Hebammen in Bremen Bessere Versorgung für Mütter und Kinder

Bremen will die Versorgung mit Hebammen verbessern: Deshalb werden ein Online-Portal zur Suche, eine wöchentliche Hebammen-Sprechstunde und Hebammen-Zentren in Stadtteilen eingerichtet.
11.06.2018, 05:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bessere Versorgung für Mütter und Kinder
Von Sabine Doll

In Bremen werden immer mehr Kinder geboren, die Versorgung mit Hebammen wird gleichzeitig immer schwieriger. Vor allem in sogenannten sozial benachteiligten Quartieren finden Mütter deutlich häufiger keine Hebamme, wie eine aktuelle Studie der Universität Bremen zeigt. Das soll sich ändern: Als erstes soll es ein Online-Portal geben, in dem sich Frauen über Hebammen in ihrem Quartier informieren können. Außerdem werden eine telefonische Vermittlungsstelle sowie eine Hebammen-Sprechstunde für den persönlichen Kontakt eingerichtet. In einem nächsten Schritt wird es „Quartiersnahe Hebammen-Zentren“ geben – und zwar vor allem dort, wo es derzeit Versorgungsengpässe gibt. Gröpelingen wird als ein möglicher Stadtteil genannt.

Lesen Sie auch

Das geht aus einer Vorlage für die Gesundheitsdeputation an diesem Dienstag hervor. Die Bürgerschaft hat das Konzept, das dem WESER-KURIER vorliegt, ohne Debatte bereits in ihrer Sitzung im Mai beschlossen. Das Konzept basiert auf einem Antrag der CDU-Fraktion vom November. „Das ist außerordentlich positiv, dass bei diesem Thema gemeinsam an einem Strang gezogen wird. Wir erhoffen uns davon, dass Mütter schneller eine Hebamme finden. Außerdem wird damit die Stellung der Hebammen in den Fokus gerückt“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Rainer Bensch.

"In den Zentren arbeiten Hebammen im Team"

Die Adresse für das Online-Portal ist bereits gesichert: Unter www.hebammensuchebremenbremerhaven.de sollen Frauen künftig Hebammen je nach Stadtteil finden können. In den einzelnen Profilen können alle fachlichen Angebote, sprachliche Fähigkeiten und die aktuellen Kapazitäten der jeweiligen Hebammen abgefragt werden. Die einmaligen Kosten für die Internetseite werden in der Vorlage mit etwa 10.000 Euro angeben, im Herbst soll es an die Umsetzung gehen. Für das telefonische Beratungsangebot und eine Hebammensprechstunde sind 15 Wochenstunden angegeben. Im Herbst soll eine Koordinatorenstelle ausgeschrieben und ein Ort für die Hebammensprechstunde gefunden werden. Das könnten Geburtskliniken, ein Geburtshaus oder die Geschäftsstelle des Hebammenlandesverbands sein. Die Kosten für das Angebot werden auf 22.000 Euro beziffert, ebenso wie für das Online-Portal werden sie vom Land Bremen übernommen.

Lesen Sie auch

Von den Hebammen-Zentren verspricht sich Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) eine bessere Versorgung in den Quartieren: „Die Zentren können in den Stadtteilen gezielt Angebote machen. In den Zentren arbeiten Hebammen im Team und betreuen dadurch mehr Familien. Die Frauen und ihre Familien werden im Stadtteil direkt angesprochen. Dabei können die Angebote passgenau für Zielgruppen wie Migrantinnen, Alleinerziehende oder Teenager-Mütter entwickelt werden.“ Die Vernetzung mit anderen Angeboten im Stadtteil werde ebenfalls durch die Hebammen-Zentren gefördert: Dazu gehören etwa Familienbildungsstätten, gynäkologischen Praxen, Selbsthilfegruppen oder Sozialzentren.

"Ich hoffe, dass es für die Frauen Erleichterung bringt"

Heike Schiffling warnt seit Langem vor immer größer werdenden Versorgungsengpässen in Bremen. Das Konzept hält die Vorsitzende des Hebammenlandesverbands für „super“: „Das ordnet ein wenig das Chaos bei der Suche nach einer Hebamme. Ich hoffe, dass es für die Frauen Erleichterung bringt. Vorteil der Zentren ist, dass sich Hebammen gegenseitig vertreten können und dadurch Versorgungsengpässe vermieden werden.“ Bisher würden die Hebammen vor allem aufsuchend arbeiten; in die Zentren könnten die Frauen kommen, dadurch würden lange Wege durch die Stadt gespart. „Das Problem, dass es zu wenige Hebammen gibt, kann das aber nicht lösen.“

Die Versorgung mit Hebammen ist in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. Angesichts steigender Haftpflichtprämien geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf – das ist seit Jahren eine bundesweite Entwicklung. Mit der Folge, dass Frauen Schwierigkeiten haben, Hebammen für die Betreuung vor und nach der Geburt zu finden.

Wie groß das Problem in Bremen ist, hat eine Studie der Universität Bremen beziffert. Danach sei von bis zu 216 Hebammen, die an Kliniken beschäftigt oder freiberuflich tätig sind und in Bremen wohnen, auszugehen. 43 Prozent sind 50 Jahre und älter. „In den meisten innenstadtnahen Bezirken, großen Teilen der Neustadt sowie Obervieland und Horn-Lehe stellt sich die Versorgung deutlich besser dar, als im Osten, dem Norden, Walle, Gröpelingen und Huchting“, heißt es in der Studie. 27 Prozent der Hebammen gaben an, fast täglich Anfragen abzulehnen. Sie nannten Versorgungsengpässe in Gröpelingen und insgesamt eine schlechtere Versorgungslage für Frauen mit Migrationshintergrund, weil es zu wenige Hebammen mit Fremdsprachenkenntnissen gebe.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+