Schulleiter Jahnke: „Dankbarkeit überwiegt“ / St.-Joseph-Schule geschlossen / Ehemalige Schüler erinnern sich Bewegender Abschied nach 85 Jahren

Gestern war der letzte Schultag an der St.-Joseph-Grundschule in Oslebshausen. Das galt nicht nur für die 18 Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse, die im Sommer 2010 als letzter Jahrgang in der katholischen Grundschule eingeschult wurden. Nach 85 Jahren wird die einzügige Grundschule am Alten Heerweg für immer geschlossen (der Stadtteil-Kurier berichtete). Viele Schüler, Lehrer, Eltern, Ehemalige, Nachbarn und Freunde waren am Sonnabend zum Abschiedsgottesdienst mit Propst Martin Schomaker und Pfarrer Josef Fleddermann in die St.-Josef-Kirche gekommen.
31.07.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Hansen

Gestern war der letzte Schultag an der St.-Joseph-Grundschule in Oslebshausen. Das galt nicht nur für die 18 Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse, die im Sommer 2010 als letzter Jahrgang in der katholischen Grundschule eingeschult wurden. Nach 85 Jahren wird die einzügige Grundschule am Alten Heerweg für immer geschlossen (der Stadtteil-Kurier berichtete). Viele Schüler, Lehrer, Eltern, Ehemalige, Nachbarn und Freunde waren am Sonnabend zum Abschiedsgottesdienst mit Propst Martin Schomaker und Pfarrer Josef Fleddermann in die St.-Josef-Kirche gekommen.

Auch Ingrid Nalbach, geborene Schumacher, und Elsbeth Sommer, geborene Burghardt, wollten von ihrer alten Schule Abschied nehmen. 1957 waren die beiden dort eingeschult worden. Seitdem sind sie Freundinnen. Ihre erste Klassenlehrerin war Schwester Kunigundis. Die Ordensfrau der Thuiner Franziskanerinnen gehörte bis 1959 zum Lehrpersonal. Als Ingrid Nalbach und Elsbeth Sommer ein letztes Mal durch die Klassenzimmer gehen, überwiegt bei ihnen die Dankbarkeit für eine gute Schulzeit. Das ging auch Johannes Tönnies und Andreas Haschke so. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, aber es ist ja sowieso nichts mehr so wie früher“, sagt Andreas Haschke, der von 1964 bis 1968 in St.-Joseph die Schulbank drückte.

Gemischte Gefühle

Propst Martin Schomaker nahm in seiner Predigt die Gefühle auf, die die Schulschließung bei vielen Menschen auslöst: „Mit den Worten Veränderung und Wandlung verbinden wir in der Regel etwas Positives. Aber heute lösen sie bei vielen gemischte Gefühle aus. Wir müssen den Mut haben, die Trauer zuzulassen“. Er dankte allen, die die Entscheidung in Solidarität mitgetragen haben. Viele Kinder hätten in der St.-Joseph-Schule soziale Kompetenz, einen sorgsamen Umgang mit der Natur und so einiges über Religion und Gott gelernt. Dafür könne man dankbar sein.

Schulleiter Arnold Jahnke, der die Schule seit 1984 leitet, räumte ein, dass er in diesem Jahr lieber das 85-jährige Jubiläum als die Schließung der Schule gefeiert hätte. Er dankte allen von nah und fern, die sich der Schule verbunden fühlten. Als Überschrift für den Abschiedsgottesdienst hatte die Schule „Zuversicht und Hoffnung: Durch den Glauben gestärkt!“ gewählt. Bei aller Trauer überwiege rückblickend die Dankbarkeit. „Der gute Geist der Schule soll weiterleben“, sagte der 62-Jährige, als er Pfarrer Josef Fleddermann eine Figur des Heiligen Josef aus der Schule überreichte, die nun einen neuen Platz in der Gemeinde finden soll. Besonders freute den Schulleiter, dass der vor 25 Jahren eingerichtete Schulgarten mit seinen besonderen Wasserpflanzen, auf denen eine seltene Libellenart ihre Eier ablegt, erhalten bleiben soll.

Der Gottesdienst wurde von Schülerinnen und Schülern der St.-Joseph-Schule gestaltet, darunter auch Ehemalige. Unter Leitung von Elke Stein, die auch Klavier spielte, beeindruckten Patricia Blaszczyk, Vanessa Tyschko, Maya Urbanski, Bengisu Yilmaz und Justus Kreutziger an ihren Flöten. Celina Enik brillierte mit ihrem Sologesang, und Malik Bekoe begeisterte die Zuhörer an der Viola. Arnold Jahnke machte nicht ohne Stolz darauf aufmerksam, dass bis auf Propst Schomaker und Pastor Fleddermann alle an der Liturgie Beteiligten ehemalige Schülerinnen und Schüler waren.

