Mangelnder Parkraum, zugeparkte Gehwege

Bewohnerparken als Lösung für Parkchaos in Bremen

Bewohnerparken gilt als Alternative, um dem Parkchaos in deutschen Städten ein Ende zu bereiten. Doch das Modell reizt auch zum Widerspruch, es gibt nicht nur positive Erfahrungen.
30.03.2019, 05:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Bewohnerparken als Lösung für Parkchaos in Bremen

Bewohnerparken soll den Anliegern eine Möglichkeit eröffnen, ihr Fahrzeug kostengünstig abzustellen.

Roland Scheitz

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„Es geht um ein Thema, das emotionsgeladen ist“, beginnt Moderator Kai-Ole Hausen die Veranstaltung „Bewohnerparken als Chance? – Lernen von Köln!“ im Alten Fundamt. Ob in der Neustadt, in Findorff, im Viertel oder anderswo: Zugeparkte Gehwege, aufgesetztes Parken oder mangelnder Parkraum für Anwohner stellen für viele Menschen, ob mit oder ohne Auto, ein Ärgernis dar. Die Stadt Köln hat sich inzwischen für das Modell des Anwohnerparkens entschieden, das Bewohnern die Möglichkeit eröffnen soll, ihr Auto zum einen äußerst kostengünstig und zum anderen überhaupt in der Nähe der Wohnung abstellen zu können.

Darüber wollte sich auch eine Delegation von „Sunrise Bremen“ informieren und reiste nach Köln. Die Teilnehmenden des Projekts „Sunrise“, welches ein Verkehrskonzept für das Neue Hulsberg-Viertel und die umgebenden Ortsteile entwickelt, sprachen mit Vertretern der Stadt. „Und da haben sie gedacht, dass das Konzept auch für Bremen gut sein könnte“, sagt Kai-Ole Hausen.

Das meint Steffen Eilers, Beiratssprecher für die Östliche Vorstadt, ebenfalls, sagt aber auch, dass Anwohnerparken nur funktionieren könne, wenn man sich auch die umliegenden Quartiere des Neuen Hulsberg-Viertels anschaut.

Kritik am aufgesetzten Parken

Birgit Olbrich, Sprecherin des Stadtentwicklungsausschusses des Beirates Mitte, sieht auch das aufgesetzte Parken als gefährlich an: „Das kann Leib und Leben bedrohen, wenn Rettungsfahrzeuge nicht durchkommen.“ Zudem würden Autos abends an Straßeneinmündungen parken, Fahrräder stünden an Zäunen vor dem Haus. „Es gibt keinen Raum mehr für Fußgänger“, sagt sie und entkräftet danach das Argument, dass Bewohnerparken auf Kosten des Einzelhandels gehe: „Oldenburg hat sechs Bewohnerparkzonen rund um die Innenstadt und trotzdem gehen die Leute dort einkaufen.“

Niels Weiland vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr bestätigt die hohe Stellplatznachfrage in der Stadt. Rücksichtslos abgestellte Fahrräder und Mülltonnen, illegales Parken, Lieferverkehr – die Liste der Übel ist lang. „Wir sehen die Probleme, die es gibt, und dass Handlungsbedarf besteht.“ Mit Sunrise seien jedoch bereits viele verschiedene Maßnahmen gestartet worden. „Und man kann schauen: Was machen andere Städte anders, was machen sie besser?“

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Diese Frage möchte Lukas Hein, Mitarbeiter beim Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung in Köln, beantworten. Die Bilder aus Köln ähneln sich mit aufgesetztem Parken und zugeparkten Gehwegen dabei denen aus Bremen. „Wir wollen an manchen Stellen die Autos vertreiben und den Fuß- und Radverkehr und den ÖPNV fördern“, sagt er. „Ein Mittel dazu ist Bewohnerparken.“ Die Bewohner können einen Parkausweis beantragen, die kostet Bearbeitungsgebühr 30 Euro. Danach können sie dann ein Jahr lang kostenlos parken, andere Autofahrer müssen für das Parken bezahlen.

