Sorge um soziale Einrichtung in Bremen

Betroffene kämpfen um Rückzugshaus

Betroffene sammeln Unterschriften, das Gesundheitsressort bedauert die Entwicklung und die FDP-Bürgerschaftsfraktion trägt das Thema in den Landtag: Die Diskussion um das Rückzugshaus nimmt Fahrt auf.
14.09.2019, 19:12
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Betroffene kämpfen um Rückzugshaus
Von Anne Gerling
Betroffene kämpfen um Rückzugshaus

Die Diskussion um das Rückzugshaus hat nun auch die Bremer Bürgerschaft erreicht.

Mohssen Assanimoghaddam /dpa

„Im Rückzugshaus wird begleitet und im Zentralkrankenhaus Bremen-Ost versorgt – das ist ein riesiger Unterschied. Wir sind alle ziemlich geschockt und wollen alles tun, damit es weitergeht“, sagt Arnolde Trei-Benker. Sie steht als sogenannte Genesungsbegleiterin Menschen in psychischen Krisensituationen bei. Auf Initiative von Trei-Benker und ihrem Kollege Heiko Schwarting haben sich jetzt beim Verein Blaue Karawane im Speicher XI in der Überseestadt Menschen aus dem Umfeld des 2004 von der Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste (Gapsy) in Walle eröffneten Rückzugshauses getroffen, um zu beraten, wie die von ihnen befürchtete Schließung der Einrichtung möglichst doch noch abgewendet werden kann.

Wie berichtet, haben mehrere Krankenkassen die Verträge für das bundesweit als einmalig geltende Angebot gekündigt. Darunter die AOK, deren Sprecher Jörn Hons dazu erklärt: „Wir haben festgestellt, dass sich das Rückzugshaus zu einer Dauer-Einrichtung entwickelt hat. Patienten haben dort dauerhaft gewohnt – das ist aber nie die Idee dahinter gewesen.“ Das Unternehmen arbeite inzwischen an einem neuen Versorgungsmodell, in das auch Rückzugsräume integriert würden, so Hons.

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Im Gesundheitsressort bedauere man die Entscheidung der Krankenkassen, erklärt Sprecherin Christina Selzer: „Die Rückzugsräume sind geeignet, Krankenhausaufenthalte, die sich ja länger hinziehen können, zu vermeiden. Wir sehen, dass wir damit niedrigschwellig auch Menschen erreichen, die sonst das Hilfesystem nicht in Anspruch nehmen würden.“

Auch die Bemische Bürgerschaft hat das Thema mittlerweile erreicht: Die Bürgerschaftsfraktion der FDP hat sich unter der Überschrift „Hat das Rückzugshaus in Walle noch eine Zukunft?“ an den Senat gewandt und erwartet dazu in der Fragestunde der nächsten Parlamentssitzung am 26. September Antworten.

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