Der Leiter der Schulabteilung im Bistum Osnabrück, Winfried Verburg, dankte für das „Klima von Akzeptanz und Wertschätzung“, das die Schule geprägt habe. Claudia Sturm richtete ihren Dank an die Lehrer und Eltern, aber auch an die Sekretärinnen, Hausmeister und insbesondere an die Schulleitung. Arnold Jahnke sei der „Motor“ der Schule gewesen, der alle motiviert habe. „Mit offenem Blick und offenem Ohr hat er alle Fäden in der Hand behalten und zusammengeführt“, sagte Sturm. Der Direktor der Schulstiftung, Georg Schomaker, dankte allen, „dass sie diese schwere Entscheidung zur Schließung der Schule mitgetragen haben“. Er überreichte Arnold Jahnke eine steinerne Uhr, auf die ein Zitat von Ludwig van Beethoven eingraviert war: „Der Mensch besitzt nichts Edleres und Kostbareres als die Zeit“.

Für das Kollegium würdigte Christa Holsten-Brühl ihren früheren Chef mit herzlichen Worten. Dem schloss sich die Gemeinde mit stehendem Applaus an. Nach dem Gottesdienst verteilten die Schüler Alec Landgraf und Domenik Hemetek zur Erinnerung an die Schule Kieselsteine an die Besucher. Die Schülerinnen und Schüler hatten die kleinen Steine aus dem Teich im Schulgarten gefischt, gereinigt und handverlesen.

Unter den zahlreichen Gästen waren Reinhard Grottendieck vom Förderverein der katholischen Schulen in Bremen, Dagmar Erling von der Verbandsvertretung des Katholischen Gemeindeverbandes, die ehemaligen Schulleiter Wilhelm Tegethoff und Wilhelm Tacke sowie viele Lehrerinnen und Lehrer der anderen katholischen Schulen in Bremen.

Fritz Hampe und Doris Bruns vom Katholischen Gemeindeverband überreichten Arnold Jahnke eine Schale und eine Gedenktafel aus dem Holz eines Weinfasses, das lange auf dem Schulhof gestanden und den Kindern als Spielstätte gedient hatte. „Das Weinfass der Firma Reidemeister und Ulrich fasste 9266 Liter, war aber zum Schluss so morsch, dass es aus dem Verkehr gezogen werden musste“, erzählte Fritz Hampe, der die Bauabteilung im Kirchenamt Bremen leitet.

Bei Speisen und Getränken in der Schule und auf dem weitläufigen Schulhof wurde so manche Erinnerung an die Schulzeit in St.-Joseph ausgetauscht. Die ehemalige Schülerin Miriam Kehlbeck und ihre Freundin Rania Nazzal nutzten wie viele andere die Gelegenheit, um noch einmal nach dem schönen Schulgarten zu sehen, den es seit 25 Jahren gibt. Schulleiter Arnold Jahnke wird zukünftig neue Aufgaben in der Schulstiftung im Bistum Osnabrück übernehmen und ein Büro im Pfarrhaus der St.-Josef-Kirche beziehen. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen ihre Arbeit in anderen katholischen Schulen in Bremen fort. Gut erhaltene Bänke und Stühle aus dem Schulinventar der katholischen St.-Joseph-Schule wurden für eine Schule in Vidukle in Litauen gespendet.

Hauptgründe für die Schulschließung waren die demografische Entwicklung sowie steigende Kosten bei der Finanzierung der Grundschule in freier Trägerschaft angesichts wachsender Anforderungen. Um mit den umliegenden staatlichen Grundschulen im Stadtteil Oslebshausen konkurrenzfähig zu sein, hätte die St.-Joseph-Schule zur offenen Ganztagsschule weiterentwickelt und die Klassengröße auf höchstens 24 Kinder reduziert werden müssen. Das hätte für den Schulträger dauerhaft mehr als 50 000 Euro Mehrkosten im Jahr bedeutet, die auch durch das 2009 eingeführte sozial gestaffelte Schulgeld nicht hätten aufgebracht werden können, wie der Direktor der Schulstiftung im Bistum Osnabrück, Georg Schomaker, erklärt. Gespräche mit dem Land Bremen über eine mögliche zusätzliche Bezuschussung, die allerdings im Privatschulgesetz in Bremen nicht vorgesehen ist, hatten keinen Erfolg.

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