Forscher stellen Ideen vor

Bewohnerparken für Hulsberg-Quartier im Gespräch

Ein Mix aus Überwachung und Alternativen zum eigenen Auto sollen die Parksituation rund um das zukünftige Hulsberg-Quartier entspannen.
08.09.2019, 19:07
Lesedauer: 3 Min
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Bewohnerparken für Hulsberg-Quartier im Gespräch
Von Christian Hasemann
Bewohnerparken für Hulsberg-Quartier im Gespräch

Susanne Findeisen und Michael Glotz-Richter (Referent für nachhaltige Mobilität) haben auf dem Brommy-Fest die ersten Ideen zur Entlastung der Wohngebiete um das Hulsberg-Viertel vorgestellt.

Kuhaupt

Ein Sonnenaufgang symbolisiert den Beginn von etwas Neuem – das haben sich wohl die Schöpfer des Akronyms Sunrise gedacht. Hinter dem englischen Wort verbirgt sich allerdings das sperrige Ungetüm „Sustainable Urban Neighbourhoods – Research and Implementation Support in Europe“ – ein Forschungsprojekt, das neue und nachhaltige Mobilitätsformen in Stadtquartieren entwickeln und erproben soll. In Bremen nahmen sich die Forscher die unmittelbare Umgebung des neuen Hulsberg-Viertels vor und haben die ersten Ergebnisse auf dem Fest der Werbegemeinschaft Peterswerder auf dem Brommy-Platz vorgestellt.

Zukunft des Miteinanders

Insgesamt weniger sperrig soll der Verkehr zukünftig im und um das Hulsberg-Quartier fließen. Die mobile Zukunft stellen sich Fachleute und die beteiligten Anwohner der umgebenden Quartiere als ein Miteinander wendiger und flexibler Verkehrsmittel wie Fahrrad, Carsharing oder einfach die eigenen Beine vor. Vor allem aber soll die Parksituation verbessert werden.

„Am häufigsten wurde das illegale Parken genannt“, sagt Susanne Findeisen über die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung. Sie begleitet das Forschungsvorhaben als Vertreterin der Senatorin für Klimaschutz Wohnungsbau. Das illegale Parken war aber nicht das einzige Problemfeld. „Themen waren auch die Barrierefreiheit oder Räume für Kinder“, sagt Findeisen.

Eine Maßnahme, die daraus folgt: die konsequente Einhaltung und Überwachung der Verkehrsregeln. „Da gibt es jetzt ein Umdenken, denn es ist nicht gerecht und fair, wenn andere Formen der Bewegung dadurch zu kurz kommen“, sagt Findeisen. Autos auf Gehwegen, wie beim aufgesetzten Parken, schränkten die Bewegungsfreiheit anderer massiv ein. Und es sei auch eine Frage der Sicherheit. „Wenn die Leiterwagen der Feuerwehr nicht mehr durch die Straßen kommen, ist das gefährlich.“

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Durch die Überwachung verschwindet allerdings noch kein Auto – im Zweifel werden sie woanders geparkt. Miet-Lastenfahrräder und der Ausbau des Carsharings-Angebots sollen daher den Verzicht aufs Auto schmackhaft machen. „Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt 16 Autos“, so Findeisen. Allerdings greife dieses Angebot nicht bei Pendlern, die auf ein Auto angewiesen sind.

Der Haken am Bewohnerparken

Ein großes Thema sei daneben das sogenannte Bewohnerparken gewesen, also Zonen, in denen nur Anwohner mit einem speziellen Ausweis parken dürfen. „Da hat man erst mal den ganzen Besucherverkehr raus“, sagt Findeisen. Allerdings gibt es auch da einen Haken: Besucher könnten dann auf andere Quartiere ohne Zone für das Bewohnerparken ausweichen.

Julia von Helden wohnt in der Östlichen Vorstadt. Sie und ihr Mann haben kein Auto, würden von einem Bewohnerparken also nur indirekt profitieren. „Wichtig ist, dass die Regeln eingehalten werden“, meint Julia von Helden. Das gelte aber nicht nur für Autofahrer, sondern für alle Verkehrsteilnehmer. Sie hat beobachtet, dass insbesondere an den Straßeneinmündungen gefährlich geparkt wird. „Das wird bis ins Letzte ausgereizt.“

Ihr Mann Olaf Dilling begrüßt einen anderen Vorschlag: „Mehr Fahrradstellplätze – das finde ich gut“, sagt er mit Blick auf die Tafel mit dem Maßnahmenpaket. Jetzt stünden viele Fahrräder auf dem Gehweg an Zäune gelehnt. „Da tun mir die Leute leid, die zwischen Autos, Fahrrädern und Mülltonnen durchkommen müssen.“ Froh wäre das Ehepaar außerdem, wenn es andere Formen der Paketzustellung gebe. „Die müssen sich hier durchquälen, vielleicht wäre eine zentrale Paketabholstation in der Nähe eine Idee“, sagt Julia von Helden.

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Das Thema Bewohnerparken wird am kommenden Dienstag, 10. September, in der Sitzung des Beirats Östliche Vorstadt im Bürgerhaus Weserterrassen diskutiert. Sollte sich der Beirat für diese Lösung entscheiden, könnte es schon zu Beginn des nächsten Jahres zu einer Umsetzung kommen.

Die EU fördert das Forschungsprojekt mit knapp vier Millionen Euro. Sechs europäische Städte nehmen an dem Forschungsprojekt teil. Neben Bremen wird auch in Malmö, Southend-on-Sea, Budapest, Thessaloniki und Jerusalem an zukunftsträchtigen Formen des Verkehrs geforscht.

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