Leseförderung in der Grundschule

Bibliothekskarte zu oft ungenutzt

Jeder Erstklässler in Bremen bekommt eine kostenlose Bibliothekskarte. Doch nicht alle nutzen sie. Weil Bibliotheken aber wichtig für die Bildung sind, wollen die Grünen mehr Kinder dorthin bringen.
05.04.2017, 17:38
Lesedauer: 2 Min
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Bibliothekskarte zu oft ungenutzt
Von Kathrin Aldenhoff
Bibliothekskarte zu oft ungenutzt

Nicht in allen Stadtteilen gibt es eine Bücherei: Dorthin kommt dann der Bücherbus.

Christina Kuhaupt

Jeder Erstklässler in Bremen bekommt eine kostenlose Bibliothekskarte. Doch nicht alle nutzen sie. Weil Bibliotheken aber wichtig für die Bildung sind, wollen die Grünen mehr Kinder dorthin bringen.

Lesen ist wichtig für Kinder, und weil das so ist, sollen möglichst viele Kinder schon im Grundschulalter die Bücherei in ihrem Stadtteil kennenlernen. Das ist der erklärte Wunsch der Politik, deshalb bekommt seit zwei Jahren jedes Grundschulkind in Bremen eine Einsteiger-Bibliothekskarte.

Mit der können Kinder bei jedem Besuch kostenlos zwei Bücher ausleihen. Doch nicht alle nutzen diese Karte, nicht alle Kinder schauen sich Bremens Büchereien an. Und das will die Fraktion der Grünen in der Bürgerschaft nun ändern. Vor einigen Wochen hat sich Kirsten Kappert-Gonther, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, die Stadtteil-Bibliotheken angesehen.

Ein positives Erlebnis

Besonders angetan war sie von der in Osterholz. Die ist in der Gesamtschule Ost, und in der Pause ist sie voller Kinder, erzählt Kappert-Gonther. „Es war toll, zu erleben, wie lebendig dieser Ort ist und wie begeistert die Kinder und Jugendlichen das Angebot annehmen.“

Mit drei von vier Schulen in Bremen arbeite die Stadtbibliothek zusammen, sagt deren stellvertretende Direktorin Lucia Werder. Lehrer dieser Schulen besuchen mit den Erstklässlern die Bücherei in der Nähe, und die Mitarbeiter zeigen bei einer Führung, wie das Bücherausleihen funktioniert.

„Die Kinder bekommen eine Idee davon, was eine Bibliothek ist, und verknüpfen damit ein positives Erlebnis“, sagt Lucia Werder. Ob Grundschulkinder aber eine Bücherei besuchen, hängt vom Engagement ihrer Lehrer ab. Davon, ob sie sich im Schulalltag Zeit für den Besuch nehmen.

Büchereien sind besonders wichtige Bildungseinrichtungen

Natürlich, manche Kinder kommen auch mit den Eltern. Aber eben nicht alle. Jedes vierte Kind betrete nie eine Bibliothek, sagt Lucia Werder. „Eltern, die nicht wissen, welche Vorteile eine Bibliothek hat, kommen nicht auf die Idee, mit ihren Kindern dorthin zu gehen“, sagt sie.

„Es ist besonders schwierig, die Kinder zu erreichen, die aus Elternhäusern kommen, in denen kein einziges Buch im Regal steht.“ Büchereien aber gelten neben den Schulen als besonders wichtige Bildungseinrichtungen. Deshalb sei das Ziel, alle Grundschulkinder zu erreichen.

Ein Weg dorthin könnte es ihrer Ansicht nach sein, den Besuch einer Bücherei fest im Lehrplan zu verankern. „Wir wünschen uns eine höhere Verbindlichkeit“, sagt sie. Dann hinge es nicht mehr vom Engagement des Lehrers ab, ob seine Schüler eine Bibliothek von innen sehen oder nicht.

Der Grundstein für lebenslanges Lernen

Kirsten Kappert-Gonther hat mit ihrer Fraktion am Dienstag einen Antrag beschlossen, der eben diese Verbindlichkeit zum Ziel hat. Sie findet: „Jedes Kind sollte zumindest einmal die Gelegenheit haben, diesen Ort kennenzulernen.“

Denn der frühe Zugang zu Bibliotheken als Bildungs- und Kultureinrichtungen lege den Grundstein für lebenslanges Lernen. Der Antrag der Grünen lässt offen, ob der Lehrplan geändert werden soll oder ob es andere Möglichkeiten gibt, den Bibliotheks-Besuch im Schulalltag zu verankern.

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