Bestellungen auf falschen Namen Paketbetrüger nutzen Hilfsbereitschaft von Nachbarn

Beim Paket- oder auch Warenkreditbetrug gibt es mehrere Varianten, wie die Täter vorgehen. Selbst hilfsbereite Nachbarn werden dabei von den Tätern einbezogen.
21.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Paketbetrüger nutzen Hilfsbereitschaft von Nachbarn
Von Ralf Michel

Bei der Bremer Polizei ist der Paket- oder auch Warenkreditbetrug schon seit Jahren ein Thema. Die Masche, bei der Betrüger online Waren auf einen falschen Namen bestellen und die Pakete bei der Zustellung abfangen, funktioniert besonders in der Anonymität von Großstädten, so auch in Bremen, sagt Stefanie Freund aus der Pressestelle der Polizei. Geschädigt sind überwiegend große Versandhäuser wie etwa die Anbieter von Mode, Elektronik, Spielzeug, Möbel oder Kinderausstattung.

Die Kriminellen bestellen dabei in der Regel Ware in Online-Shops, in denen die Bezahlung auf Rechnung möglich ist. Angaben wie Name, Anschrift und E-Mail-Adresse sind bei vielen Shops im Internet bereits ausreichend, um die Bestelloption „auf Rechnung“ zuzulassen.

Bei der Bestellung geben sie einen fremden Namen samt Lieferadresse an und hinterlegen eine eigens für den Betrug kreierte E-Mail-Adresse. Das Perfide dabei, so Freund: „Etliche Nachnamen und die entsprechenden Wohnanschriften können die Kriminellen ganz einfach bei einem Rundgang durch ein Wohngebiet an den Klingelschildern und Straßennamen ablesen.“ Alternativ dazu nutzen sie zuvor entwendete oder gefundene Personaldokumente oder greifen auf durch Phishing erlangte Daten zurück. Selbst die am Straßenrand stehenden Papiertonnen werden durchwühlt, um an die entsorgte Briefpost samt persönlicher Daten zu gelangen. „Haben die Paketbetrüger nun eine Bestellung unter falschem Namen aufgegeben, müssen sie die Ware nur noch zum passenden Zeitpunkt abfangen.“

Eine andere Art des Paketbetrugs bedient sich der Nachbarschaftshilfe, berichtet die Polizeisprecherin von einer weiteren Betrugsvariante: Die Betrüger identifizieren im Vorfeld der Bestellung Anschriften, bei denen tagsüber keine Bewohner anwesend sind. Kann der Postbote das Paket beim vermeintlichen Empfänger nicht zustellen, wird es bei einem hilfsbereiten Nachbarn abgegeben. Der Betrüger erhält auch in diesem Fall eine E-Mail-Benachrichtigung und kann nun unter Vortäuschung einer falschen Identität beim Nachbarn klingeln und das Paket entgegennehmen. „In Mehrfamilienhäusern in Großstädten funktioniert diese Paket-Betrugsmasche besonders gut, da sich viele Nachbarn persönlich gar nicht kennen.“

Um den Tätern diese Straftaten zu erschweren, rät die Polizei, auf Auffälligkeiten insbesondere an Hausbriefkästen zu achten, wie etwa zusätzlich angebrachte Briefkästen, häufig wechselnde oder zusätzliche Namen. Pakete sollten nur für Personen angenommen oder an Personen übergeben werden, die man kennt. „Hilfsbereitschaft für Nachbarn ja, aber auch gesundes Misstrauen!“

Wer denkt, Opfer eines Paketbetrugs geworden zu sein, sollte die Polizei informieren, Strafanzeige gegen unbekannt stellen, das Versandhaus über den Vorfall informieren und auf keinen Fall die Rechnung oder Inkassoforderung bezahlen, empfiehlt die Polizei.

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