Gesundheit an der Schule Bewegter Unterricht

Die Grundschule Grolland widmet einen Vormittag den Themen Gesundheit, Fitness und Ernährung. Bei den Schülerinnen und Schülern kommt das gut an.
23.02.2018, 19:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Für alle Schüler der Grundschule Grolland beginnt der Tag mal nicht hinter der Schulbank im Klassenraum, sondern in der Turnhalle. Vanessa Dehn, die freiberuflich als Ernährungscoach tätig ist, fängt dort mit den ersten Übungen an, um die Kinder aufzuwärmen: „Lauft auf der Stelle! Versucht, das Knie an die Hände zu bekommen! Schüttelt Arme und Beine aus!“

Unter dem Motto „Fit4future“, einer Initiative der Cleven-Stiftung und mit Unterstützung der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), stehen in der Grundschule Grolland einen Vormittag lang die Themen Gesundheit, Fitness und Ernährung auf dem Programm. Die bundesweite Initiative setzt sich zum Ziel, die Lebensgewohnheiten von Kindern zwischen sechs bis zwölf Jahren nachhaltig positiv zu beeinflussen. Schulen sollen zu gesundheitsfördernden Institutionen weiterentwickelt werden. In den Jahren von 2015 bis 2017 konnten bereits 1500 Schulen an dem Projekt teilnehmen.

„Fit4future läuft über drei Jahre, und die Schule erhält zahlreiche Materialien wie zum Beispiel ein Tennisnetz oder Karten mit Spielvorschlägen, die sich auch im normalen Unterricht verwenden lassen“, berichtet Vanessa Dehn. „Die Kinder können vieles auch in den Pausen ausprobieren, wie zum Beispiel die Stelzen, mit denen man auf dem Rasen üben kann.“

Die Morgenmüdigkeit ist inzwischen aus den Körpern gerüttelt und geschüttelt, die Kinder eilen zu den sechs aufgebauten Stationen. Die ersten zwei liegen in der Turnhalle: Dort sind je zehn Dosen übereinander getürmt. Die Kinder dürfen zu einer Linie rennen und von dort aus in die kleine Pyramide hineinwerfen. Steht nur noch die unterste Reihe Dosen aufrecht, hat die Gruppe gewonnen. Geschwindigkeit und Augenmaß bilden die erste Trainingseinheit der sechs Stationen.

Weiter vorn in der Halle schlüpfen Kinder in grüne, rote und blaue Plastiksäcke, die ihnen bis zu den Hüften reichen und be­wältigen hüpfend einen Hindernisparcours. Ausdauer, Schnelligkeit und Körperbe­herrschung sind an dieser Station gefragt.

Die fast durchweg normal proportionierten Kinder an der Grundschule Grolland zeigen, dass Übergewicht hier eigentlich kein Thema ist. „Aber an vielen Schulen durchaus: Übergewicht bei Kindern ist vor allem eine Folge von Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung“, sagt Vanessa Dehn. „Das Projekt soll zu mehr Bewegung und gesundem Essen animieren, es soll zum Beispiel bewusst machen, was zum Pausenbrot gehört und was nicht.“

Außer Bewegung steht auch Wissen auf dem Programm: Wenn Kinder bei den Getränken und Süßigkeiten, die auf Schul­bänken stehen, raten sollen, wie viele Stücke Würfelzucker sie enthalten, ist reine Kopfarbeit angesagt. Die Schätzungen für Eistee, Cola, einen Energy-Drink, Müsli, einen Kinder-Riegel und einen kleinen Beutel Ketchup werden in eine Tabelle eingetragen. „Für viele Kinder ist es immer wieder erstaunlich, dass solch ein kleiner Ketchup-Beutel tatsächlich einen ganzen Würfelzucker enthält“, klärt die Ernährungsfachfrau auf.

„Zu viel Zucker bei der Ernährung von Kindern ist nicht nur schlecht für die Zähne, er ist auch für das Übergewicht vieler Schüler verantwortlich. Schon wenn man ein großes Glas Direktsaft trinkt, nimmt man den Zucker von vier bis fünf Äpfeln auf“, betont Vanessa Dehn. Denn der Zuckergehalt von Apfelsaft ist höher als der von Cola: In einem Liter Saft sind durchschnittlich 500 Kilokalorien enthalten, ein Liter Cola bringt es auf rund 400. „Und wenn dann auch noch die Cornflakes zum Frühstück mit einer ordentlichen Portion Zucker überzogen sind, nimmt ein Kind viel zu viel von dem süßen Stoff auf“, erklärt Vanessa Dehn.

Der Spaß an der Bewegung ist besonders groß, wenn gleichzeitig Geschicklichkeit gefragt ist. Das bietet die Station mit den großen Würfeln und Zahlenpunkten im Flur der Grundschule: Die Kinder werfen große Würfel und springen auf den Punkt mit der Zahl, die sie gewürfelt haben. Beim nächsten Würfelwurf müssen sie die Zahl hinzuaddieren. Gehirn wie Körper sind gleichermaßen aktiv und in Bewegung.

Es kommt bei den Stationen von „Fit4future“ auf Hirn, Nerven und Muskeln, aber auch auf das Zusammenspiel mit den Augen an, die bekanntlich Ausstülpungen des Gehirns sind. Und nur, wenn alles gut koordiniert ist, können die Kinder die nächste Aufgabe bewältigen: mit beiden Händen sieben blaue Becher zu Pyramiden stapeln und sie anschließend durch Überstülpen wieder abbauen. So manche Pyramide kommt dabei zum Einsturz.

Station sechs betreibt Wissensvermittlung pur: An der Wand erscheinen mit Hilfe eines Beamers Fragen zum Thema Ernährung. Die Schülerinnen und Schüler müssen die richtige Antwort erraten: Wie nimmt man am besten alle Vitamine auf, die man täglich braucht? Wo lagert unser Körper verbrauchtes Wasser?

„Das Thema gesunde Ernährung ist ein Schwerpunkt an unserer Schule“, betont Judith Wismach, Schulleiterin an der Grundschule Grolland. „Aus diesem Grund passt das Projekt hervorragend zu uns.“

Die siebenjährige Lina aus der ersten Klasse hat schon einiges über gesundes Frühstück gelernt: „Ich esse dann Müsli und trinke nur Wasser dazu“, kündigt sie an. Gezuckerte Cornflakes und Apfelsaft mit viel Zucker kommen ab sofort wohl nicht mehr auf den Tisch.

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