Grundschule Ganspe Besuch aus Peru

Ihre Leidenschaft sind die deutsche Sprache und Museen. Für drei Wochen hospitiert die 27-jährige Karol Castillo aus Peru an der Gansper Grundschule.
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Von Hannelore Johannesdotter

Ganspe. Die Verlässliche Grundschule ­Ganspe hat Besuch aus Peru. Karol Castillo wird drei Wochen lang im Unterricht hospitieren und auch die benachbarte Kindertagesstätte besuchen. Die 27-jährige Deutschlehrerin wurde über den Pädagogischen Austauschdienst des Kultusministeriums nach Berne vermittelt.

„Ich nehme das erste Mal am Pädagogischen Austauschdienst teil“, berichtet Karol Castillo, „bin aber schon das zweite Mal in Deutschland.“ Im Jahr 2013 habe sie nach fünfjähriger Ausbildung am Deutsch-Peruanischen Institut ein Stipendium erhalten und in Stendal einen vierwöchigen Intensivkurs in Deutsch absolvieren können. Sie habe in dieser Zeit auch ein Praktikum im Stendaler Museum gemacht.

„Ich habe in meinem Leben zwei Leidenschaften: Museen und die deutsche Sprache“, gesteht Karol Castillo. In ihrer ersten Ausbildung im Hotel-Management habe sie viele Sprachen lernen müssen: Englisch, Französisch, Portugiesisch, Deutsch, Italienisch, zählt die 27-Jährige auf. „Zu Deutschland war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. „Es ist meine zweite Heimat geworden.“

Karol Castillo kommt aus Arequipa im Hochland von Peru. Die Stadt ist mit rund 1,3 Millionen Einwohner die zweitgrößte nach der Hauptstadt Lima und liegt auf 2300 Metern Höhe. Die Lage begünstige ein sehr angenehmes Klima, berichtet die Peruanerin: „Wir haben das ganze Jahr über Temperaturen von 24 bis 30 Grad Celsius.“ Neben ihrem Hotel-Job habe sie als deutschsprachige Gästeführerin im Inka-Museum ihrer Heimatstadt gearbeitet und dabei viel Sprachpraxis erworben.

Heute unterrichtet sie Deutsch für Kinder ab drei Jahren am Kindergarten ihrer ­Schule. Die Bildungseinrichtung heißt „Deutsche Schule Max Uhle“ und umfasst von der ­Krippe bis zum Abitur alle Klassen. Sie trägt den Namen ihres Begründers, der die ­Schule gemeinsam mit weiteren Deutschen und ­Peruanern 1956 ins Leben gerufen hat. Rund 1150 Mädchen und Jungen gehen dort ­heute zur Schule.

„Deutsch ist nicht so wichtig, meinen ­viele in meinem Land“, erzählt Karol Castillo. „Dem stimme ich nicht zu. Es gibt so viel, was wir von Deutschland lernen können“, sagt sie: „Kultur, Ordnung, Umweltschutz. Das können wir alles in unserem Land einsetzen.“

Um so viel wie möglich vom Besuch der Grundschule Ganspe zu profitieren, hat Karol Castillo einen Stundenplan erhalten. Schon nach wenigen Unterrichtsstunden sind ihr die ersten Unterschiede aufgefallen. „Ich wundere mich sehr über die Selbstständigkeit der Kinder“, staunt sie, „und über das Arbeiten in Gruppen.“ In Peru sei Frontalunterricht üblich.

Von ihrer neuen Schulleiterin hat sie den Auftrag erhalten, über die wichtigen ­Punkte, die ihr auffallen, zu berichten. „Die Schule hat ein großes Interesse am Unterricht und an den Lehrplänen in Deutschland. Ich habe die Verantwortung, hier das Beste zu erfahren und ein Feedback zu geben. Wir wollen alle von Deutschland lernen.“ Für Karol Castillo steht fest, dass das nicht ihr letzter Besuch in Deutschland sein wird.

Die Peruanerin wird sich und ihr Land nächste Woche eigens in einer Power-Point-Präsentation den Grundschülern vorstellen. Sie will von den 4000 Kartoffelsorten berichten und vom Inka-Reich erzählen. Am Mittwoch, 15. November, ab 19 Uhr macht sie sich im Rahmen eines Elternabends auch den Erziehungsberechtigten bekannt.

Karol Castillo lebt während ihres Aufenthalts in Deutschland in der Familie von Marlies Ullrich. Die Pädagogin weiß um die Museums-Leidenschaft ihres Gastes. Auf dem Programm stehe deshalb auch der Besuch aller Museen in der Umgebung, sagt Marlies Ullrich. Rektorin Beate Petter freut sich sehr über den ausländischen Besuch. „Das ist eine unglaubliche Bereicherung unserer Arbeit“, findet sie, „weil wir dabei auch über den Tellerrand schauen können.“ Karol Castillo ist die vierte Austauschlehrerin an der Gansper Grundschule.

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