„Sunrise“-Projekt

Bewohnerparken kommt im Sommer in der Östlichen Vorstadt

Der Bereich zwischen Horner Straße, Bismarckstraße, St.-Jürgen-Straße und Vor dem Steintor wird im Sommer 2020 Modellquartier werden. Das ist ein Ergebnis der Untersuchungen des europäische „Sunrise“-Projekts.
12.03.2020, 05:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Bewohnerparken kommt im Sommer in der Östlichen Vorstadt

In den Straßen Feldstraße, Wendtstraße, Theresenstraße, Tresckowstraße, Pagentorner Straße und Sachsenstraße soll das Parken auf dem Gehweg nicht mehr gestattest sein, sondern nur noch einseitiges Parken am Bordstein.

Petra Stubbe

Zugeparkte Gehwege, hoher Parkdruck, Gefährdung der Rettungssicherheit: Probleme, mit denen nicht nur die Östliche Vorstadt zu kämpfen hat. Durch die Entstehung des Neuen Hulsberg-Viertels ist abzusehen, dass sich diese problematischen Bedingungen eher verschärfen als entspannen könnten – Zeit, sich nach einer adäquaten Lösung umzuschauen.

Das europäische „Sunrise“-Projekt hat über einen längeren Zeitraum die Quartiere rund um das Neue Hulsberg-Viertel untersucht und dabei auch auf eine intensive Bürgerbeteiligung gesetzt: Wo gibt es Probleme? Wie könnten Lösungen aussehen? Wie kann der zur Verfügung stehende Straßenraum besser genutzt werden? Die Ergebnisse sind anschließend in einen Betriebsplan geflossen, den Susanne Findeisen von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS) nun dem Beirat Östliche Vorstadt auf seiner Sitzung im Bürgerhaus Weserterrassen vorgestellt hat.

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Vorweg: Das Bewohnerparken wird im Sommer 2020 kommen. Der Bereich zwischen Horner Straße, Bismarckstraße, St.-Jürgen-Straße und Vor dem Steintor wird nun das Modellquartier für das Bewohnerparken werden. „Sunrise wird Pilotquartier. Alles, was wir hier machen, ist Blaupause für andere Quartiere“, sagt Susanne Findeisen und deutet damit an, dass die Erfahrungen, die in diesem Gebiet gesammelt werden, in folgende Bewohnerparkzonen einfließen werden. Konkret heißt das, dass jeder Bewohner dieses Areals einen Parkausweis erhält, sofern er keinen privaten Stellplatz, etwa eine Garage, sein Eigen nennen kann.

Dieser Bewohnerparkausweis, ausgestellt auf das Autokennzeichen, kostet 30 Euro für ein Jahr oder 50 Euro für zwei Jahre, dafür kann der Autofahrer in diesem Quartier fortan parken, wo und wie lang er möchte. Auswärtige Besucher werden zwar von der Möglichkeit des Parkens in diesem Quartier nicht ausgeschlossen, sie müssen jedoch an Parkscheinautomaten Tickets ziehen, die 50 Cent für eine halbe Stunde kosten. Die Parkzeit ist für sie auf 120 Minuten begrenzt. Falls Anwohner Besuch von auswärtigen Autofahrern bekommen, gibt es für diese privaten Gäste Besucherkarten, die einen Euro pro Tag kosten.

Sonderregelungen für Gewerbetreibende, Handwerker und Pflegedienste

Im Innenbereich dürfen sowohl Bewohner als auch Auswärtige überall parken, an den Randbereichen St.-Jürgen-Straße, Bismarckstraße und Vor dem Steintor darf tagsüber nur mit Parkschein und von 18 bis 8 Uhr auch mit Bewohnerparkausweis geparkt werden. Sonderregelungen wird es für Gewerbetreibende, Handwerker und Pflegedienste geben. Integriert in die Planung sind ebenfalls Fahrradstellplätze und Carsharing.

Für die Straßen Feldstraße, Wendtstraße, Theresenstraße, Tresckowstraße, Pagentorner Straße und Sachsenstraße gilt: Kein Gehwegparken mehr, sondern nur noch einseitiges Parken am Bordstein. Zunächst wird diese Regelung beschildert, diese Schilder werden jedoch nach einer gewissen Zeit entfernt. „Eine Evaluierung ist wichtig“, sagt Susanne Findeisen, und falls es nötig werden sollte, werde nachgesteuert. 22 neue Parkscheinautomaten wird es geben, neun gibt es bereits. Maximal 150 Meter werden sie vom jeweiligen Parkstand entfernt stehen und es wird darauf geachtet, dass sie den Gehweg nicht einengen.

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Auch das Thema „Fahrradparken“ greift der Betriebsplan auf: 101 neue Fahrradbügel für 202 Fahrräder an 32 Standorten in 14 Straßen wird es geben, die parallel zur Fahrbahn aufgestellt werden. Somit entfällt auch die Notwendigkeit, Poller zur Verhinderung des aufgesetzten Parkens aufzustellen. Und auch zwei neue „Mobil-pünktchen“ an der St.-Jürgen-Straße wird es geben: „Mehr Carsharing-Standorte, denn der Bedarf ist da“, stellt Susanne Findeisen fest. „Wir wollen bei Sunrise neue Wege gehen und provisorische Stellplätze errichten. Dauerhaft wird später gebaut.“

Zehn Wochen vor dem Start des Bewohnerparkens werden die Parkausweise ausgegeben, in den ersten zwei Wochen wird es zudem Gelbe Karten bei Parkverstößen geben, danach dann gibt es Rote Karten inklusive Bußgeld und Abschleppen. Im Herbst wird nochmal geschaut, was besser gemacht werden kann, gegebenenfalls wird nachgesteuert.

„Ein Bewohnerparken entbindet nicht von der Pflicht, korrekt zu parken“

„Wir vom Ordnungsamt werden uns daran beteiligen“, sagt Uwe Papencord, Leiter der Abteilung Allgemeine Ordnungsangelegenheiten und Verantwortlicher für den Ordnungsdienst. Er kennt die Gelben Karten bereits aus der Praxis des Ordnungsdienstes – „wir denken, das Modell ist übertragbar.“ Er mahnt aber auch: „Ein Bewohnerparken entbindet nicht von der Pflicht, korrekt zu parken.“ Peter Kadach von der CDU fragt anschließend, ob Beschäftigte von Betrieben innerhalb des Quartiers ebenfalls Parkkarten erhalten. Susanne Findeisen muss das verneinen: „Alle Auswärtigen, die nicht unter die Ausnahmeregelung fallen, müssen einen Parkschein ziehen.“

Maria Busch von der Initiative Leben im Viertel (Liv) sorgt sich, dass der Parkdruck in den angrenzenden Quartieren steigen könne und spricht sich für eine Ausweitung auf das gesamte Viertel aus. Susanne Findeisen schließt nicht aus, dass es Verlagerungseffekte geben könne, „wir werden aber schauen, ob es Verschärfungen in diesem Bereich gibt. Es gibt viele Wünsche, den Bereich auszuweiten, das können wir mit Sunrise aber nicht. Wir hoffen aber, dass das Stellplatzpotenzial ausreichend sein wird.“ Dazu zählt auch, dass durch das Bewohnerparken der Anreiz geschaffen werde, die eigene Garage zu nutzen. Besitzer einer eigenen Garage bekämen keinen Bewohnerparkausweis: „Es sei denn, die Garage ist zu klein. Oder die Garage wird so gekennzeichnet, dass sie nicht mehr als Garage genutzt wird, damit davor geparkt werden kann.“

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