Zu Gast im WESER-Strand-Talk

Chronistin der kleinen Alltagsprobleme

Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy hat die Angst vor dem 50. Lebensjahr überwunden – und nun mehr Freude im Leben, als je zuvor. Sie sei, so sagt sie, zum Profi ihres eigenen Lebens geworden.
04.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Chronistin der kleinen Alltagsprobleme
Von Maurice Arndt
Chronistin der kleinen Alltagsprobleme

Ein Jahr lang versuchte Ildikó von Kürthy, sich mit verschiedenen Methoden selbst zu optimieren. Doch wirklich glücklich machte sie das meist nicht. Zufrieden ist sie mit ihrem Leben mittlerweile trotzdem.

Jens Kalaene / dpa

Bremen. Der letzte Rest einer Eiswaffel aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt, die kleine, mit Schokolade gefüllte Teigspitze. Autorin Ildikó von Kürthy, die am Freitag beim WESER-Strand-Talk zu Gast ist, mag so etwas besonders gern. Erst recht an einem Sommertag im Freibad. Doch nun fragt ihr Sohn: „Mama, darf ich den Rest?“ Die Autorin hat diese Geschichte mit ihren Followern bei Facebook geteilt mit der Frage: „Wie würdet ihr entscheiden?“

Es sind kleine Probleme des Alltags wie dieses, die sie zum Schreiben motivieren. „Ich habe von Anfang an über das geschrieben, was mir nah ist; über Menschen, die mir begegnen“, sagt sie. So tut es die gebürtige Aachenerin auch in ihrem neuesten Roman „Es ist Zeit“. Er handelt von Judith, die auf ihr 50. Lebensjahr zusteuert: „Nicht nur die Haut, sondern auch die Ehe verliert an Spannkraft, die Mutter stirbt, und dann erkrankt noch die Freundin an Krebs“ – so beschreibt die „Aachener Zeitung“ Judiths Situation. Eine Anmerkung der Autorin in einem Youtube-Video dazu geht so: „Meine persönliche Heldin“, sagt von Kürthy, die mittlerweile 52 Jahre alt ist, „ist meine Freundin Jutta. Sie ist an Krebs erkrankt, und wir haben uns ein Versprechen gegeben: Wenn das Buch erscheint und sie dann noch lebt, dann widme ich es ihr.“

Die zweifache Mutter macht sich nicht nur Gedanken über den Alltag der Menschen, die ihr begegnen. Sie wirft immer wieder einen Blick auf das Leben, mit all seinen Tücken und Tragödien. Stellvertretend dafür steht sie manchmal selbst. Für ihr 2015 erschienenes Sachbuch „Neuland“, das nichts mit dem berühmten Zitat von Kanzlerin Angela Merkel zu tun hat, quälte sie sich ein Jahr lang mit den verschiedensten Selbstoptimierungen. Sie blondierte ihre Haare, hat sich Botox spritzen lassen, begann zu meditieren und arbeitete mit einem Personal Trainer zusammen.

Doch nicht nur die Neugier trieb sie dazu, sondern auch die Angst vor dem nahenden 50. Lebensjahr und dem, was danach kommt. Das Leben jenseits dieses Datums stelle übrigens nicht das Ende aller Gründe für eine glückliche Zukunft dar, sondern bringe noch mehr Lebensfreude als zuvor, weiß die Autorin inzwischen. „Der Vorteil am Älterwerden ist, dass man zum Profi seines eigenen Lebens wird: in der Ehe, im Beruf, im Straßenverkehr, in der Gesundheitspflege.“

Die größere Erkenntnis aus einem Jahr Selbstoptimierung war für die Autorin jedoch eine andere. Sie stellte fest, dass sie plötzlich den falschen Leuten gefiel: „Ich stieg in ein Flugzeug, hatte gerade die Haare frisch geföhnt, und der Pilot winkte mir zu. Mir hat im ganzen Leben noch kein Mann zugewunken.“ Sie habe festgestellt, dass es gar nicht so schön sei, schön zu sein. Blonde Haare hat sie deshalb nicht mehr. „Es tut ganz gut, wenn man so aussieht, wie man ist“, sagt sie. Gefärbt sind ihre sonst zum Teil grauen Haare trotzdem. Ein wenig Eitelkeit erlaubt sie sich seit über 15 Jahren eben doch. „Ich will nicht jünger aussehen, als ich bin, aber so gut wie möglich“, sagt sie.

Buch über Hund Hilde

Eine komplette Abneigung gegen Selbstoptimierung hat sie nicht entwickelt. Zwei Drittel des Kleiderschranks auszumisten, sei beispielsweise sehr befreiend. „Das würde ich fast jedem empfehlen.“ Es mache das Leben leichter. Wenn die Tücken und Tragödien des Lebens doch einmal zu viel werden, hat sie noch ihre Hündin Hilde. Über die hat sie natürlich auch ein Buch geschrieben.

Mit Hilde unterhält sie gerne ihre Follower auf Facebook und Instagram: Hilde mit einem Kuscheltier im Mund oder eng an von Kürthy gekuschelt. Auch sonst hat sie Spaß daran, ihre Fans in den sozialen Netzwerken zu unterhalten: mit einem falsch benutzen Stand-Up-Paddle-Board oder der Lust auf einen Döner nach einem viel zu gesunden Essen. Eben mit den kleinen Tragödien des Alltags.

Weitere Informationen

Ildikó von Kürthy ist am Freitag zu Gast im WESER-Strand-Talk mit Moderatorin Bärbel Schäfer. Karten für die geschlossene Veranstaltung können nicht erworben werden. Stattdessen wird das Talk-Event online angeboten. Die Show hat ihre digitale Premiere am Sonnabend um 18 Uhr auf dem Youtube-Kanal des
WESER-KURIER und ist auch unter www.weser-kurier.de/weserstrand abrufbar.

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