Bremer Verkehrsbetriebe Besserer Einstieg in den Bus

Bremen. Fast 50 Bushaltestellen in Bremen werden barrierefrei umgebaut, damit es bewegungseingeschränkte Bremerinnen und Bremer leichter haben. Auftakt ist in Walle.
01.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Besserer Einstieg in den Bus
Von Frauke Fischer

Fast 50 Bushaltestellen in Bremen werden barrierefrei umgebaut, damit es bewegungseingeschränkte Bremerinnen und Bremer leichter haben. Den Auftakt soll die Haltestelle an der Hansestraße in Walle machen.

Bremen. Die ältere Frau mit dem Rollator schaut sich suchend um, als der Bus vor ihr hält. Wie soll sie es über die hohe Bordsteinkante in das Fahrzeug schaffen? Ein Passant kommt ihr zu Hilfe. Dieses Mal. Häufig entscheiden einige Zentimeter darüber, ob ein Mensch ganz selbstverständlich und sicher den Bus nutzen kann oder auf Hilfe angewiesen ist. Das soll sich in Bremen ändern. Fast 50 Bushaltestellen werden bis 2015 barrierefrei gestaltet. Die Deputation hat jetzt der Prioritätenliste der Verkehrsbehörde zugestimmt. Beginnen soll es demnach mit der Haltestelle an der Hansestraße in Walle.

590 Haltestellen der Bremer Straßenbahn AG gibt es im Bremer Stadtgebiet, das sind 1400 sogenannte richtungsbezogene Haltepunkte. Davon werden 1070 nur von Bussen angefahren. Das geht aus einer Vorlage des Amts für Straßen und Verkehr hervor, mit der sich die Verkehrs- und Baudeputation bereits im vergangenen Sommer beschäftigt hatte. Damals beschloss sie, dass die Planungsarbeiten für einen barrierefreien Umbau der Bushaltestellen beginnen sollen.

Und zwar auf der Basis einer Prioritätenliste, dessen erste Charge gut 40 Haltestellen für den Zeitraum 2013 bis 2015 umfasst. Angesichts der Kosten von 25000 bis 30000 Euro pro Haltestellenumbau kommen nicht mehr Projekte dafür infrage. Danach soll es aber ein weiteres Programmpaket geben.

Das heißt aber nicht, dass die übrigen Haltestellen vorerst gar nicht verändert werden. "Wann immer wir aus verschiedenen Gründen irgendwo bauen, setzen wir den Standard der Barrierefreiheit um", sagt Jens-Christian Meyer, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG. Zu diesem Standard gehörten Bordsteinkanten mit maximal 15 Zentimeter Höhenunterschied, aber auch die Länge der Haltestellen muss so sein, dass Menschen mit Behinderungen an allen Bustüren ein- und aussteigen können.

Das ist derzeit an der Hansestraße oft schwierig. Für die inzwischen vielfach dreiachsigen Busse ist der Haltestellenbereich zu kurz, besonders, wenn dort auch noch Straßenbahnen der Linien 2 oder 10 halten, erklärt Meyer. Deshalb steht die Waller Hansestraße auf der Prioritätenliste ganz oben. Zeitnah, so Meyer, werde mit dem Umbau begonnen, voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Ein weiterer Standard der Barrierefreiheit ist das sogenannte Tastenfeld, eine größere Fliese mit starker Riffelung oder Noppen, die an der Haltestelle dort in den Boden eingelassen ist, wo der Bus mit seiner vorderen Tür hält. Damit, so Meyer, können Nichtsehende ihre Position erspüren.

Um herauszufinden, welche Hindernisse beseitigt und welche Haltestellen vorrangig umgebaut werden müssen, hat sich das Amt für Straßen und Verkehr zum einen Daten des Zweckverbunds Bremen/Niedersachsen (ZVBN) zur Ausstattung der verschiedenen Bremer Bushaltestellen herausgesucht. Zum zweiten ist die Nähe der Haltestellen zu Senioreneinrichtungen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Kindertagesstätten und Grundschulen wichtig.

In deren Umkreis ist erfahrungsgemäß mit mehr Menschen zu rechnen, die einen barrierefreien Zugang benötigen. Doch auch Hinweise von Privatpersonen und Behindertenverbänden wurden laut Amt aufgenommen, um den vorrangigen Bedarf zu ermitteln.

Für Joachim Steinbrück, Landesbehindertenbeauftragter in Bremen, ist die Umgestaltung, in deren Planung er neben anderen eingebunden war, wichtig und richtig. "Die Barrieren, die an Bushaltestellen auftreten können, sind sehr unterschiedlich", sagt er und führt die Hürden für blinde und sehbehinderte Menschen an, aber auch jene für Menschen mit Gehbehinderungen, mit Rollatoren oder Rollstühlen.

Auch für Menschen mit Kinderwagen oder Rollenkoffern hängt seiner Ansicht nach "die Frage der Barrierefreiheit einer Haltestelle vom Zusammenspiel Bus und Haltestelle ab".

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+