Das Problem von Bremens Arbeitsmarkt

Bewerber passen nicht zu freien Jobs

Vier Jahre Arbeit und Soziales in Bremen bedeuten auch vier Jahre Jugendberufsagentur, dazu die Ausbildungsplatzgarantie – und sie zeigen weiterhin das alte Problem, dass der Bremer Arbeitsmarkt hat.
30.03.2019, 19:11
Lesedauer: 4 Min
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Bewerber passen nicht zu freien Jobs
Von Florian Schwiegershausen
Bewerber passen nicht zu freien Jobs

Während die Bremer Wirtschafts boomt, haben viele Langzeitarbeitslose immer noch Probleme, einen Job zu finden.

Karsten Klama

Grundsätzlich hat sich die Lage am Arbeitsmarkt in Bremen und Bremerhaven in den vergangenen vier Jahren verbessert. Im März 2015 lag die Arbeitslosenquote in Bremen noch bei 10,3 Prozent. Danach pendelte sie irgendwo zwischen neun und zehn Prozent. Die Tendenz nach unten hatte sie erst im vergangenen Jahr und präsentierte sich im November 2018 unter neun Prozent. In Bremerhaven lag die Quote vor vier Jahren mit 14,8 Prozent noch deutlich höher. Einen Rekordstand erreichte sie im März 2016 mit 16 Prozent und sank von da an nach und nach. Einen absoluten Tiefststand erreichte sie im vergangenen November mit 11,6 Prozent.

Am Freitag hat die Bremer Arbeitsagentur die aktuellen Zahlen veröffentlicht. So liegt die Arbeitslosenquote für März in Bremen bei 9,2 Prozent und in Bremerhaven bei 12,5 Prozent. Gerade in Bremerhaven bedeutet das, dass die Stadt von einem ganz hohen Level auf ein hohes Level abgerutscht ist. Zum Vergleich: Bundesweit lag im März die Arbeitslosenquote bei 5,1 Prozent. In einigen Landkreisen in Bayern und Baden-Württemberg herrscht momentan de facto Vollbeschäftigung. Davon ist auch der Landkreis Osterholz nicht weit entfernt.

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Das Problem werden aber weiterhin die Langzeitarbeitslosen sein. Denn vielen offenen Stellen steht weiterhin eine hohe Zahl von Arbeitslosen gegenüber. Bereits Joachim Ossmanns Vorgänger, Arbeitsagentur-Chef Götz von Einem, sprach hier vom Matching-Problem, das das Land Bremen hat. Die Arbeitslosen in Bremen passen nicht zu den offenen Stellen. Arbeitsagentur-Chef Ossmann hofft, hier mithilfe von zwei Instrumenten die Situation verbessern zu können: Mit dem Qualifizierungschancengesetz will die Arbeitsagentur ihre Berufsberatung im laufenden Jahr intensivieren, indem sie vor allem Menschen anspricht, die vom Wandel in der Arbeitswelt betroffen sind.

Teilhabechancengesetz soll Langzeitarbeitslosen eine Chance geben

Außerdem gibt es das Teilhabechancengesetz. Das soll garantieren, dass Langzeitarbeitslose eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, indem sie in geförderten Jobs arbeiten. Hierbei übernehmen die Jobcenter in den ersten zwei Jahren 100 Prozent des Gehalts. Ossmann geht davon aus, dass durch das Gesetz, das im Dezember verabschiedet wurde, etwa 600 Jobs in Bremen und Bremerhaven entstehen werden. Doch auch ohne dieses Gesetz haben 2018 knapp 560 Langzeitarbeitslose einen Job gefunden.

Auch hier habe sich die Konjunktur positiv ausgewirkt, sagt Ossmann. Positiv entwickelt sich in Bremen auch die Jugendarbeitslosigkeit. „Weil sich Firmen frühzeitig Fachkräfte sichern wollen, geben sie auch schwächeren Jugendlichen eine Chance“, sagt Joachim Ossmann. Allerdings sei es für Arbeitslose, die älter als 50 Jahre sind, immer noch schwierig einen neuen Job zu finden. „Sie stoßen bei Arbeitnehmern immer noch auf Vorbehalte“, sagt Ossmann. Dabei seien sie routiniert, qualifiziert und brächten viel Erfahrung mit.

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Im vergangenen Oktober wurde außerdem der Ausbildungspakt zwischen Landesregierung und Kammern um ein Jahr verlängert. Länger nicht, weil die verschiedenen Akteure dann erst einmal abwarten wollen, wie sich die neue Landesregierung zusammensetzt. Mit dem Ausbildungspakt wollten alle Beteiligten verhindern, dass mit diesem Thema Wahlkampf gemacht wird. Eigentlich sah der alte Pakt vor, spätestens bis 2017 insgesamt 7800 Lehrstellen zu schaffen.

Zahl der Ausbildungsplätze in Bremen zu gering

Dieses Ziel wurde nicht erreicht, weshalb vonseiten des Wirtschaftsressorts im Herbst 2017 vorübergehend laut über eine Ausbildungsumlage nachgedacht wurde. Die sollen alle Unternehmen zahlen, die nicht ausbilden. Auf der anderen Seite waren die Betriebe aus Handwerk und Handel, die klagen, dass sie keine geeigneten Bewerber finden. In der Vergangenheit kritisierte die Bremer Arbeitnehmerkammer mehrere Male, dass nach ihrer Meinung die Zahl der Ausbildungsplätze in Bremen immer noch zu gering sei.

Auch die Garantie auf einen Ausbildungsplatz lebt im Land Bremen weiter. Sie soll jedem Schulabgänger einen Platz garantieren. Dazu beitragen soll die Jugendberufsagentur, die 2015 ihre Arbeit aufgenommen hatte. Kritik dazu gab es vom inzwischen pensionierten Lehrer Hans-Wolfram Stein. Er setzte dabei an der Statistik an, durch die ein Jugendlicher als versorgt gelten kann, der in Wirklichkeit keinen Ausbildungsplatz gefunden hat.

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Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) besuchte dazu auch die Gesamtschule Ost, um mit den Schülern über die Ausbildungsplatzgarantie zu diskutieren. Wie viel Kritik es dazu auch gab: Vergangene Woche bewilligte die Wirtschaftsdeputation einstimmig die Mittel in Höhe von knapp 5,7 Millionen Euro, um diese Garantie für die kommende Legislaturperiode fortzuführen.

Arbeitslosenquote in Bremen in Zukunft bei acht Prozent

Der Chef der Bremer Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, rechnet damit, dass sich in Bremen im Laufe des Jahres die Arbeitslosenquote Richtung acht Prozent bewegen werde und beruft sich dabei auf eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem wissenschaftlichen Institut der Bundesarbeitsagentur. Günthner freute sich am Freitag über die vorläufigen Zahlen zum Wirtschaftswachstum.

Demnach legte das Land Bremen beim Bruttoinlandsprodukt nominal um 3,8 Prozent zu und liegt damit hinter Berlin und Hessen. Der Hauptgeschäftsführer der Bremer Arbeitnehmerkammer, Ingo Schierenbeck, ist dagegen aufgrund der ausgewerteten Arbeitsmarktzahlen für 2018 der Ansicht: „Das gute Wirtschaftswachstum kommt nur zum Teil auf dem Bremer Arbeitsmarkt an.“

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