Senioren besichtigen den U-Boot-Bunker Valentin Besuch weckt Erinnerungen

Farge. Den Anblick der ausgezehrten Körper der Zwangsarbeiter hat Bernhardine Plewnia nie vergessen. "Ich kann mich noch genau erinnern, dass wir vor dem bewachten Gelände standen und uns fragten, was da drinnen wohl passiert", erzählte die 86-Jährige beim Besuch des U-Boot-Bunkers Valentin. Sie erinnerte sich, wie sie als junge Frau beobachtete, wenn die Zwangsarbeiter zu den Lagerbaracken in Rekum gebracht wurden.
24.09.2011, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Besuch weckt Erinnerungen
Von Julia Ladebeck

Farge. Den Anblick der ausgezehrten Körper der Zwangsarbeiter hat Bernhardine Plewnia nie vergessen. "Ich kann mich noch genau erinnern, dass wir vor dem bewachten Gelände standen und uns fragten, was da drinnen wohl passiert", erzählte die 86-Jährige beim Besuch des U-Boot-Bunkers Valentin. Sie erinnerte sich, wie sie als junge Frau beobachtete, wenn die Zwangsarbeiter zu den Lagerbaracken in Rekum gebracht wurden.

Mit einer 20-köpfigen Gruppe der Tagespflege des Sozialwerks der Freien Christengemeinde besuchte die Seniorin die Gedenkstätte. Das Bauwerk ist Überbleibsel eines der größten Rüstungsprojekte des nationalsozialistischen Deutschlands für den Seekrieg. Der Bunker wurde von 1943 bis März 1945 von Zwangsarbeitern errichtet. Mehr als 1100 Menschen kamen dabei ums Leben. Ziel des Ausflugs mit den Tagesgästen des Sozialwerks war unter anderem die Aktivierung ihres Langzeitgedächtnisses. Tatsächlich weckte die Führung mit Marcus Meyer von der Landeszentrale für politische Bildung bei den Teilnehmern viele, oftmals schlimme Erinnerungen.

"Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit", sagt Bernhardine Plewnia. Sie erinnerte sich: "Jemand hatte gehört, dass die Häftlinge aus Konzentrations- und Arbeitserziehungslagern stammten, aber keiner wusste das so genau." Herma Böcker erzählte, dass sie aus dem Fenster ihres Hauses jeden Tag auf die Baustelle geblickt und die Arbeiter gesehen habe. Das Haus habe sie nach dem Krieg verkauft.

Der Besuch des Bunkers hinterließ bei den Senioren einen nachhaltigen Eindruck. Zurück in der Einrichtung hätten mehrere Gäste auch Tage später noch von ihren Erlebnissen aus der Zeit des Bunkerbaus berichtet, sagte Pflegefachkraft Ralf Hannemann. "So etwas vergisst man nie", sagte eine Teilnehmerin mit traurigem Blick, "aber wir sind mit dieser Erinnerung im Herzen alt geworden, sie gehört zu uns."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+