Es gibt aber auch Nachteile, räumt Hein ein, denn dieses Konzept verursacht Verdrängungseffekte. Die Menschen würden dann außerhalb der Bewohnerparkzonen parken, dadurch jedoch werden andere Wohngebiete zugeparkt, wo anschließend Bewohnerparkzonen eingeführt werden, was wiederum noch weiter entfernt liegenden Stadtvierteln Probleme bereitet.

Alle Maßnahmen würden jedoch nichts bringen, wenn mit Rad- und Fußverkehr sowie ÖPNV keine Alternativen geschaffen werden. Parallel dazu ebenfalls von Bedeutung: mehr Kontrollen, höhere Bußgelder und die Erhöhung der Parkgebühren.

Überwachung gehört dazu

Dafür zuständig ist Frank Lepke, Leiter des Kölner Verkehrsdienstes. Derzeit gebe es 240 sogenannte „Verkehrsüberwacher des ruhenden Verkehrs“, die Zahl solle aber noch auf 350 erhöht werden: „Ohne Überwachung funktionieren diese Systeme nicht. Eigentlich bräuchten wir 700 bis 800 Leute.“ Seit der Einführung des Anwohnerparkens habe sich jedoch viel verbessert: Bewohner finden leichter einen Parkplatz, Rettungsfahrzeuge haben es einfacher. Die Akzeptanz der Bewohner sei da und auch die Kundschaft bleibe nicht weg. „Die Kunden können ja auch mit dem ÖPNV herkommen oder in ein Parkhaus fahren. Es ist ja auch weiterhin erlaubt, in Bewohnerparkzonen zu parken, nur müssen die Leute dann einen geringen Obolus entrichten.“

Steffen Eilers sagt dazu: „Das wünsche ich mir für Bremen, dass wir das einfach machen: Ausprobieren, machen und nicht nach Gründen suchen, warum es nicht geht.“ Und auch Heiko Strohmann (CDU) findet das Konzept gut: „Jede Regierung, die nach dem 26. Mai da ist, muss dieses Thema angehen.“ Claudia Bernhard (Linke) meint, ohne flankierende Maßnahmen funktioniere Bewohnerparken nicht. „Der ÖPNV muss mehr Wege erhalten und ich glaube nicht, dass es nur eine Bußgeldfrage ist.“ Ralph Saxe (Grüne) meint, beim Thema Bewohnerparken müsse sich Bremen noch stark entwickeln: „Es ist eine umfassende Aufgabe, Bewohnerparken zur gesamtstädtischen Aufgabe zu machen.“

Der Ansatz, erst einmal den Bewohnern zu helfen wie in Köln, funktioniere hier in Teilen nicht, meint hingegen Arno Gottschalk (SPD). „Wir haben im Ortsverein Östliche Vorstadt bereits einen Schwerpunkt auf ÖPNV gesetzt. Mit Bewohnerparken sind wir jedoch nicht vorangekommen. Wenn wir da vorankommen wollen, müssen wir auch klare Geschichten erzählen.“

Die FDP, die nicht zugegen war, äußert sich in einer am gleichen Tag veröffentlichten Pressemitteilung so, dass die Situation zwar unbefriedigend sei und sich etwas tun müsse, Anwohnerparken jedoch das Problem nicht löse. „Die ohnehin schon zu knappen Parkplätze durch Multifunktionsflächen zu ersetzen ist für uns keine Alternative. Die Schaffung von neuem Parkraum in Form von Parkhäusern ist viel besser geeignet, um den Parkdruck im Viertel zu lösen“, erklärt Jürgen Schultz vom Beirat Östliche Vorstadt. Birgit Olbrich (SPD) hingegen nimmt viel Esprit aus der Veranstaltung mit: „Wir werden uns ganz stark auf Beiratsebene dafür einsetzen. Das ist ein tolles Beispiel.“

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