beirat sitzt.

Höns hatte den Rockern für die als „Runder Tisch“ deklarierte Veranstaltung einen Raum zur Verfügung gestellt und nach eigener Aussage selbst an dem Treffen teilgenommen. „Herr Höns zeigt eine gewisse Affinität zu diesem Milieu", so die Beiratsmitglieder in ihrer Pressemitteilung.

Höns versteht Aufregung nicht

„Das zeigt sich auch daran, dass er die Anwesenheit der Hells Angels im Kleingartengebiet von Walle stets gutgeheißen hat und auch weiterhin unterstützt, wie jetzt festzustellen ist.“ Höns zeige „den Menschen in Walle und ganz Bremen, welche Nähe die AfD zu den Hells Angels und anderen Rockergruppen entwickelt“.

Gerald Höns kann die Aufregung nicht verstehen. „Selbst wenn ich ein Fan der Rocker wäre, so wäre dies meine Privatangelegenheit“, teilt er mit. „Den Rockern, um die es hier geht, werden keine Straftaten vorgeworfen.“ Höns hatte schon öfter mit den Hells Angels zu tun.

Mitglieder des Charters Westside aus Delmenhorst hätten Räume in einem seiner Bunker an der Holsteiner Straße mieten wollen, so der AfD-Politiker. Die Bremer Sicherheitsbehörden verhinderten dieses Vorhaben.

"Da tut sich nichts."

Weil die Hells Angels die Räume nicht beziehen konnten, hatten sie im vergangenen Sommer stattdessen den ehemaligen Imbiss „Parzelle Eins“ am Rande eines Parzellengebietes renoviert und sich dort mehrfach getroffen.

Seitdem ist nicht mehr viel passiert. „Da tut sich nichts“, sagt Wolfgang Golinski, Sprecher des Waller Beirats. Man sei aber dennoch im Austausch mit der Polizei und dem Landeskriminalamt. "Wir haben alle Antennen ausgefahren“, betont der Beiratssprecher. So ganz traut er der Ruhe nicht.

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Nach den vermehrten Aktivitäten der Hells Angels in ihrem Stadtteil befürchten Golinski und seine Kollegen, dass sich die negativen Erfahrungen der Bürger im Rembertiviertel mit den Hells Angels nun in Walle wiederholen könnten. 2011 lieferten sich die Bremer Hells Angels an ihrem damaligen Klubhaus „Angels Place“ am Dobben mit Mitgliedern der verfeindeten Mongols eine Massenschlägerei.

Geplante Nutzung der "Parzelle Eins"

Die Polizei nahm mehr als 60 Rocker fest. Nachbarn berichteten zudem, sie seien von Mitgliedern der Hells Angels bedroht worden. Das hat die Beiratspolitiker aufgeschreckt. Straftaten und Auseinandersetzungen in Walle möchten sie unbedingt vermeiden.

Die von den Hells Angels ursprünglich geplante Nutzung der „Parzelle Eins“ als Veranstaltungslokal wird die Baubehörde aller Voraussicht nach nicht genehmigen. „Es gibt weiterhin nur eine Duldung zum Betreiben eines Imbisses“, sagt Sprecher Jens Tittmann dem WESER-KURIER auf Nachfrage.

Nach Angaben des Sprechers sind die Pächterin und die Eigentümer aufgefordert worden, ihre Pläne der Baubehörde zeitnah mitzuteilen und gegebenenfalls einen entsprechenden Antrag auf Nutzungsänderung zu stellen. In jedem Fall müsse ein illegal errichteter Schuppen auf dem Gelände an der Waller Straße abgerissen werden, sagt Sprecher Tittmann. „Wir werden darauf pochen, dass das alles noch im Januar erledigt wird.“

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